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Gesundheitsausbildung

Rendezvous mit zwei Ministerinnen

08.05.2008
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Gesundheitsausbildung

Rendezvous mit zwei Ministerinnen

Von Bettina Sauer, Berlin

 

Vor rund 250 Studierenden und Auszubildenden warben Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Bundesbildungsministerin Annette Schawan für eine bessere Vernetzung der Gesundheitsberufe. An der Diskussion am vergangenen Freitag beteiligten sich auch angehende Apotheker.

 

Der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig in Deutschland ist das Gesundheitswesen. 4,3 Millionen Menschen arbeiten derzeit in diesem Bereich, also jeder neunte Beschäftigte. »Jeder von Ihnen wird später sehr gute Chancen auf einen Arbeitsplatz haben«, sagte Annette Schawan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, zu rund 250 Studenten und Auszubildenden der Gesundheitsberufe. »Ich setze große Hoffnungen in Sie, die nachwachsende Generation«, bekräftigte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. »Sie werden für die Qualität und Kosteneffizienz im Gesundheitswesen mitverantwortlich sein. Und als besondere Herausforderung werden Sie deutlich mehr ältere und hochbetagte Patienten versorgen als Ihre Berufskollegen heute.«

 

Die beiden Ministerinnen hatten die Studierenden und Auszubildenden am vergangenen Freitag eingeladen, um mit ihnen über Perspektiven in den Gesundheitsberufen zu diskutieren. Die Gäste saßen auf weißledern bespannten Bänken im Lichthof des Bundesgesundheitsministeriums oder drängten sich auf den seitlichen Stehplätzen. Arme reckten sich in die Höhe, um Fotos der Ministerinnen vorne auf dem Podium zu schießen, Fragen zu stellen und Verbesserungsvorschläge zu machen. Die Veranstaltung soll den Ausgangspunkt für einen regelmäßigen Dialog bilden, der dann auch ausführlich auf die Belange kleinerer Berufsgruppen im Gesundheitswesen eingeht, etwa die der Hebammen oder Physiotherapeuten. An diesem ersten Tag meldeten sich vor allem Auszubildende der Pflegeberufe sowie angehende Ärzte und Apotheker zu Wort.

 

An Letztere appellierte Ulla Schmidt: »Bitte nutzen Sie breites Wissen aus der Ausbildung für die bestmögliche Beratung Ihrer Patienten. Achten Sie auf die Gefahr individueller Neben- und Wechselwirkungen, engagieren Sie sich in der Arzneimitteldokumentation und fördern Sie nach Möglichkeit die Compliance.« Schließlich könne der Arzt nicht überall sein und kontrollieren, ob ein Patient seine Medikamente auch wirklich einnehme.

 

Eine wichtige Rolle der Apotheker sieht die Ministerin weiterhin in der Prävention, etwa durch Gesundheitsuntersuchungen und Ernährungsberatung. Derlei Aktivitäten betrachtet Schmidt nicht nur als gesellschaftliche Aufgaben, sondern auch als existenzsichernde Maßnahmen. »Je mehr die Apotheken vor Ort den Bürgern ihre Kompetenz unter Beweis stellen, desto besser werden sie in der Konkurrenz mit Internetapotheken und Versandhandel bestehen.« Die Ministerin wiederholte ihr Bekenntnis zum Erhalt des Fremdbesitzverbotes aus der Vorwoche (siehe dazu Studententagung: Ulla Schmidt verteidigt deutsches Fremdbesitzverbot, PZ 19/08): »Unser Gesundheitssystem braucht die wohnortnahe, unabhängige Arzneimittelversorgung.« 

 

Sina Heintz, die Präsidentin des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden in Deutschland, forderte bei der Veranstaltung eine noch stärkere Vernetzung der Apotheker mit Ärzten und Pflegeeinrichtungen. Beate Müller, Vorsitzende der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, stimmte zu: »Kein Arzt kann nach drei Semestern Pharmakologie die Eigenschaften und Nebenwirkungen von Arzneimitteln so gut einschätzen wie ein Apotheker. Bei der Therapieauswahl und -überwachung brauchen wir das Zusammenspiel beider Berufsgruppen.«

 

Um die Versorgung der Patienten zu verbessern, forderten Schmidt und Schawan auch grundsätzlich eine engere Vernetzung der Ärzte mit den anderen Gesundheitsberufen. »Wir brauchen dringend einen partnerschaftlichen Umgang und eine enge Kommunikation von dienstälteren und -jüngeren Ärzten, Apothekern, Pflegekräften, Physiotherapeuten und den anderen Spielern im Gesundheitssystem.« Manch eine ärztliche Aufgabe könnten andere übernehmen und die Mediziner dadurch deutlich entlasten. »Pfleger und Therapeuten sollten sogar eine weitaus stärkere Rolle einnehmen als bisher – auch in puncto Stellenzahl, Gehalt und Anerkennung.« In das allgemeine Murmeln, Klatschen und zustimmende Rufen hinein sagte sie: »Viele dieser Dinge obliegen den Bundesländern beziehungsweise den Klinikverwaltungen.« Aber die Bundesregierung bemühe sich nach Kräften um eine bessere Vernetzung der Gesundheitsberufe – ambulant wie stationär. »Ich hoffe, wir sind bis zum Ende Ihrer Ausbildung einen deutlichen Schritt weiter.«

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