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Protina

»Wir sind Partner der Apotheken«

04.05.2016
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Von Brigitte M. Gensthaler, Ismaning / Das helle Firmengebäude mit dem markanten Rundbau kennt in Ismaning jeder Einwohner; die Hauptprodukte, die hier entstehen, kennt in Deutschland jeder Apotheker. Ein Besuch beim Mineralstoffspezialisten Protina, der nächstes Jahr Jubiläum feiert.

75 Jahre wird das mittelständische Unternehmen dann alt. Seine Wurzeln reichen noch viel länger zurück. Im Jahr 1900 gründete der Chemiker Volkmar Klopfer das Nahrungsmittelwerk Dr. Klopfer. Seine Spezialität waren mit Eiweiß angereicherte Haferflocken und Vollkornbrot. Später wurden in dem Dresdner Werk viele Markenprodukte aus Eiweiß, Schwefel, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen entwickelt; bis heute am bekanntesten sind Magne­sium-Diasporal® und Basica®.

Klopfers Produktpalette bildete die Grundlage der Zusammenarbeit mit der 1942 in München von einem Verwandten gegründeten Protina Chemische GmbH. Ende der 1980er-Jahre verlegte Protina, jetzt Pharmazeutische GmbH, ihren Sitz nach Ismaning und bezog dort moderne Produktionsstätten. Die Klopfer Vertriebsgesellschaft wurde eine Protina-Tochter.

 

Nur in Apotheken

 

Heute sind die Ismaninger Mineralstoffexperten nach eigenen Angaben Marktführer im Segment der Säure-Basen-Präparate und belegen Platz drei im Magnesium-Markt. Geschäftsführerin Monika Tiedemann führt dies nicht nur auf die hohe Qualität der Produkte, sondern auch auf eine eindeutige Positionierung zurück. »Wir sind Partner der Apotheker und setzen auf eine faire echte Partnerschaft.« Es gehe nie um blanke Gewinnmaximierung, sondern um langfristige Beziehungen. Daher habe Protina die Basica-Reihe aus den Reformhäusern zurückgezogen. »Wir wollen mit unseren Produkten nur in Apotheken vertreten sein.«

 

Für die Beratung der Kunden sei die Fachkompetenz in den Apotheken essenziell, betont Tiedemann. Mit eigenen Studien zu Magnesium und anderen Mineralstoffen unterstütze Protina diese Beratung.

 

Seit zehn Jahren pflegt ein eigener Kundendienst die Kontakte zu den Apothekern. Zertifizierte Fortbildungen, E-Learning-Programme, Werbe- und Dekomaterialien sowie Unterstützung bei Apotheken-Aktionen gehören zum Service-Paket.

 

»Magnesium-Diasporal ist die am stärksten wachsende Marke im deutschen Magnesium-Markt«, sagt Tiedemann stolz. Internationales Top-Produkt und Klassiker zugleich sei das Diasporal-300-mg-Granulat, das wie alle Protina-Produkte am Standort Ismaning produziert wird.

 

Ohne organische Magnesiumsalze, genauer Citrate, und basische Mineralstoffmischungen wäre das Unternehmen nicht denkbar. Lassen sich solche Oldies noch weiterentwickeln? »Aber ja«, sagt Herstellungsleiter Hans Hilmer ohne Zögern. »Wir passen unsere Klassiker regelmäßig an die Vorgaben des Arzneimittel- und Lebensmittelrechts und die sich ändernden Vorlieben der Verbraucher an. Unsere Präparate müssen auf dem ernährungswissenschaftlich aktuellen Stand sein.«Mit neuen Produkten wolle man auch jüngere Kunden ansprechen. »Die galenische Entwicklung findet hier im Haus statt«, ergänzt der Apotheker.

 

Vom Beutel zum Stick

Seit zwei Jahren stellt die Firma die bekannten Pulver-Beutelchen konsequent auf Stick-Produkte um. Die schmalen Sticks seien bei den Verbrauchern beliebt, weil sie handlich und einfach anzuwenden sind.

 

Bei einem Rundgang durch die Produktionsräume präsentiert Hilmer die beiden neuen robotergesteuerten Stick-Abfüllanlagen – eine dritte soll in Kürze folgen. Bis zu 720 Sticks kann jede Maschine pro Minute herstellen. Jedes einzelne Tütchen wird befüllt, geprüft und gewogen, mit variablen Daten wie Chargennummer und Laufzeit bedruckt und nach abschließender Prüfung in Faltschachteln sortiert. Im letzten Arbeitsschritt bekommen diese einen Originalitätsverschluss und werden in größere Einheiten gebündelt. Durch die Fertigwarenschleuse verlassen die Gebinde die Produktionsabteilung und gelangen ins computergesteuerte Hochregallager – bereit für die Auslieferung an den pharmazeutischen Großhandel und Apotheken.

 

Pulver, Granulate, Kapseln, Tabletten: Die Palette der festen Arzneiformen bei Protina ist breit. »Wir haben eine hohe Fertigungstiefe und arbeiten weitgehend automatisiert«, erklärt Hilmer. Eine einzige halbfeste Zubereitung, heute ein Kosmetikum, gehört seit 1935 zum Sortiment: die Stillsalbe Garmastan®. Exportpräparate würden gemäß den Bestimmungen in den Verkaufsländern häufig nach speziellen Rezepturen hergestellt. Natürlich wie alle Produkte immer nach GMP-Regeln.

 

Fokus auf die Mitarbeiter

 

Auch wenn die Produktion weitgehend computergesteuert abläuft: Der Herstellungsleiter setzt voll auf seine Mitarbeiter. Etwa 60 der insgesamt 140 Protina-Beschäftigten arbeiten in der Produktion in drei Arbeitsgruppen. »Um gleichbleibend hohe Qualität garantieren zu können, brauchen wir gut qualifizierte Mitarbeiter an unserem Standort Bayern.« Hilmer, der selbst seit 30 Jahren bei Protina arbeitet, hebt das gute Betriebsklima hervor. »Vom Azubi bis zum langjährigen Kollegen – alle können voneinander lernen und arbeiten miteinander.«

 

»Wir bilden regelmäßig aus«, ergänzt Sabine Lomen, die die Abteilung Qualitätskontrolle und Zulassung leitet. Pharmaziepraktikanten könnten bei Protina alle Abteilungen eines mittelständischen Pharmaunternehmens kennenlernen. Tests auf mikrobiologische Kontamination, Gehaltsbestimmung per Titration, Vitamin-Prüfung via HPLC, Freisetzungsapparatur: Der Rundgang durch die Prüflabore weckt Erinnerungen an die eigene Uni-Zeit.

 

Qualität ist das Steckenpferd der Apothekerin, die seit 20 Jahren im Unternehmen arbeitet. Vom Rohstoff über Zwischenprodukte bis zum fertigen Präparat ist Lomen für die permanente Qualitätssicherung zuständig. »Unser Ziel ist es, in puncto Qualität alles vollständig in der Hand zu haben. Daher findet die Qualitätskontrolle fast komplett im Haus statt.« Dieser Anspruch gelte für Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel ebenso wie für Packmittel. »Nichts verlässt ohne meine Unterschrift das Haus.«

Auf Expansionskurs

 

In Ismaning verwurzelt, deutschlandweit aktiv, ins Ausland expandierend: So beschreibt Geschäftsführerin Tiedemann die Politik des Hauses. Der Hang zum Exportgeschäft zeigt sich auch in ihrer Vita. Die Lebensmittelchemikerin, die seit 1999 bei Protina arbeitet, leitete mehrere Jahre die Export-Abteilung, bevor sie im September 2013 als Nachfolgerin von Apotheker Thomas Nestler in die Geschäftsführung berufen wurde.

 

Aktuell exportiert Protina seine Produkte in mehr als 20 Länder, vor allem in Europa, aber auch in die Türkei, nach Israel oder Australien, und setzt dabei auf Partnerfirmen, die Marketing und Vertrieb im fernen Land übernehmen. »Im internationalen Geschäft erwirtschaften wir etwa ein Drittel unseres Jahresumsatzes.« Das reicht Tiedemann nicht: »Wir wollen expandieren und eine weltweite Protina-Familie bilden.« Derzeit gebe es erste Kontakte nach Lateinamerika und Asien. Dass dies neue Herausforderungen für alle Abteilungen, vom Einkauf und der Produktion bis hin zur Zulassung, medizinisch-wissenschaftlicher Abteilung und dem Vertrieb bedeutet, ist der Chefin klar.

 

Umso wichtiger seien zuverlässige Mitarbeiter, denen das Unternehmen auch viel bieten will. Man fördere sowohl Aus- und Fortbildung als auch Weiterbildung, zum Beispiel von Facharbeitern in Meisterkursen. »Wir haben aber auch eine eigene Fußballmannschaft, nehmen mit etwa 35 Mitarbeitern am B2run-Firmenlauf teil und unterstützen verschiedene Vereine in Ismaning.« Und nicht zu vergessen: Protina ist langjähriger Sponsor der Apotheker-Skimeisterschaften. Eine gute Gelegenheit, die Partnerschaft weiter zu vertiefen. /

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