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Pharmamarkt

Generikahersteller unter Druck

30.05.2006  19:52 Uhr

Pharmamarkt

Generikahersteller unter Druck

von Thomas Bellartz, Berlin

 

Der Preiskampf zwischen den deutschen Generikaherstellern ist eröffnet: Nach Hexal/Sandoz und Ratiopharm erklärte nun auch die Stada am Dienstag, ihre Preise senken zu wollen. Der bereits lädierte Börsenkurs geriet daraufhin erneut unter Druck.

 

Die Stada kündigte »umfangreiche Preissenkungen für zahlreiche Produkte ihres Generika-Sortiments im deutschen Markt« zum 1. Juli 2006 an. Dabei würden voraussichtlich mehr als 550 Apothekenverkaufspreise bei über 110 Wirkstoffen in der Spitze um über 50 Prozent gesenkt, hieß es. Damit geht man bei der Stada noch einen Schritt weiter, als die Konkurrenz: Denn die Preissenkungen betreffen über die Hälfte der verschreibungspflichtigen Wirkstoffe des Stadapharm-Sortiments.

 

Auf Basis der aktuellen Apothekenverkaufspreise inklusive der Mehrwertsteuer betrage das Gesamtvolumen der Preissenkungen auf Jahresbasis rund 32 Millionen Euro. Daraus resultierend komme es zu einer weiteren Entlastung der Patienten von Zuzahlungen in Höhe von über 7 Millionen Euro jährlich. Grund sei die Absenkung eines Teils der Preise auf 30 Prozent unter Festbetrag ­ damit würden »zukünftig über 140 Artikel aus dem Sortiment für gesetzlich Versicherte zuzahlungsfrei bleiben«.

 

Auch die zweite Generika-Vertriebslinie des Stada-Konzerns in Deutschland, die Aliud Pharma GmbH, bereite umfangreiche Preissenkungen zum 1. Juli 2006 vor. Ein Teil dieser Preissenkungen im deutschen Markt ziele auf Regelungen des AVWG ab und war deswegen in den Unternehmensplänen bereits vorgesehen. Die darüber hinausgehenden Preissenkungen liegen laut Stada »im Rahmen bestehender Budgetreserven des laufenden Geschäftsjahres«. darauf könne der Konzern wegen der guten Entwicklung des Auslandsgeschäfts in diesem Jahr zurückgreifen.

 

Die aktuelle Situation im deutschen Markt erfordere deswegen nach Ansicht des Vorstands auf Grund des bis heute überschaubaren Geschäftsverlaufs keine Änderung der Wachstumsprognose für den Konzern für das laufende Geschäftsjahr. Stada gehe für 2006 unverändert von einem »robusten operativen Konzernwachstum aus, wobei der Ertrag überproportional zum Umsatz ansteigen soll«.

 

Nach dem Startschuss von Hexal und Sandoz hatten zahlreiche Branchenexperten mit einem Preiskampf und einer verschärften Wettbewerbsituation im Generikamarkt gerechnet. Die Preisreduzierungen könnten nach Ansicht von Analysten die Gewinne der Unternehmen belasten und die derzeitige Konzentration unter den Generikaherstellern weiter beschleunigen. Die Senkungen waren von Beobachtern zwar bereits erwartet worden, die Stada-Aktie brach am vergangenen Mittwoch dennoch zwischenzeitlich um rund 14 Prozent ein und wurde von einigen Analysten herabgestuft. Ein Stada-Sprecher bekräftigte jedoch noch am Mittwoch die Konzernprognose für das Gesamtjahr. Mitte Mai hatte Stada für 2006 eine im Verhältnis zum Umsatz überproportionale Ertragssteigerung in Aussicht gestellt.

 

Der Generikamarkt gilt als zunehmend schwierig: Bereits seit dem 1. April gilt rückwirkend ein 10-prozentiger Zwangsrabatt für die Generikahersteller. Zudem sollen Patienten künftig stärker daran beteiligt werden, welche Medikamente verschrieben werden. Liegt der Preis um mindestens 30 Prozent unter dem Festbetrag, muss der Patient ab dem 1. Juli nichts mehr zuzahlen. Außerdem entfällt dann der Herstellerrabatt. Damit will der Gesetzgeber einen Wettbewerb um die niedrigsten Preise einleiten.

 

Mit Belastungen rechnen Analysten durch die Preissenkungen auch bei der wegen ihrer Börsennotierung stark beachteten Stada Arzneimittel AG. Helaba-Analyst Thomas Brenning geht davon aus, dass die Gewinne von Stada in Deutschland negativ beeinträchtigt werden. Allerdings habe Stada noch einen gewissen Spielraum, meinte er. So habe das Unternehmen in den vergangenen Monaten sehr gut verdient, seine Kostenstrukturen verbessert und die Abhängigkeit vom deutschen Markt etwas verringert. Daher dürfte seiner Ansicht nach die Situation für Stada nicht so dramatisch werden wie vor zwei Jahren.

 

Damals hatte eine Rabattschlacht der Generikaanbieter um zusätzliche Anteile im Apothekenmarkt Stada zu einer Gewinnwarnung gezwungen. Allerdings hätten einige Analysten ihre Gewinnprognosen für Stada in jüngster Vergangenheit sehr hochgeschraubt, meinte Brenning. Hier dürfte es nun Korrekturen geben, prophezeite er. Auch das Umfeld in anderen europäischen Ländern sei derzeit nicht so gut, dass Stada etwaige Belastungen in Deutschland kompensieren könne. Eine Entlastung sieht Brenning durch das seit dem 1. Mai gesetzlich geregelte Verbot von Naturalrabatten, das Generikaherstellern verbietet, Gratispackungen an Apotheken abzugeben. Bei großen Herstellern wie Stada rechnet der Analyst zudem mit positiven Mengeneffekten. So sei zu erwarten, dass die kleineren Anbieter nicht mehr mithalten könnten, sagte er. Auch der Verband »Pro Generika« rechnet damit, dass sich die Konzentration unter den Herstellern durch die Änderungen weiter beschleunigen wird (siehe Interview).

 

Viele Branchenkenner erwarten eine erhebliche Konsolidierung des Marktes infolge des Preiswettbewerbs. Marktanteile könnten in erheblichem Umfang von kleineren zu den großen Herstellern bewegt werden.

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