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Deutschland im Stress

25.05.2009
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Deutschland im Stress

Von Jana Kroll, Berlin

 

Jeder dritte Deutsche fühlt sich im Dauerstress. Das belegt eine repräsentative Umfrage, die vergangene Woche in Berlin vorgestellt wurde. Sie zeigt, dass die Dauerbelastung sämtliche Bevölkerungsschichten betrifft und die Gesundheit durchaus schädigt.

 

Acht von zehn Deutschen empfinden ihr Leben oft als stressig, jeder Dritte sogar die ganze Zeit. Und jeder Fünfte bekommt die Folgen gesundheitlich zu spüren. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer repräsentativen Telefon-Umfrage unter 1014 Menschen zwischen 14 und 65 Jahren, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa, das FAZ-Institut und die Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam durchführten. »Die Kosten für die Unternehmen und die Folgen für das deutsche Gesundheitssystem sind erheblich«, sagte der TK-Vorstandsvorsitzende Professor Dr. Norbert Klusen bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Umfrage vergangene Woche in Berlin.

 

Aus der Umfrage geht auch hervor, dass Stress alle Bevölkerungsschichten betrifft. So fühlen sich 30 Prozent der Schüler und Studenten, 33 Prozent der Erwerbstätigen und 36 Prozent der Erwerbstätigen in Führungspositionen häufig oder ständig gestresst. Noch höher, nämlich bei 38 Prozent, liegt dieser Wert bei den Hausfrauen (und -männern). Damit stehen sie also sogar noch stärker unter Strom als Topmanager.

 

Als Hauptursachen für Stress im Job nannten die Befragten vor allem Hetze und Termindruck, gefolgt von einer ständigen Informationsüberflutung, dem Zwang, immer erreichbar zu sein, ungenauen Anweisungen und einem zu hohen Arbeitspensum. Davon unterscheiden sich die Nöte der Hausfrauen und -männer. Etwa die Hälfte von ihnen gab in der Umfrage an, eigene Interessen zurückzustellen und sich um die eigene Altersabsicherung sowie den Lebensunterhalt zu sorgen. Schüler und Studenten empfinden insbesondere Prüfungssituationen und Leistungsdruck als stressig und fürchten, nach der Ausbildung keinen Arbeitsplatz zu finden.

 

»Je höher das Stress-Level, desto kränker die Menschen«, sagte Karin Gangl vom FAZ-Institut bei der Pressekonferenz. Als die häufigsten Symptome nannten die ständig Gestressten in der Umfrage Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Erschöpfungszustände und Kopfschmerzen. Hinzu kommen psychische Veränderungen wie Nervosität, Gereiztheit, Angstzustände und Schlafstörungen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen traten bei ihnen mit 18 Prozent doppelt so häufig auf wie bei den wenig bis gar nicht Gestressten. Das Problem ist nicht neu. So sieht die Weltgesundheitsorganisation Stress als eines der größten Gesundheitsrisiken des 21. Jahrhunderts.

 

Als bevorzugte Mittel zum Stressabbau nannten die Befragten in der Umfrage Sport, Bewegung an der frischen Luft und Gespräche mit Partner, Familie oder Freunden. »Auch die eigene Einstellung und der Umgang mit Stress können negative gesundheitliche Auswirkungen verhindern«, sagte Gangl.

 

Das Hauptproblem sieht Helen Heinemann vom Hamburger Institut für Burn-out-Prävention (IBP) in der Kopplung von Leistung und Selbstwert. Dieser Kreislauf lasse sich oft durch den Einbau von Tätigkeiten in den Alltag durchbrechen, bei denen man nicht zwingend Erfolge zeigen müsse, wie etwa den Besuch einer Chorgruppe oder Unternehmungen mit Freunden. Speziell für berufstätige Eltern, die ihrer Erfahrung nach häufig von Burnout betroffen sind, entwickelte Heinemann gemeinsam mit der TK »Work-Life-Balancing«-Kurse. Berufstätige Eltern lernen hierbei, Kind und Karriere besser unter einen Hut zu bringen, ohne dabei selbst auf der Strecke zu bleiben. »Stress lässt sich nie ganz vermeiden«, sagte die Psychologin. »Aber wir können beeinflussen, wie wir damit umgehen.«

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