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Frühtest

Lungenkrebs aus Blut diagnostiziert

17.05.2011  14:38 Uhr

dpa / Das Blut kann verraten, ob jemand Lungenkrebs hat. Darauf sind Forscher der Universität Bonn gestoßen. In Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Köln entwickeln sie derzeit einen Bluttest für Raucher, der in Zukunft Menschenleben retten könnte, weil er einen Tumor schon in sehr frühem Stadium anzeigt.

Wissenschaftler um Professor Dr. Joachim Schultze haben in mononukleären Zellen des peripheren Blutes (wie Lymphozyten und Monozyten) aus Blutproben von Gesunden und von Lungenkrebspatienten die Expressionsmuster bestimmt. Dafür haben sie die vorliegende mRNA analysiert und festgestellt, welche Gene aktiv sind und in mRNA übersetzt werden und welche nicht. Dabei entdeckten sie über 480 mRNAs, deren Konzentration sich verändert, sobald jemand Lungenkrebs hat. Sie liegen dann entweder in erhöhter oder geringerer Menge vor. »Bei Lungenkrebspatienten ergeben sich also typische Muster, die mit einem Messprogramm zu erkennen sind«, sagt Schultze. Die Studie ist jetzt im Fachjournal »Clinical Cancer Research« erschienen (doi: 10.1158/1078-0432).

Bei Lungenkrebs gibt es vier verschiedene Stadien. Die Prognose für Patienten im Stadium 3 oder 4 sei auch heute noch sehr schlecht, so Schultze. Lungenkrebs im ersten Stadium dagegen sei operierbar und in vielen Fällen dann sogar heilbar. Allerdings würden Tumore lediglich in 15 Prozent aller Fälle so früh erkannt.

 

Innerhalb von 24 Stunden nach der Blutabnahme könnte der Arzt mithilfe der neuen Methode wissen, ob der Patient mit einer hohen Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs erkrankt ist oder nicht, selbst wenn dieser noch keine Symptome habe, heißt es in einer Mitteilung der Universität Bonn.

 

Bisher sterben über 80 Prozent aller Lungenkrebspatienten innerhalb von zwei Jahren nach der Diagnose, da der Tumor zu weit fortgeschritten ist. Schultze und sein Team haben bereits das Blut von mehr als 200 Rauchern getestet. Jetzt ist eine Studie mit 2000 Patienten geplant. Sollte diese die bisherigen Ergebnisse bestätigen, stünde der endgültigen Entwicklung des Bluttests bis zur Marktreife laut Schultze nichts mehr im Wege. /

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