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21.05.2007
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Vor vier Wochen hat Celesio DocMorris gekauft. Am Tag der Verkündung des Deals rauschte die Celesio-Aktie auf ein Allzeithoch. Seitdem ist der Kurs rückläufig. Nicht minder rückläufig ist das Geschäft der deutschen Großhandelstochter Gehe. Nun hofft das Unternehmen auf apothekerliche Gnade - dann werde auch die Abwanderung ein Ende nehmen. So jedenfalls das Credo einer E-Mail an Spitzenpersonal und Gehe-Mitarbeiter. Der PZ werde schon noch die Munition ausgehen, hofft man in Stuttgart.

 

Während der Gehe-Außendienst nach PZ-Informationen mit zuweilen zweifelhaften Methoden in die Apotheken marschiert, behauptet Gehe-Chef André Blümel allen Ernstes und wiederholt, die Gehe habe nichts mit der »Schwestergesellschaft« DocMorris zu schaffen. Blümel hat ebenso wenig wie Oesterle erkannt, was Apotheker umtreibt. Egal, ob DocMorris eine gute Marke ist oder nicht: Celesio und Gehe treiben die Debatte um eine Liberalisierung aktiv voran. Jüngstes Beispiel vom Dienstag: Celesio-Boss Dr. Fritz Oesterle bespricht mit dem saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller die Zukunft der europäischen Gesundheitspolitik, berichtet von seinen Ketten-Erfahrungen - alles klar im Oesterland. Der heutige Apothekenmarkt soll nach Denkart von Celesio/Gehe aufgeteilt werden. Während bei Gehe langjährige Kunden erbost Reißaus nehmen, lädt Oesterle also nach. Wenn Gehe nun annimmt, man böte keine Angriffsfläche, dann ist das eine fehlerhafte Selbsteinschätzung. Die PZ wird weiter berichten und kommentieren, was im Markt läuft und was der Kettenkonzern plant. Denn Celesio/Gehe führen eine fantasielose Debatte um die Zukunft der Apotheke. Es geht Oesterle & Co. um eigene Claims und Marktmacht, nicht um Qualität, nicht um Menschen, nicht um Versorgung. Diejenigen, die sich daran stören, als rückständig zu brandmarken, entlarvt die Brandstifter.

 

Dass es auch anders gehen kann, zeigt der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH). Dessen Vorsitzender Hans-Georg Hoffmann plädiert für eine gemeinsame Initiative, um das Vertrauen der Bevölkerung in die Selbstmedikation wiederzubeleben. Für die Apotheken ist der OTC-Markt von großer Bedeutung. Es gibt also Perspektiven - auch innerhalb der heutigen Apothekenkultur, jenseits von Discountmarken. Es geht schließlich nicht nur um den Börsenwert, sondern auch um Versorgungsqualität und -sicherheit. Celesio und Gehe haben sich von solchen Inhalten anscheinend verabschiedet.

 

 

Thomas Bellartz

Leiter der Hauptstadtredaktion

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