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Teufelszeug

03.05.2017
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Teufelszeug

Wo Gott eine Kapelle baut, da baut der Teufel eine Kirche daneben. Mit diesem Luther-Zitat begann ABDA-Geschäftsführerin Claudia Korf den Apothekenwirtschaftsbericht beim Berliner DAV-Wirtschaftsforum (zur Berichterstattung). Nicht nur, weil wir uns im Luther-Jahr befin­den, sondern auch übertragen auf die Apothekenwelt sind diese Worte treffend gewählt.

 

Sinnbildlich kann man zum Beispiel das Arzneimittel-Versorgungs­stärkungsgesetz als eine solche Kapelle betrachten, die für etwas Gutes steht. So bekommen die Apotheker im Zuge dieses Gesetzes die Herstellung von Rezepturen und die Abgabe von Arzneimitteln auf Betäubungsmittel- und T-Rezept besser vergütet.

 

Blickt man sich einmal um, muss man sich auf der anderen Seite aber leider auch fragen: »Was zum Teufel geht hier vor?« Ganz oben im Ranking der Schreckgespenster steht das EuGH-Urteil aus dem Oktober 2016 und seine Folgen. Da ausländische Versandhändler sich seitdem im Gegensatz zu deutschen Vor-Ort-Apotheken bei Rx-Medikamenten nicht mehr an die Arzneimittelpreisbindung halten müssen, werden die Offizinen hierzulande mittelfristig unter Kostendruck geraten. Gerät die Arzneimittelpreisverordnung als sicheres Fundament der Vergütung ins Wanken oder wird die neue Regierung ab Herbst dieses Jahres die Preisverordnung sinnvoll reformieren und zum Beispiel auch die Vergütung von Dienst­leistungen mit aufnehmen?

 

Was zum Teufel ist da los? Diese Frage stellt sich auch in Hüffenhardt, wo nun doch wieder Arzneimittel aus einem Automaten plumpsen ­dürfen, wie es sonst nur Limoflaschen, Schokoriegel und Kaugummis tun (Doc Morris: Hüffenhardt reloaded). Die gleiche Frage kann man auch an SPD und FDP richten. Während die Sozialdemokraten sich noch immer mit aller Kraft gegen das Verbot des Versandhandels mit Rx-Medikamenten wehren, haben die ­Liberalen beim Bundesparteitag gar einen Antrag ins Wahlprogramm aufgenommen, der die Aufhebung des Fremdbesitzverbots vorsieht (FDP will Fremdbesitzverbot kippen).

 

Beschuss aus vielen Ecken sowie ein kaum noch zu überblickender Berg von ordnungspolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten: Auch so könnte man den Status quo für die Apotheken im Luther-Jahr zusammenfassen. »Wo nichts Gutes inne ist, kommt nichts Gutes heraus.« Auch dies hat der Reformator einmal gesagt. Hoffentlich bewahrheitet sich das für die Apotheker nicht.

 

Sven Siebenand 

Stellvertretender Chefredakteur 

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