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Eröffnung

Auswirkungen des AMNOG sind gewaltig

10.05.2011
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Die Apotheken sind durch das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) massiv unter Druck geraten. Das machte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker, zur Eröffnung des DAV-Wirtschaftforums in Potsdam deutlich. Die Apotheker müssten einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand leisten und zudem finanzielle Einbußen hinnehmen.

Die Politik habe dieses Jahr das Thema dieses Wirtschaftsforum vorgegeben: Es beschäftigt sich mit den Folgen des AMNOG für die Apotheke. Die Apotheker seien die einzige Berufsgruppe im Gesundheitssystem, die durch das Gesetz ein Minus habe hinnehmen müssen. Während man anderen Leistungserbringern ein Weniger vom Mehr zugestanden hat, würde bei Apothekern ohne Augenmaß gekürzt. Das AMNOG belastet Apotheken finanziell gleich doppelt. Zum einen erhöht es den Apothekenabschlag auf 2,05 Euro für das laufende und das kommende Jahr, was die Apotheken mit 150 Millionen Euro belaste. Zum anderen reiche der pharmazeutische Großhandel seinen Teil des Sparbeitrags an die Apotheken weiter. »Die finanzielle Lage der Apotheken ist angespannt, sehr angespannt«, sagte Becker. Durch das AMNOG ergebe sich in der Summe ein Sparbeitrag von 400 Millionen für die Apotheker und eine Rohertragskürzung um 18 500 Euro pro Betrieb. Becker kritisierte dabei auch den pharmazeutischen Großhandel. Es sei unklar, ob dieser den Sparbeitrag nicht leisten könne oder wolle. Wenn er ihn nicht leisten könne, müsste der Großhandel dies offen gegenüber den Apothekern und der Politik kommunizieren.

Zu den finanziellen Belastungen durch das Gesetz kommt neuer bürokratischer Mehraufwand. Becker erinnerte an das Chaos, das die Packungsgrößenver­ord­nung seit Jahresbeginn in den Apothe­ken angerichtet hat. Dieses Chaos komme noch zu dem erheblichen Auf­wand hinzu, der durch die Rabattverträge der Krankenkassen verursacht wird. »Die finanziellen und bürokratischen Belas­tun­gen der Apotheken borden über«, fasste Becker zusammen. »Das Maß ist voll.«

 

An die Politik stellte der DAV-Vorsitzen­de daher eine Reihe von Forderungen. »Begrenzen Sie noch in diesem Jahr mit dem Versorgungsgesetz die Dauer des erhöhten Apothekenabschlages von 2,05 Euro auf 2011.« Ab 2012 müsse der Abschlag wieder der Selbstverwaltung überlassen werden. Zudem forderte Becker »eine adäquate und regelmäßige Dynamisierung der Fixvergütung – auf jährlicher Basis mit Rechtssicherheit«. Die Fixvergütung liege heute noch exakt auf dem Niveau von 2004, nach mehr als sieben Jahren sei dies nicht mehr hinnehmbar. Zudem forderte Becker eine kostendeckende Vergütung des Nacht- und Notdienstes, der Rezepturherstellung und bei der Betäubungsmitteldokumentation. Eine wesentliche Forderung war auch, dass die zweite Stufe der Verpackungsgrößenordnung entfällt. Diese beinhalte eine weitere Rohertragskürzung für die Apotheker und verschlechtere die Versorgungssituation der Patienten. »Wir brauchen nicht weniger Betreuung kranker Menschen durch Ärzte und Apotheker, wir brauchen mehr«, so Becker. Zur Verbesserung der Versorgungssituation vor allem von chronisch kranken und multimorbiden Patienten, habe die ABDA zusammen mit der KBV ein Konzept vorgelegt, das auf einem von Arzt und Apotheker gemeinsam durchgeführten Medikationsmanagement beruht. Es beinhalte ein Einsparpotenzial von über 2 Milliarden Euro, erklärte der DAV-Vorsitzende. Er forderte die Politik auf, das Konzept zu unterstützen. Staatsekretär Daniel Bahr habe die ABDA und die KBV aufgefordert, den gemeinsamen Vorschlag in die Vorbereitungen des Versorgungsgesetzes mit einzubringen. »Dieser Aufforderung folgen wir gerne«, so Becker.

 

Zuletzt ging der DAV-Vorsitzende auf die Änderung der Apothekenbetriebsordnung ein. Die im Positionspapier des BMG enthaltene verschärfte Einschränkung des Nebensortiments müsse gestrichen werden, da sie zu weiteren finanziellen Einbußen führe. Zudem wehrte sich Becker gegen die Regelung, dass Apotheken eines Eigentümers, die Herstellung von Rezepturen und Nacht- und Notdienst in einer Apotheke bündeln können. »Eine Apotheke zweiter Klasse wird es mit uns nicht geben«, sagte Becker. Er warb dafür, die Apotheker in die Arbeit zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung mit einzubeziehen. Becker: »Wir sind zur konstruktiven Zusammenarbeit bereit.«

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