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Schmerzmittel

Plädoyer gegen Restriktionen

21.05.2014
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Von Sven Siebenand, Bonn / Die Anwendung von Schmerzmitteln ist sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit ein wichtiges Thema. Bei einer Presseveranstaltung des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH) Anfang Mai in Bonn standen vor allem Sicherheit und Gebrauch von OTC-Analgetika im Fokus.

Laut BAH-Geschäftsführer Dr. Elmar Kroth ist der Schmerzmittelgebrauch in Deutschland sehr stabil. Blickt man ausschließlich auf die OTC-Analgetika, sei der Pro-Kopf-Verbrauch seit 15 Jahren sogar rückläufig. Rx-Analgetika nähmen stattdessen zu und würden vermutlich 2015 einen größeren Wert annehmen als die OTC-Schmerzmittel. Kroth präsentierte zudem Zahlen, die zeigen, dass Deutschland im interna­tionalen Vergleich entwickelter Staaten bezogen auf den Pro-Kopf-Verbrauch rezeptfreier Schmerzmittel im unteren Bereich rangiert. In Frankreich beispielsweise läge der Verbrauch rund dreimal so hoch, in Australien sogar viermal so hoch.

Indianerland Deutschland

 

Professor Dr. Stefan Evers von der Universität Münster präsentierte die Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 1000 Bürgern aus acht europäischen Staaten, die zu ihrer Einstellung zu Schmerzmitteln interviewt worden waren. Die Daten zeigen, dass das »Ein- Indianer-kennt-keinen-Schmerz«-Denken in Deutschland offenbar stark vertreten ist. Während mehr als 50 Prozent der Briten und Spanier lieber ein Schmerzmittel einnehmen, anstatt Schmerzen auszuhalten, gilt dies nur für 38 Prozent der Deutschen. Hierzu passt das Ergebnis der Umfrage in puncto Nebenwirkungen. Fast die Hälfte der Deutschen hat bei der Einnahme Bedenken wegen potenzieller Nebenwirkungen. Ein Ergebnis, das in keinem der anderen Länder auch nur annähernd erreicht wurde.

 

»Man sollte nicht mit Stielaugen der Angst auf ein Medikament schauen«, riet Professor Dr. Thomas Herdegen von der Universität Kiel. »Die roten Hände werden immer mehr«, ging der Mediziner auf die zunehmende Zahl Roter-Hand-Briefe ein. Er warnte vor einer Sicherheitsverwahrung von Schmerzmitteln. Ärzte würden zunehmend in der medikamentösen Schmerztherapie eingeschränkt und könnten ihre Patienten nicht mehr angemessen behandeln. »Tablette weg, Schmerz bleibt.« Auch sei unklar, ob ein Wechsel auf andere Wirkstoffe in jedem Fall risikoärmer sei.

 

Was rezeptfreie Schmerzmittel aus der Apotheke betrifft, vertritt der Pharmakologe eine klare Position: Niemand sollte in den Konsum hineingetrieben werden und Medikamente sollten immer nur mit Augenmaß eingesetzt werden. Herdegen kritisierte, dass die Risiken einzelner Wirkstoffe aus dem Bereich der Rx-Verordnungen (lange Einnahmedauer und hohe Dosierung) häufig auf den OTC-Bereich übertragen würden. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch seien OTC-Schmerzmittel aber absolut sicher.

 

Fünf Tipps für sicheren Gebrauch

 

Was darunter zu verstehen ist, konkretisierte Evers. Erstens sollte die Einnahme bei bekannten Attackenschmerzen wie Migräne- und Spannungskopfschmerz erfolgen, sobald der Schmerz eintritt. Zweitens sollten sich Dosis und Einnahmefrequenz nach den Empfehlungen richten. Hinweis Nummer 3 lautet: Die Einnahme von Schmerzmitteln bei Attackenschmerzen sollte an maximal zehn Tagen pro Monat erfolgen, um zu verhindern, dass die Schmerzen chronifizieren. Ist eine Dauereinnahme vertretbar, sollte ein festes Einnahmeschema eingehalten werden. Last but not least sollte man fünftens vor der Gabe eines Schmerzmittels Kontraindikationen und Wechselwirkungen beachten. Sind diese Punkte befolgt, verbessern die Medikamente die Lebensqualität des Schmerzpatienten, so Evers. Abhängigkeit und relevante Nebenwirkungen an Organen seien dann nicht zu befürchten. /

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