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Versorgungswerke

Apotheker beäugen Rentenpolitik

08.05.2012  18:28 Uhr

Von Daniela Biermann, Aachen / In der europäischen und deutschen Rentenpolitik kündigen sich Änderungen an. Inwieweit die Versorgungswerke der Apotheker betroffen sind, diskutierten deren Vertreter vergangene Woche in Aachen. Ein Gastreferent informierte zudem, wie die Rente für Apotheker in Österreich funktioniert.

Die Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren bei den Renten. Seit 2008 ist es für die Versorgungswerke der Apotheker nicht leichter geworden, ihren Rechnungszins zu erreichen. Nicht allen gelang dies im vergangenen Jahr. Trotzdem blickten die Geschäftsführer am vergangenen Freitag beim Frühjahrstreffen der Ständigen Konferenz der Versorgungswerke in Aachen positiv in die Zukunft.

Die Versorgungswerke setzen momentan auf eine eher konservative Anlagestrategie sowie Risikostreuung und erhöhen gegebenenfalls ihre Rücklagen. Dementsprechend mager fielen die diesjährigen Dynamisierungen der auszuzahlenden Renten und Anwartschaften aus, teilweise fielen sie sogar ganz weg. Bei der Veranstaltung bestanden jedoch keine Zweifel, dass das Kapitaldeckungsverfahren, welches den Versorgungswerken zugrunde liegt, die sicherere Alternative zum Umlageverfahren der Deutschen Rentenversicherung Bund ist.

 

Private Vorsorge wird immer wichtiger

 

Bei der Einführung des Umlageverfahrens in der gesetzlichen Rentenversicherung für Angestellte 1957 seien die Freien Berufe wie Apotheker und Ärzte bewusst ausgeschlossen worden, erinnerte Lutz Engelen, Präsident der gastgebenden Apothekerkammer Nordrhein, zur Begrüßung. Die Politik sehe heute die Bürger mehr und mehr in der Pflicht zur Eigenvorsorge in Form kapitalgedeckter Anlagen wie Riesterrente und Immobilien.

 

Um Altersarmut vorzubeugen, plant Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein Rentenreformpaket. Auch darin wird die private Vorsorge betont. »Altersarmut ist bei uns Apothekern kein Thema«, sagte Rudolf Strunk, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Versorgungswerke. Von dem geplanten Gesetz seien die Apotheker daher nicht direkt betroffen. Allerdings sei mit Finanzierungslücken in der Gesetzlichen Rentenversicherung zu rechnen, die Neiddebatten in Bezug auf die Rentenversorgung der Apotheker auslösen könnten.

 

Auch das »Weißbuch Renten« der Europäischen Kommission hat nur geringen Einfluss auf die Apotheker. Rechtsanwalt Peter Hartmann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der berufsständischen Versorgungseinrichtungen (ABV), stellte das Papier in Aachen vor. Diese »Agenda für angemessene, sichere und nachhaltige Pensionen und Renten« für alle EU-Bürger empfiehlt fünf Maßnahmen, die die Mitgliedsstaaten ergreifen sollen:

 

Kopplung des Ruhestandsalters an die steigende Lebenserwartung

Einschränkung des Zugangs zum vorzeitigen Ruhestand

Förderung einer längeren Lebens­arbeitszeit

Abbau der Pensions-Rentenschere zwischen den Geschlechtern (»Gender Gap«)

Ausbau der privaten Zusatzvorsorge

 

Da die Versorgungswerke bereits das Regel-Renteneintrittsalter auf 67 Jahre angehoben haben, ist der erste Punkt soweit erfüllt. Auch frühzeitiger Ruhestand ist bei den Apothekern kaum ein Thema, wie die aktuellen Zahlen der einzelnen Versorgungswerke zeigen. Generell ist die Lebensarbeitszeit der Apotheker bereits heute relativ lang. Abhängig vom Verfahren könne jedoch der Ausgleich zwischen Männern und Frauen zum Problem werden, warnte Hartmann, da in das grundlegende Prinzip der Versorgungswerke eingegriffen würde, nach der jeder seine eigene Rente anspart.

 

Auch wenn die EU in Sachen Rentenversicherung nur beschränkte Gesetzgebungskompetenz hat: »Die europä­ische Zusammenarbeit wird wichtiger«, betonte der Konferenz-Vorsitzende Strunk. Die deutschen Apothekerversorgungswerke hatten daher einen Wiener Kollegen eingeladen, um das Modell der österreichischen Gehaltskasse und Altersversorgung für Apotheker vorzustellen.

 

Altersversorgung in Österreich für Apotheker

 

Die Pharmazeutische Gehaltskasse für Österreich ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts, informierte Senatsrat Dr. Wolfgang Gerold. Sie wird auch als Sozial- und Wirtschaftsinstitut der österreichischen Apotheker bezeichnet. Die Gehaltskasse ist bundesweit für die Zahlung von Gehältern der angestellten Apotheker und für viele weitere Funktionen zuständig. Sowohl die derzeit 1390 selbstständigen als auch die 4309 angestellten Apotheker sind Mitglied. Die Gehaltskasse funktioniert im Umlageverfahren. Der Arbeitgeber zahlt das Gehalt nicht direkt an den Arbeitnehmer, sondern an die Gehaltskasse. Diese wiederum verteilt es an die Angestellten nach bestimmten Schlüsseln wie der wöchentlichen Arbeitszeit. Alter und Geschlecht der Angestellten spielen dabei keine Rolle. Zusätzlich kann der Arbeitgeber weitere Anreize in Eigenregie zahlen.

Die Gehaltskasse zahlt auch Sozial­leistungen wie Familienzulagen, Geburtskosten, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Kranken- und Pflegegeld sowie Stipendien und Zuschüsse für Arbeitslose. Durch das solidarische Prinzip entstehe keine außergewöhnliche Belastung für den einzelnen Betrieb, betonte Gerold. »Die Gehaltskasse gleicht zwischen kleinen und großen Betrieben aus.« Auch die Selbstständigen profitieren so.

 

Außerdem übernimmt die Gehalts­kasse die Zwischenfinanzierung für Rezeptverrechnung, sodass jede Apotheke unabhängig vom Zahlungsstatus der Krankenkassen ihr Geld innerhalb von 14 Tagen erhält. Darüber hinaus gibt es Krisen- und Landapothekenunterstützungen. »Wir bieten ein Sicherheitsnetz bei unverschuldeter wirtschaftlicher Notlage«, sagte Gerold.

 

Die Altersvorsorge übernimmt in erster Linie der Staat für die angestellten Apotheker. Diese zahlen in die gesetzliche Pensionsversicherung ein. Zusätzlich gibt es seit 2000 eine zweigliedrige Altersversorgung aus der Gehaltskasse. Das sogenannte Statut A funktioniert im Umlageverfahren, während Statut B ein Kapitalansparverfahren zugrund liegt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen je 4,5 Prozent des Lohns des Angestellten an die Gehaltskasse. Von dem Geld fließen 13 Prozent in Statut B, das kapitalgedeckte Verfahren. Hier können die Angestellten oder ihre Chefs freiwillig weitere Beträge einzahlen. Geplant ist, ab einer Mindesthöhe eine monatliche Rente daraus zu zahlen.

 

Kaum arbeitslose Apotheker

 

Da das Verfahren erst zwölf Jahre besteht, erhalten die jetzt in den Ruhestand gehenden Apotheker eine Einmalauszahlung. Dieser Teil macht mittlerweile bereits 20 Prozent des Renteneinkommens aus und soll später auf bis zu 50 Prozent steigen. Aus Statut A werden auch Berufsunfähigkeits-, Früh- oder Witwen- und Waisenrente finanziert.

 

Gerold nannte ein Beispiel: Im Durchschnitt kann ein in Vollzeit arbeitender angestellter Apotheker mit 3000 Euro Rente vom Staat rechen. Dazu kommen 600 Euro aus Statut A sowie circa 900 Euro aus Statut B. Die Arbeitslosigkeit unter Apothekern tendiert in Österreich übrigens gegen null. Der Anteil deutscher und anderer europäischer Apotheker in österreichischen Apotheken steige, sagte Gerold. /

Apotheker in der Pharmaindustrie

Für diese spezielle Berufsgruppe gab es beim Frühjahrstreffen der ständigen Konferenz der Versorgungswerke keine Neuigkeiten. Ausschlaggebend für eine Mitgliedschaft im Versorgungswerk und damit einer Befreiung von der Deutschen Rentenversicherung Bund ist nicht ein Titel wie »Qualified Person« oder »Drug Safety Officer«, sondern die Tatsache, dass der Apotheker weiterhin pharmazeutisch tätig ist. Welche Aufgaben dazugehören, definiert derzeit die ABV in einer Checkliste, die der Rentenversicherung zur Verfügung gestellt werden soll. Ebenso wichtig ist, dass die Stelle berufsspezifisch ausgeschrieben ist und Aufgaben umfasst, die nur ein Apotheker und kein anderer Naturwissenschaftler ausführen kann.

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