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Arzneimitteltherapiesicherheit

Mehr Kompetenz für die Patienten

24.05.2011
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Von Brigitte M. Gensthaler, Rosenheim / Die Arzneimitteltherapie muss besser und sicherer werden. Welche Rolle Krankenkassen und Apotheker dabei übernehmen können, war Thema der Lesmüller-Vorlesung beim Bayerischen Apothekertag in Rosenheim.

Die Techniker Krankenkasse will beim Arzneimittelversorgungsmanagement mit den Apothekern zusammenarbeiten. Dies war eine wichtige Botschaft von Apotheker Tim Steimle, Leiter des Fachbereichs Arzneimittel bei der Techniker Kranken­kasse (TK) und Referent der diesjährigen Lesmüller-Vorlesung Ende Mai in Rosenheim. Namensgebend für diese Vorlesung ist die Dr.-August-und-Dr.-Anni-Lesmüller-Stiftung, deren Mittel schwerpunktmäßig für Projekte verwendet werden, die der Weiterentwicklung des Berufs und des Berufsbilds des Apothekers dienen.

Die TK hat bereits arzneimittelbezo­gene Projekte etabliert und geht damit direkt auf Ärzte und Versicherte zu – ohne die Apotheker. »Die Apotheker müssen Verantwortung übernehmen für arzneimittelbezogene Probleme«, forderte Steimle. Die Complianceförderung sei ein wesentliches Feld für die Zusammenarbeit von Arzt, Apotheker und Krankenkasse. Laut Weltgesundheitsorganisation könne die Steigerung der Adhärenz sogar einen deutlich größeren Effekt auf die Gesundheit der Menschen haben als neue Therapiestrategien. Doch ob Interventionen zur Adhärenzförderung überhaupt dauerhafte Effekte erzielen, sei mithilfe der Versorgungsforschung zu prüfen.

 

»Neben den Kosten ist die richtige Arzneimittelanwen­dung für uns als Krankenkasse besonders wichtig«, sagte der Apotheker. Dass Patienten selbst eine bessere Beratung wünschen, um auf Augenhöhe mit ihrem Arzt sprechen zu können, habe eine TK-Umfrage gezeigt. Nur jeder zweite Befragte habe angegeben, dass der Apotheker ihn nach seiner gesamten Medikation befragt hat. Die TK will Abhilfe schaffen. »Wir sehen uns in der Verantwortung, die Arzneimitteltherapie zu verbessern und Versicherte über Arzneimittel zu informieren.«

 

Dazu hat die Kasse unter anderem eine Kursreihe »Kompetent als Patient« gestartet und gibt Broschüren, Checklisten und andere Orientierungshilfen he­raus, berichtete Steimle. Ziel sei immer die Stärkung der Patientenkompetenz. Im TK-Ärztezentrum geben Ärzte telefonischen Rat; immerhin jede dritte Frage betreffe Arzneimittel.

Zu den arzneimittelbezogenen Beratungsangeboten gehört die TK-ViA, das heißt »Versicherteninformation Arzneimittel«. Die Versicherten erhalten auf Anfrage eine schriftliche Übersicht über alle verordneten Medikamente, die die Kasse anhand der in den letzten zwei Jahren eingelösten Rezepte er­stellt. Arzneimittel der Selbstmedikation, die der Kunde in der Apotheke kauft, fehlen jedoch.

 

Neben Informationen über Arzneimittelpreise und Zuzahlung enthalte die ViA seit Anfang 2011 auch Hinweise zu potenziell ungeeigneten Medikamenten für ältere Menschen (gemäß Priscus-Liste), berichtete Steimle. Bei Rückfragen werde der Versicherte ermutigt, seinen Arzt oder Apotheker oder das TK-Ärztezentrum zu kontaktieren.

 

An den Arzt wendet sich der Arzneimittel-Verordnungsreport, der diesem eine Übersicht über seine Verordnungspraxis gibt. Ärzte, die den Report beziehen, verordnen laut Steimle weniger Me-too-Präparate und insgesamt wirtschaftlicher. »Die Ärzte bewerten den TK-Report überwiegend positiv, als praxisrelevant und glaubwürdig.« Eine Ausweitung des Projekts, unter anderem die Einbindung in ein Ärztenetz in Nürnberg, und in TK-Einzelverträge ist geplant.

 

Ebenfalls in Planung ist ein Adhärenz-Management. Auf der Grundlage von Routinedaten sollen Patienten ausgewählt und gezielt angesprochen werden, deren Therapietreue nicht optimal ist. Bei der »First-Level- und Second-Level-Beratung« könne eine sinnvolle Zusammenarbeit mit Ärzten und Apothekern stattfinden. Am Schluss des Projekts soll erfasst werden, ob die Beratung die Adhärenz tatsächlich verbessert hat. Ziel sei es, den richtigen Patienten ein intensiveres Arzneimittelversorgungsmanagement anzubieten, sagte Steimle. In der regen Diskussion signalisierte Dr. Frank Dörje, Mitglied des Vorstands der Bayerischen Landesapothekerkammer, die Offenheit der Apotheker, mit der Krankenkasse aktiv Projekte weiterzuentwickeln, die den Patienten wirklich nützen. /

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