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Gesundheitsleistungen

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18.05.2010
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Von Martina Janning, Berlin / Die Gesundheitsbranche hat gute Wachstumschancen, sagt nicht nur ein Gutachten des Bundesministeriums für Wirtschaft. Potenzial sehen Experten vor allem im Markt der Privatzahler. Vorausgesetzt die Angebote sind qualitativ gut und es gelingt, Gesundheitsleistungen zu einer Art Statussymbol zu machen.

Wenige Themen werden zurzeit so intensiv besprochen wie die Perspektiven der Gesundheitswirtschaft. Die Branche dürfe erwarten, dass das Gesundheitsministerium ihre Belange nicht mit spitzen Fingern anfasst. Sie könne aber nicht darauf bauen, dass das Gesundheitswesen auf alles Bezahlbare ausgerichtet werde, sagte der Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Stefan Kapferer (FPD), bei einer Veranstaltung der Initiative Gesundheitswirtschaft (IGW) in Berlin. Dem Verein IGW gehören Unternehmen, Kliniken, Krankenkassen und Berater an.

 

Großes Wachstumspotenzial

 

Er unterstrich, es gebe noch erhebliche Effizienzreserven in der Gesundheitsversorgung zu heben, und kündigte an, die Qualität durch mehr Wettbewerb verbessern zu wollen. Für die Zukunft sagte Kapferer der Branche ein großes Wachstumspotenzial voraus, weil ihr die älter werdende Be- völkerung in Deutschland und das Auslandsgeschäft große Möglichkeiten erschlössen.

Ulf Fink, ehemaliger Berliner Senator und aktueller Vorsitzender des Vereins Gesundheitsstadt Berlin, sieht vor allem im zweiten Gesund­heitsmarkt große Wachstumschancen, »weil dort die pri­vate Kaufkraft zum Tragen kommt«. Denn im Gegensatz zum ersten Ge­sundheitsmarkt, der primär die Leis­tungen der Gesetzlichen Krankenver­sicherung umfasst, beinhaltet der zweite Gesundheitsmarkt alle Gesundheitsan­gebote, die die Menschen aus eigener Tasche bezahlen. »Wenn der zweite Ge­sundheitsmarkt sich richtig entwickeln soll, kommen wir an einer Definition, was zum ersten Gesundheitsmarkt gehören soll, nicht vorbei. Sonst entsteht eine heimliche Rationierung«, sagte Fink.

 

Was heißt hier Qualität?

 

Er forderte eine Diskussion um Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen und wies darauf hin, dass es zur Güte der ambulanten Versorgung fast keine Daten gebe. Fink regte an, das Gesundheitsministerium solle Qualität definieren, damit Verbraucher auch im zweiten Gesundheitsmarkt wissen, woran sie sind.

Der IGW-Vorsitzende, Professor Heinz Lohmann, registrierte eine gewachsene Bereitschaft, Gesundheitsleistungen privat zu finanzieren. »Patientensouve­ränität beginnt sich zu entwickeln und aktive Patienten sind bereiter zu zah­len«, sagte der Berater. Er verlangte, privat finanzierte Leistungen nicht in eine Schmuddelecke zu schieben und sie damit zu behindern. Vielmehr wünschte er sich, dass Menschen mit dem, was sie sich für ihre Gesundheit leisten, irgendwann ebenso selbstverständlich prahlen wie mit einem neuen Auto oder einem neuen Klavier.

 

Die Gesundheitspolitik könne die Gesundheitswirtschaft fördern, indem sie bestehende Regelungen auf den Prüfstand stelle, sagte Lohmann. In diesem Zusammenhang nannte er die fehlende Möglichkeit zum Vorsteuerabzug: Dass Heilbehandlungen von der Umsatzsteuer befreit sind, sei heute ein »Riesenhemmnis«, weil die Betroffenen die Mehrwertsteuer, die sie für Produkte und Dienstleistungen zahlen müssen, nicht absetzen können. Das benachteilige Unternehmen. /

Apotheker erwarten sinkende Erträge

Gemischte Gefühle in der Gesundheitsbranche: Die Akteure rechnen mit einer deutlich steigenden Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, erwarten aber zugleich eine schlechtere Ertragslage. Das sind die Hauptergebnisse des »Index für die Gesundheitswirtschaft«, den der Verlag Springer Medizin und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erstmals erstellt haben. Für das Debüt befragte das RWI in der zweiten April-Hälfte 2010 insgesamt 635 Firmen der Gesundheitswirtschaft sowie Ärzte, Zahnärzte und Apotheker.

 

Dem Index zufolge erwirtschaften aktuell gut 47 Prozent der Befragten einen Überschuss. Knapp 30 Prozent melden einen Verlust. In Zukunft erwarten aber nur noch rund 39 Prozent einen Überschuss und etwa 34 Prozent einen Verlust. Ein ausgeglichenes Ergebnis melden aktuell gut 22 Prozent der Befragten; zukünftig rechnen dagegen fast 27 Prozent damit.

 

Apotheker, genauso wie freiberuflich tätige Ärzte und Zahnärzte, nennen derzeit zu über 46 Prozent eine gute bis sehr gute Ertragslage, bei den Unternehmen der Gesundheitswirtschaft sind es hingegen knapp 62 Prozent.

 

Bei den Zukunftsprognosen ist der Unterschied noch größer: Nur rund 38 Prozent der Freiberufler glauben an Überschüsse, während von den Unternehmen der Branche 56 Prozent damit rechnen. Das Ergebnis spiegele die aktuellen Kostendämpfungsschritte für den Pharmabereich wider, glauben die Autoren des Index.

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