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Prävention

Apotheker sollten mitmischen

13.05.2015  14:24 Uhr

Apotheker sollten künftig verstärkt auch Präventionsleistungen anbieten. Dazu ermunterte Jörg Saatkamp den Berufsstand. Der Leiter des Instituts für Management in der Gesundheitswirtschaft und Professor für Gesundheitsökonomik an der Hochschule Zittau/Görlitz sprach in Berlin über Möglichkeiten, aber auch über etwaige Hindernisse.

Weg von der Anbieter- und Sektor-Orien­tierung, hin zur integrierten Versorgung: Saatkamp berichtete von einer strategischen Transformation im deutschen Gesundheitssystem, die vor etwa zehn Jahren in Gang gesetzt worden sei. Der Gesetzgeber versuche das Versorgungsmanagement zu stärken und weiterzuentwickeln, zum Beispiel mit geplanten Vorhaben wie dem Präventionsgesetz, dem Versorgungs­stärkungsgesetz und dem E-Health-Gesetz. »Apotheken sind aus Patientensicht einer der Top-Ansprechpartner im Gesundheitswesen«, betonte Saatkamp. Apotheken würden als hoch kompetent angesehen und genössen ähnliches Vertrauen in der Gesellschaft wie Ärzte. Ihr Wertschöpfungsanteil in der Gesetzlichen Krankenversicherung nehme aber – anders als bei Ärzten und Krankenhäusern – relativ gesehen ab.

 

Apotheker außen vor

 

Saatkamp kritisierte zudem, dass die Apotheker in den Referentenentwürfen der genannten Gesetzesvorhaben nicht ausreichend Erwähnung fänden. So tauchten die Apotheken bei den Themen Impfstatus und Früherkennung im Präventionsgesetz nicht auf. Ebenso fänden die Apotheker im Entwurf für das E-Health-Gesetz mit Blick auf den darin vorgesehenen Medikationsplan nicht genügend Berücksichtigung.

Saatkamp machte deutlich, dass sich Apotheken dennoch beim Thema Versorgungsmanagement verstärkt engagieren sollten. Dabei gebe es unterschiedliche Ansätze. Für gesunde Versicherte biete sich das Präventionsmanagement an, für akut Kranke Tätigkeiten bei Patientensteuerung und Entlassmanagement. Bei chronisch Erkrankten wiederum seien Methoden des Patienten-Coachings wie Schulung, Beratung und Motivation hilfreich. Saatkamp: »Untersuchungen zeigen, dass Patienten-Coaching-Programme wirksam sind und die Effizienz und Qualität im Gesundheitswesen verbessern.«

 

Der Wirtschaftsingenieur informierte, dass sowohl der erste Gesundheitsmarkt, also Ausgaben von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung, als auch der zweite Gesundheitsmarkt, sprich über private Mittel getätigte Konsumausgaben, kontinuierlich und nahezu konjunkturunabhängig steigen. Zudem sei im Entwurf für das Präventionsgesetz vorgesehen, die Ausgaben für Prävention insgesamt zu verdoppeln. Das bietet laut Saatkamp auch Chancen für eigene Programme der Apotheken.

 

Allerdings machte der Referent deutlich, dass es für Apotheken nicht leicht sein wird, insbesondere auf dem ersten Gesundheitsmarkt Fuß zu fassen. »Die Krankenkassen handeln zunehmend ökonomisch rational«, sagte Saatkamp. Apotheken, die eigene Programme vergütet bekommen wollen, müssten daher deren gesundheitsökonomische Effektivität nachweisen.

 

Bessere Chancen für zusätzliche Angebote der Apotheken sieht Saatkamp auf dem zweiten Gesundheitsmarkt. Die Zahlungsbereitschaft der Versicherten für Gesundheitsleistungen nehme zu. Mittlerweile sei jeder zweite Versicherte bereit, für neue Gesundheitsleistungen zu zahlen.

 

Im Wettbewerb

 

Allerdings war es einer Untersuchung zufolge auch 43 Prozent der Befragten egal, wer der Anbieter dieser neuen Gesundheitsleistungen ist, solange die Qualität stimmt. »Apotheker stehen damit auch im verstärkten Wettbewerb mit neuen Anbietern«, gab Saatkamp zu bedenken. /

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