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Rheumatoide Arthritis

Rituximab hat Potenzial

10.05.2011
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Von Elke Wolf, Frankfurt am Main / Die Testung von Biomarkern birgt die Chance, voraussagen zu können, ob ein Arzneistoff anspricht oder nicht. Mit Rituximab ist die bislang einzige biomarkerbasierte Therapie in der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis (RA) möglich.

Rheumafaktor und die spezifischen Auto-Antikörper gegen zyklisch citrullinierte Peptide (Anti-CCP-AK) sind Biomarker, die in der täglichen Routine der RA-Diagnostik abgefragt werden. Ein seropositiver Status (Rheumafaktor und/oder Anti-CCP-AK positiv) bringt sehr wahrscheinlich einen schweren Verlauf der Erkrankung mit rascher radiologischer Progression mit sich.

Dass ein seropositiver Status auch prädiktiv für ein Ansprechen auf Rituximab (MabThera®) sein könnte, war bei der Zulassung vor fünf Jahren noch nicht unbedingt abzusehen. Dieser Zusammen­hang ist jedoch heute eindeutig bewiesen; in Subanalysen mehrer Studien und Anwendungsbeobachtungen festigte sich diese Erkenntnis. Das gilt sowohl für die frühe RA als auch für eine bereits länger bestehende Erkrankung.

 

»Seropositive Patienten sprechen mit einer signifikant höheren Wahrschein­lich­keit auf eine Rituximab-Gabe an, und die Therapieant­wort ist dann auch größer als bei seronegativen Patienten«, erklärte Professor Dr. Andrea Rubbert-Roth von der Universitätsklinik Köln auf einer Presse­kon­ferenz der Roche Pharma. Und: Seropositive Patienten reagieren seltener mit Nebenwirkung auf den monoklonalen Antikörper, der sich spezifisch gegen das CD20-Oberflächenantigen von B-Zellen richtet.

 

Im Gegensatz dazu sprechen seronegative Patienten eher auf TNF-α-Hemmer wie Infliximab, Etanercept oder Adalimumab an als seropositive. Rubbert-Roth: »Das heißt: Das passende Medikament für den richtigen Patienten lässt sich nur dann auswählen, wenn man den Serostatus des Patienten kennt.«

 

Switch zu Rituximab überlegen

 

Rituximab ist derzeit in Kombination mit Methotrexat für die Behandlung von Patienten mit schwerer, aktiver RA zugelassen, die ungenügend auf andere krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) oder eine Therapie mit Tumor­nekrosefaktor(TNF)-α-Hemmer angesprochen oder nicht vertragen haben. Das heißt, der monoklonale Antikörper kommt bislang bei Patienten zum Einsatz, die meist enorm vorbehandelt sind.

 

Nur bei etwa 40 Prozent der Patienten erzielen TNF-α-Blocker eine rund 70-prozentige Besserung ihrer Beschwerden, andere Patienten sprechen überhaupt nicht an. Gängige Praxis ist es derzeit, auf einen zweiten oder dritten Vertreter dieser Substanzklasse zu wechseln. Doch aktuelle Studien zeigen, dass die Behandlung mit Rituximab derjenigen mit einem zweiten oder dritten TNF-α-Blocker überlegen ist. Der Wechsel innerhalb der Substanzklasse sei mit einem stetigen Wirksamkeitsverlust verbunden, informierte Professor Dr. Ulf Müller-Ladner, Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim. »Rituximab zeigt dagegen einen völlig anderen Wirkmechanismus. Durch den Wechsel des Therapieprinzips steigert sich die Ansprechrate, und die fortschreitende Gelenkdestruktion wird effektiver aufgehalten.« Ob Rituximab auch eine Therapieoption sein könnte, wenn die Patienten noch nicht mit mit TNF-α-Hemmern oder DMARDs behandelt wurde, wird derzeit geprüft.

 

Therapie wirkt etwa sechs Monate

 

Auch die Verabreichung des Antikörpers ist nicht ganz gewöhnlich: Rituximab wird in Zyklen infundiert, wobei ein Zyklus aus zwei intravenösen Infusionen besteht, die im Abstand von zwei Wochen erfolgen. Laut Fachinformation sollte die Notwendigkeit weiterer Gaben 24 Wochen nach Abschluss des letzten Zyklus beurteilt werden. Ist eine Rest-Krankheitsaktivität vorhanden, sollen weitere Infusionen zum Einsatz kommen. Ansonsten kann das Therapieintervall so lange hinausgezögert werden, bis die Erkrankung erneut aufflammt. »Was die Wiederholung der Zyklen betrifft, befinden wir uns noch in einem Lernprozess«, berichtete Dr. Jörg Wendler, Rheumatologische Schwerpunktpraxis in Erlangen, aus der Praxis. Tendenziell zeichne sich ab, dass die Therapieintervalle weiter auseinander gezogen werden können.

 

Auch wenn die Therapie mit Rituximab die meisten B-Zellen im Körper vernichtet, ist sie relativ gut verträglich, machte Wendler klar. Die Daten zum Sicherheitsprofil des Arzneistoffs erstrecken sich derzeit über rund fünf Jahre und fast 3200 Patienten. Dabei lag die Inzidenz von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen und schweren Infektionen gleichbleibend niedrig, unabhängig von der Anzahl der Infusionszyklen. Und die Rate schwerer Infektionen lag auf Placeboniveau. Die häufigste unerwünschte Arzneimittel­wirkung waren infusionsassoziierte Reaktionen. / 

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