Pharmazeutische Zeitung online

Streng vertraulich!

25.05.2010  13:04 Uhr

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – dieser Spruch hat in vielfältiger Weise seine Berechtigung. Für das Beratungsgespräch in der Apotheke allerdings gilt er sicher nicht. Der Patient muss über seine Beschwerden sprechen, muss fragen können. Der Apotheker muss den Patienten informieren und beraten. Müssen aber alle in der Offizin Anwesenden mithören können, wenn sie oder er ihre Beschwerden schildert? Was ist, wenn eine Patientin ein Arzneimittel gegen ihre Vaginalmykose benötigt oder ein Patient von Hämorrhoiden geplagt ist?

 

Viele Kolleginnen und Kollegen haben einen separaten Beratungsraum oder eine Beratungsecke eingerichtet, nachdem der Verordnungsgeber im Jahr 1994 festgelegt hatte, dass die Offizin so eingerichtet sein muss, dass die Vertraulichkeit der Beratung gewahrt werden kann. Das war gut und richtig so! Es sind mit Patientinnen und Patienten Beratungsgespräche zu führen, die nicht nur der Vertraulichkeit, sondern auch einer ruhigen Atmosphäre bedürfen, die in der Offizin so nicht gegeben ist. Ein Problem bleibt aber: Die Patientin oder der Patient muss sich zunächst »in aller Öffentlichkeit« äußern, bevor er oder sie überhaupt die Chance hat, ein vertrauliches Gespräch führen zu können.

 

Wir müssen also dafür Sorge tragen, dass bei jeder Arzneimittelabgabe am Handverkaufstisch ein gewisses Maß an Vertraulichkeit gewährleistet ist. Die Meinungen über das leuchtend gefärbte Klebeband am Fußboden oder über ein Schild, das auf die notwendige Wahrung der Diskretion hinweist, gehen durchaus auseinander. Aber Klebeband und Schild erfüllen ganz sicher einen Zweck – es werden Abstand und damit auch eine gewisse Diskretion gewahrt. Und sie haben einen Vorteil: Es müssen keine größeren bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Etwas zu tun, ist immer besser als abzuwarten. Und sicherlich gibt es noch andere Möglichkeiten, ohne größeren Aufwand Diskretionszonen zu schaffen. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt.

 

Damit Ihr Wissen für die Beratung auf dem neuesten Stand ist, hat der Wissenschaftliche Beirat der Bundesapothekerkammer für den Phar­ma­con-Kongress nächste Woche in Meran wieder ein attraktives Vortrags- und Seminarprogramm zusammengestellt. Schwerpunktthemen sind Schmerzthera­pie, Autoimmunerkrankungen, Doping und Sucht.

 

Dass Fortbildung eine gute Investition ist, zeigt eine aktuelle infas-Umfrage. Die Menschen schätzen die Fachkompetenz der Apothekerinnen und Apotheker. Und sie haben großes Vertrauen in die unabhängige und freiberuflich geführte Apotheke. Vertrauen beinhaltet aber auch Vertraulichkeit – diese sind wir unseren Patientinnen und Patienten schuldig.

 

Erika Fink

Präsidentin der Bundesapothekerkammer (BAK)

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