Pharmazeutische Zeitung online
Niedersächsischer Apothekertag

Apotheker fordern Honoraranpassung

17.05.2011  18:28 Uhr

Von Christiane Berg, Osnabrück / Die Apotheker haben ihre Geduld verloren, auch in Niedersachsen. Beim Apothekertag in Osnabrück forderten sie schnelle Korrekturen beim AMNOG und eine Anpassung des seit vielen Jahren unveränderten Honorars.

Deutlich zeigten die niedersächsischen Apotheker bei ihrem Apothekertag die Empörung über die verheerenden Folgen des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG). Während der »Berufspolitischen Stunde« mit Kammerpräsidentin Magdalene Linz und Verbands-Vize Berend Groenveld sowie den Gesundheitspolitikern Dr. Carola Reimann (SPD) und Michael Hennrich (CDU) forderten sie vehement eine Korrektur des Gesetzes. Die Regierung sei weit über das Ziel hinaus geschossenen ­– zulasten der Apotheken und der Qualität der pharmazeutischen Arbeit. Eine umgehende Honoraranpassung sei dringend notwendig.

Heute verwendeten Apotheker einen Großteil ihrer Arbeitszeit darauf, den Patienten die Rabattverträge und die Konsequenzen aus deren Umsetzung zu erklären. Eine Honorierung für diesen Mehraufwand gebe es nicht. »Wir fühlen uns ungerecht behandelt. Wir sind Apo­theker und keine Verwaltungsangestell­te«, sagte Kammergeschäftsführer Martin Thomsen. Ohne eine Honoraran­passung seien die Apotheker bald am Ende.

 

Bei der Politik sind die Nöte der Apo­theker mittlerweile angekommen. »Ich weiß, dass das AMNOG für Sie mit erheblichen Beeinträchtigungen verbunden ist«, sagte Hennrich, der dem »medialen Druck« während des Gesetzgebungsverfahrens Bedeutung zuschrieb. Die Hoffnung, dass sich die finanziellen AMNOG-Lasten gleichmäßig auf die Arzneimittel-Distributionskette verteilen lassen, habe sich nicht erfüllt. Dabei gelte es, die versorgende Präsenzapotheke nicht zu schwächen, sondern zu stärken.

 

Deutliche Kritik übte der CDU-Bundestagsabgeordnete am Vorgehen des Ministeriums bei der Novellierung der Apothekenbetriebsordnung: Es reiche, sich bei den anstehenden Änderungen auf das Notwendigste zu beschränken. »Es ist müßig, den Apothekern vorzuschreiben, welche pharmazeutischen Kriterien sie zu beachten haben. Das wissen sie selbst am besten«, sagte Hennrich.

 

Erfreut zeigte er sich über das ABDA/KBV-Konzept. Die für seine Umsetzung erforderliche Versorgungsforschung wolle er unterstützen. Auch Reimann zeigte Sympathie für das ABDA/KBV-Konzept. Sie könne Ärzte und Apotheker »nur ermuntern, auf diesem Feld weiter zusammenzuarbeiten«. Generell müssten die Apotheker nicht zuletzt angesichts der zunehmend schlechten medizinischen Versorgung gerade in ländlichen Bereichen auch im anstehenden Versorgungsgesetz stärker Berücksichtigung finden.

 

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Reimann sieht beim AMNOG erhebliche Schwachstellen. Die Mehrkostenregelung bezeichnete sie als »sehr kompliziert, problematisch und nervenaufreibend für den Patienten, der sein Geld nach Aufzahlung zum Bezug seines Wunschmedikamentes von der Kasse zumeist nicht zurück erlangt«. Und auch die Packungsgrößenverordnung sei »ausgesprochen unerfreulich«. Reimann: »So funktioniert das nicht. Das kann so nicht bleiben«. Ihr Fazit zum AMNOG: »Korrekturen müssen stattfinden, die Zahlen müssen noch einmal überprüft werden.«

 

Wie Hennrich unterstrich die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, dass die anstehende Novellierung der Apothekenbetriebsordnung »Balance widerspiegeln« müsse. Es sei sinnvoll, die Verordnung den Anforderungen der Zeit anzupassen, doch gelte es »mit den Apothekern zu diskutieren, was man denn eigentlich will«. Es könne nicht sein, dass »das BMG hier etwas schafft, was dann nicht in den Rahmen passt«, so Reimann. »Das Ganze muss stimmig sein«, sagte sie. / 

Mehr von Avoxa