Pharmazeutische Zeitung Online
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3-Prozent-Marge

»Darüber reden muss erlaubt sein«

04.05.2016
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Entwarnung für die Apotheker: Die in Aussicht gestellte bessere Vergütung bei Rezepturen und der BtM-Versorgung erfolgt unabhängig von einer möglichen Kappung des prozentualen Apothekenhonorars. Die beiden Honorarthemen stünden nicht in Relation zueinander, seien kein Nullsummen-Spiel. Das bekräftigten die gesundheitspolitischen Sprecherinnen der Koalition, Maria Michalk (CDU/CSU) und Hilde Mattheis (SPD) im Rahmen der Podiumsdiskussion.

Die Honorarfrage müsse grundsätzlich auf Basis des nun vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegeben Gutachtens beantwortet werden, sagte Mattheis. Die Vorschläge im parallel zu den Ergebnissen des Pharmadialogs von den Sprecherinnen erarbeiteten Positionspapier seien als Diskussionsanregungen für die Abgeordneten der Koalition zu verstehen. Das Thema Apothekenhonorare habe im Rahmen des Pharmadialogs nicht beantwortet werden können. Daher habe man sich in diesem und anderen Punkten auf Parlamentsebene Gedanken gemacht, welche Themen diskutiert werden sollten, erläuterte Michalk.

»Wir haben uns überlegt, welche Punkte für uns wichtig sind, ohne Vorfestlegung auf Ergebnisse«, betonte die CDU-Politikerin. Es sei ein Missverständnis, die Vorschläge als Koalitionspapier zu deklarieren, da sie lediglich als Anregung für die parlamentarische Debatte gedacht seien. Darüber, dass Rezepturen und Dokumentationspflichten bei der Belieferung von BtM-Rezepten besser vergütet werden müssen, herrschte Einigkeit auf dem Podium. Auch die gesundheitspolitischen Expertinnen der Grünen, Kordula Schulz-Asche, und der Linken, Kathrin Vogler, unterstützen die langjährige Forderung der Apotheker.

 

In einem Positionspapier hatten die Gesundheitspolitiker der Koalition unter anderem angeregt, die 3-Prozent-Marge, also den prozentualen Anteil, den Apotheker an einem Medikament verdienen, ab einem gewissen Betrag zu deckeln. Dieser Vorschlag hatte bei den Apothekern für große Entrüstung gesorgt.

 

Beim Thema Hochpreiser habe man sich schlicht überlegt, was diese Entwicklung für Apotheker bedeutet, erläuterte Michalk. Diese profitierten mit ihrem 3-prozentigen Margenanteil schließlich davon, dass Pharmahersteller im ersten Marktjahr den Preis eines Medikaments selbst festlegen können und immer mehr sehr teure Präparate auf den Markt einführen. Das müsse man beobachten. »Darüber zu reden, muss erlaubt sein«, so Michalk. Mattheis kritisiert zudem die Tatsache, dass viele Hersteller im ersten Jahr absahnen und dann vom Markt verschwinden.

 

»Bankrotterklärung«

 

Vogler übte scharfe Kritik am Plan der Koalition, die 3-Prozent-Marge zu deckeln. Aus ihrer Sicht setzen Union und SPD den Hebel an der falschen Stelle an. Es sei eine »gesundheitspolitische Bankrotterklärung«, dass es nicht gelänge, ausufernden Arzneimittelpreisen einen Riegel vorzuschieben und stattdessen nun die Apotheker in den Fokus zu rücken.

 

Die Resultate der Diskussion um die Hochpreiser könnten in die Bewertung der für Ende 2017 erwarteten Studie des Wirtschaftsministeriums zum Apothekenhonorar einfließen, so Michalk und Mattheis. Die bessere Vergütung von Rezepturen und BtM-Rezepten soll hingegen noch vor der parlamentarischen Sommerpause in einem Entwurf zu einem weiteren Arzneimittelgesetz Berücksichtigung finden.

 

Importquote überflüssig?

 

Gesprächsbedarf herrscht offenbar auch in puncto Importquote. Während die Koalition vorschlägt, künftig nur noch importierte Arzneimittel unter die Importförderklausel zu stellen, die mindestens 15 Prozent unter dem Preis von herkömmlichen Medikamenten liegen, sieht die Opposition diese Regelung mit Argwohn. Die Importquote »macht viel Arbeit in der Apotheke und sorgt für viel Ärger beim Patienten«, bemängelte Vogler. »Sie wäre überflüssig, wenn wir eine vernünftige Kostenregulierung im Arzneimittelmarkt hätten.«

 

Schulz-Asche erinnerte daran, dass am Konzept Reimport auch Arbeitsplätze hingen. Die Quote von heute auf morgen abzuschaffen, sei zu einfach. Aus Sicht der Patienten sei es jedoch »unverständlich, wie durch die Wiedereinfuhr von Arzneimitteln Geld gespart werden kann«. Es sei ein seltsames Konzept, dass sich etabliert habe. Dieses gelte es generell zu überprüfen.

 

Die sogenannte OTC-Ausnahmeregelung, bei der Krankenkassen in Einzelfällen auch OTC-Präparate erstatten, stand ebenfalls zur Debatte. Laut Positionspapier profitieren vor allem ältere multimorbide Patienten zu wenig von den Satzungsangeboten der Krankenkassen. Für sie soll demnach eine Möglichkeit der Kostenübernahme von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln durch die Gesetzliche Krankenversicherung geschaffen werden.

 

Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, begrüßte diesen Vorstoß. Ursprünglich sei der Plan gewesen, anhand des Risikoprofils eines Medikaments zu entscheiden, ob dieses der Verschreibungspflicht unterstellt werde oder nicht. Die Regelung »hat sich aber zu einer reinen Kostenschere entwickelt«, kritisierte er. Mattheis pflichtete ihm bei und forderte, auch die Versorgung von Jugendlichen mit OTC-Medikamenten auszubauen. »Die Grenze der Erstattungspflicht bei 12 Jahren zu ziehen, ist Unsinn und dient allein der Kostenersparnis«, sagte sie. Aus ihrer Sicht sollte diese auf 18 Jahre angehoben werden. /

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