Pharmazeutische Zeitung online
BPhD-Tagung

Apotheker – ein Beruf mit Zukunft

18.05.2010
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Von Daniela Biermann, Münster / Was kommt im Berufsalltag auf mich zu? Die Pharmaziestudierenden hatten auf ihrer Bundesverbandstagung einige Fragen, denen sich ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf stellte.

»Apotheker zu sein, ist ein toller Beruf«, versicherte Heinz-Günter Wolf, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. »Sie haben so viele verschiedene Möglichkeiten, sich später zu betätigen.« Die Pharmazie werde im Alltag in Zukunft wissenschaftlicher werden, sagte er auf der Tagung des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) in Münster.

Die Apotheker werden mehr Problem­lösungen anbieten, zum Beispiel zur Arzneimitteltherapiesicherheit, zu Medi­kations- und Qualitätsmanagement. »Als Apotheker müssen Sie mehr Verantwor­tung für den Patienten übernehmen«, sagte Wolf. »Wo Kompetenz vorhanden ist, muss die Verantwortung liegen.«

 

Verantwortung teilen

 

Besonders in der Arzneimitteltherapie werden Arzt und Apotheker sich die Ver­antwortung teilen, ist sich Wolf sicher. »Die Ärzte behalten weiterhin die Thera­piehoheit. Sie entscheiden über Wirk­stoff, Dosierung und Packungsgröße, aber der Apotheker sucht das passende Präparat aus«, so Wolf. Darüber seien sich die beiden Berufsstände bereits einig. »Wir haben einen guten Draht zur kassenärztlichen Bundesvereinigung«, versicherte Wolf. In der Fläche brauche es jedoch neue Kommunikationskonzepte.

 

»Wir müssen die Zusammenarbeit institutionalisieren«, forderte Wolf, zum Beispiel durch gemeinsame Qualitätszirkel. Auf dem Dorf, wo Arzt und Apotheker sich kennen, sei dies meist weniger ein Problem. Ein Beispiel für die gelungene Zusammenarbeit und einen Anfang seien die Pharmaziepraktikanten auf Krankenhausstationen, die dort Ärzte, Pflegepersonal und Patienten in der Arzneimitteltherapie beraten.

 

Apotheker und Ärzte sollten jedoch keine Preisverantwortung übernehmen. »Wir sind Heilberufler und studieren schließlich nicht Betriebswirtschaftslehre«, sagte der ABDA-Präsident. Anhand der Gesundheitsreformen des vergangenen Jahrzehnts demonstrierte er den Studenten, dass die Honorierung der Apotheker im Bereich der verschreibungspflichtigen Arzneimittel mittlerweile so gut wie unabhängig vom Medikamentenpreis sei. Und dies sei auch gut so. »Wir stehen nicht mehr im Fokus von Politik und Presse, wenn es um Einsparungen geht«, so Wolf. »Das ist gut für unsere Glaubwürdigkeit. Nur dann werden wir gehört.«

 

Der Europäische Gerichtshof habe im Mai 2009 die Unabhängigkeit der Apotheker als Heilberufler bestärkt. Und auch die Regierungsparteien halten in ihrem Koalitionsvertrag daran fest. Trotzdem warnte Wolf davor, sich berufspolitisch auszuruhen. »Wir leben mit, in und vom Gesundheitssystem.« Daher könne die Zukunft des Systems den Apothekern nicht egal sein. Die größten Schwierigkeiten sieht er paradoxerweise in zwei eigentlich positiven Entwicklungen: Wir werden immer älter und der medizinische Fortschritt entwickelt sich weiter.

 

»Alles was möglich ist, kann aber bald nicht mehr bezahlt werden«, warnte Wolf. Eine Priorisierung der Leistungen, wie die Ärzte sie bereits fordern, werde daher kommen. Er wünscht sich in diesem Punkt mehr Ehrlichkeit von der Politik. »Die Einführung langfristiger Sparmaßnahmen ist schwierig, aber notwendig«, sagte der ABDA-Präsident. Er hofft jedoch auf verlässliche, stabile Rahmenbedingungen.

 

Wettbewerb um Qualität

 

Der Preiswettbewerb müsse zwischen Krankenkassen und Arzneimittelherstellern stattfinden. »Wettbewerb unter den Apotheken ja, aber nur um Qualität«, betonte Wolf. Zum Beispiel könnten sich Apotheken auf bestimmte Patientengruppen spezialisieren. Trotzdem müsse jeder ein Allrounder bleiben.

 

Wolf sieht auch auf lange Sicht gute Chancen für kleinere Apotheken. »Eine gute pharmazeutische Betreuung ist unabhängig von der Apothekengröße«, sagte Wolf. »Sie hängt viel mehr von den Soft Skills und dem Einsatz der einzelnen Personen ab.« Denn Vertrauen sei personengebunden. »Um unsere Honorierung müssen wir genauso gut wie jeder andere kämpfen«, so Wolf zu den finanziellen Aussichten. »Aber wir brauchen auch in Zukunft reichlich Apotheker.«

 

Im Studiengang Pharmaceutical Sciences sah Wolf keine ernsthafte Konkurrenz für approbierte Apotheker. »Das Bachelor-/Master-Prinzip ist systemfremd«, so Wolf. »Wir haben in Deutschland kaum Verwendungsmöglichkeiten für Bachelor-Absolventen.« Anders als zum Beispiel in Finnland, wo keine PTA die Apotheker unterstützen, sondern Pharmazeuten mit Bachelor-Abschluss. In einer Resolution machten die Studenten nochmals darauf aufmerksam, dass entsprechenden Studiengängen Grundlagen für die pharmazeutische Betreuung fehlen würden. Daher könnten sie nicht als pharmazeutisches Personal eingesetzt werden (siehe Kasten). / 

BPhD-Resolution

Seit dem Wintersemester 2009/2010 gibt es an der Uni Freiburg einen neuen Bachelor-Studiengang: Pharmazeutische Wissenschaften. Die Uni folgt damit der LMU München, die bereits zum Wintersemester 2004/2005 einen vergleichbaren Studiengang mit zusätzlichem Master eingeführt hat. Die Studiengänge laufen an den oben genannten Unis parallel zum Staatsexamen-Studiengang Pharmazie, wobei in Freiburg der Abschluss des Bachelors zusammen mit einer absolvierten Famulatur als Äquivalent zum ersten Staatsexamen angerechnet werden kann. Wir sehen in diesen »innovativen« Studiengängen folgende Probleme:

 

Sollte der Bachelor/Master nach § 15 AMG ein Nachweis für die Sachkenntnis sein, stellt sich die Frage nach der Eignung, denn sowohl der sechssemestrige Bachelor, als auch der viersemestrige Master können nicht die umfassende, bewährte Ausbildung zum Apotheker ersetzen. In Zukunft könnte der zu erwartende Apothekermangel dazu führen, dass sich die Politik dazu gezwungen sieht, den Bachelor/Master als Pharmazeutisches Personal in der Apotheke zuzulassen. Dies würde zu einer generellen Verschlechterung der Arzneimittelsicherheit in Deutschland führen, da Kenntnisse unter anderem in Klinischer Pharmazie in den Bachelor/Master-Studiengängen nicht vermittelt werden.

 

Die 108. Delegiertenversammlung des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V. fordert daher die Universitäten dazu auf, von den Bachelor/Master-Studiengängen Abstand zu nehmen und sich im Rahmen der Arzneimittelsicherheit auf die Qualität der Ausbildung approbierter Apotheker zu fokussieren. Von dieser Resolution bleiben Aufbaustudiengänge in Form von Master, Diplom et cetera für Approbierte unberührt.

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