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Bapineuzumab

Passive Impfung gegen Alzheimer

11.05.2010
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Gudrun Heyn, Berlin / Bei den therapeutischen Strategien gegen Alzheimer ist viel in Bewegung. Künftige Therapieoptionen zielen auf ein direktes Eingreifen in die Pathophysiologie der Erkrankung ab und bieten somit neue Perspektiven in der Behandlung. Mit dem Antikörper Bapineuzumab könnte zukünftig eine kausale Therapieoption zur Verfügung stehen.

Morbus Alzheimer stellt angesichts der demographischen Entwicklung eine der größten medizinischen Herausforderungen dar: Rund 700 000 Menschen leiden allein in Deutschland an der neurodegenerativen Erkrankung, die bis heute unheilbar ist. Bisherige Antidementiva wie Cholinesterase-Hemmer und der NMDA-Rezeptor-Antagonist Memantin wirken vor allem symptomatisch.

Die nächste Generation von Antidementiva soll jedoch gezielt in die Alzheimer-Patho­genese eingreifen. Dreh- und Angelpunkt dabei ist das β-Amyloid-Peptid, das sich in den Gehirnen Alzheimerkranker ablagert. »Noch ist allerdings ungeklärt, ob die β-Amyloid-Plaques im Gehirn der Betroffenen ursächlich für die Entstehung von Morbus Alzheimer verantwortlich sind, oder nur eine Begleiterscheinung der Erkrankung darstel­len«, gab Privatdozent Dr. Peter-Andreas Löschmann von Wyeth Pharma auf einem gemeinsamen Symposium mit der Berliner Charité und des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) zu bedenken. Dennoch lassen erste Ergebnisse von Studien mit Arzneistoffen, die diesen Ansatz verfolgen, hoffen. Einer davon ist der Antikörper Bapi­neuzumab, der sich zurzeit in Phase III der klinischen Prüfung befindet.

 

Phase III: erste Ergebnisse 2014

 

Bapineuzumab ist ein humanisierter mono­klonaler Antikörper, der sich gegen sieben Aminosäuren des β-Amyloids richtet. Er wird als passive Immunisierung intravenös verab­reicht wird. In einer 2008 veröffentlichten Phase-II-Studie profitierten Alzheimer-Patienten von der Gabe. An der 18-monatigen Untersuchung nahmen 234 Patienten mit milder bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz teil. Sie erhielten entweder Placebo oder den monoklonalen Antikörper in unterschiedlichen Dosierungen in Form von sechs Infusionen im Abstand von je 13 Wochen. Die Schlussauswertung erfolgte nach der letzten Infusion, also nach 78 Wochen. In den beiden Endpunkten »Gedächtnis und Kognition« und »Verhaltensauffälligkeiten« zeigten sich verglichen mit der Placebogruppe für die Verum-Gruppe Vorteile. Bei Alzheimer-Patienten ohne den genetischen Risikofaktor ApoE4 – das sind etwa zwei Drittel aller Erkrankten – waren die Unterschiede sogar statistisch signifikant. In der derzeitigen Phase-III-Studie sind die Patienten daher nach ihrem genetischen Risiko in Träger und Nicht-Träger des ApoE4-Allels aufgeteilt. Laut Datenbank der U. S. National Institutes of Health werden erste Ergebnisse im Jahr 2014 erwartet. /

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