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Schmerzmittel-Gebrauch

Die Deutschen sind leidensfähig

Im Vergleich zu Australien und Frankreich werden in Deutschland deutlich weniger leicht- bis mittelstark wirksame Schmerzmittel konsumiert, sowohl auf Rezept als auch in der Selbstmedikation, berichtet der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) anlässlich des Aktionstags gegen den Schmerz, der am 4. Juni stattfindet. Dazu hätten auch die Apotheker ihren Anteil beigetragen.
Daniela Hüttemann
03.06.2019
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Berechnungen des BAH zufolge liegt der jährliche Pro-Kopf-Gebrauch sowohl für Rx- als auch OTC-Analgetika in Deutschland bei 50 standardisierten Einheiten pro Jahr – und das  relativ konstant seit 25 Jahren. Das entspricht rund 4,2 Einheiten pro Monat. Die genannten Gebrauchsdaten hat der BAH aus verschiedenen Datenquellen ermittelt wie etwa Zahlen des Dienstleisters IQVIA. Dabei wurden sowohl Einzelsubstanzen als Kombinationsmittel berücksichtigt. Eine Standardeinheit entspricht einer Tablette oder beispielsweise 5 ml Saft. Nicht berücksichtigt wurden Analgetika, die unter die Betäubungsmittelverordnung falle, wie Opioide, sowie Triptane und Spasmoanalgetika.

Im vergangenen Jahr habe der Wert für rezeptfreie Schmerzmittel in Australien fünfmal höher gelegen als in Deutschland. Beim Gesamtverbrauch inklusiver verordneter Präparate lagen die Australier immer noch 3,5-mal über dem Wert der Deutschen. Auch in Frankreich werden dem BAH zufolge 2,5-mal so viele Schmerzmittel eingenommen als hierzulande. Konkrete Zahlen aus weiteren Ländern nennt der BAH allerdings nicht.

Bei den rezeptpflichtigen Substanzen gab es zwischen 2010 und 2018 einen leichten Anstieg von 21,2 auf 26,0 Standardeinheiten. Dagegen sank der Wert für Analgetika in der Selbstmedikation von 29,1 auf 24,7 Standardeinheiten. Das entspricht einem Gesamtwert von 50,7 Standardeinheiten pro Kopf pro Jahr.

Sorgfältiger Umgang im OTC-Bereich

»Gerade beim Blick auf den verschreibungsfreien Bereich kann man deutlich sehen, dass sowohl die Patienten als auch Apotheker sehr sorgfältig mit Schmerzmitteln umgehen«, kommentiert Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft beim BAH. »Sie wägen offensichtlich genau ab, ob und in welcher Dosierung Schmerzmittel wirklich benötigt werden.«  Eine wichtige Rolle spiele dabei wohl auch, dass Schmerzmittel – im Gegensatz zu manch anderen Ländern – in Deutschland apothekenpflichtig sind und darüber hinaus auch in der Apotheke nicht einfach im Freiwahlbereich angeboten werden dürfen. »Das eröffnet dem Apotheker die Möglichkeit, den Patienten vor dem Kauf zu beraten und auf den richtigen Gebrauch aufmerksam zu machen«, so Kroth. Der tatsächliche Verbrauch könnte laut BAH sogar noch niedriger liegen, da nicht jede gekaufte Packung komplett aufgebraucht werde.

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