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Branchenverband

Der neue Mann bei Pro Generika

03.05.2011  14:06 Uhr

Von Uta Grossmann, Berlin / Seit vier Monaten ist Bork Bretthauer Geschäftsführer des Branchenverbandes Pro Generika. Mit der Pharmazeutischen Zeitung sprach er über Rabattverträge und warum er gegen die von ABDA und KBV vorgeschlagene Wirkstoffverordnung ist.

Bork Bretthauer ist ein freundlicher, offener Mann von knapp 42 Jahren. Er stammt aus der Prignitz, lebt seit 1975 in Berlin (damals im Ostteil), mag Radfahren und Obstsalat. Er ist mit einer Architektin verheiratet und Vater zweier Söhne. Soweit, so unauffällig. Doch seine berufliche Vita macht neugierig.

Nach dem Politikstudium mit Schwerpunkt Sozial- und Gesundheitspolitik wurde Bork Bretthauer wissenschaftlicher Mitarbeiter und Büroleiter der Grünen-Bundestagsabgeordneten und späteren Gesundheitsministerin Andrea Fischer.

 

Ein Jahr nach ihrem Rücktritt vom Ministeramt während der BSE-Krise 2001 wechselte er ausgerechnet zum Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Die Interessenvertretung von »Big Pharma« war für manchen Grünen der Inbegriff des kapitalistischen Bösen, doch der junge Politikwissenschaftler hatte unter Andrea Fischer einen scheuklappenfreien, professionellen Umgang mit Interessenvertretern jeglicher Couleur kennengelernt. Den VFA nahm er 2002 vor allem als einen Verband wahr, »der konstruktive Vorschläge machte«. Die Arbeit an der Schnittstelle der Verbände liege ihm, sagt Bretthauer.

 

Anruf zur rechten Zeit

 

Von seinen insgesamt acht VFA-Jahren brachte er die letzten vier in der Geschäftsführung zu. Er war dort für die Arzneimittelpolitik auf europäischer Ebene, den Pharmastandort Deutschland und das Themenfeld globale Gesundheit zuständig.

 

Als beim VFA zunehmend interne Querelen auf die Stimmung drückten, die im Februar im Abgang der Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer gipfelten, fand Pro Generika Bork Bretthauer offen für seine Anfrage, ob er die Geschäftsführung des Generikaverbandes übernehmen wolle. »Der Anruf kam zum richtigen Zeitpunkt«, erzählt Bretthauer.

 

Pro Generika hatte seinerseits 2010 seinen Geschäftsführer Peter Schmidt wegen unglücklicher Medienauftritte entlassen und suchte einen Nachfolger. Anne Demberg (Stada) hatte die Geschäftsführung ad interim übernommen.

 

Den Wechsel von der Lobby der forschenden Pharmaindustrie zur Interessenvertretung der Generikahersteller findet Bretthauer nicht problematisch. »Es gibt viele gute Gründe, sich für Generika einzusetzen«, sagt er. Es gebe zahlreiche gemeinsame Themen, aber auch Unterschiede. Grundsätzlich setzt sich Bretthauer für eine intensivere Zusammenarbeit der Industrieverbände ein.

 

Am 1. Januar 2011 fing Bretthauer bei Pro Generika an. Der Verband hat 17 Mitgliedsunternehmen, bei fast allen war der neue Geschäftsführer bereits zum Antrittsbesuch. Vor allem musste er aber erst einmal neue Mitstreiter für sein Team finden. Denn nach Peter Schmidt hatten auch der Justiziar Thomas Porstner und der Bereichsleiter Markt und Wissenschaft, Dr. Stefan Plantör, Pro Generika verlassen. Porstner wechselte zum Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro), Plantör zum Pharma- und Gesundheitsdienstleister IMS Health.

 

Matthias Diessel ist nun seit 15. März der neue Bereichsleiter für den Arzneimittelmarkt. Er arbeitete vorher unter anderem für das Discount-Apothekenkonzept Easy Apotheke und die AOK. Am 2. Mai fing Gloria von Schorlemer, Juristin und Tierärztin, als neue Justiziarin an.

 

»Wir wollen nicht in die Jammerecke«, stellt Bork Bretthauer klar. Pro Generika möchte eine »konstruktive Rolle mit belastbaren Daten und Fakten« spielen. In den ersten Monaten sei es vor allem um das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) gegangen, um seine Auswirkungen in der Praxis und die Probleme, die bei der Umsetzung auftauchten.

 

Folgen der Rabattverträge

 

Pro Generika hat zur Kenntnis genommen, dass der Gesetzgeber an dem Einsparungsinstrument der Rabattverträge festhalten will und das mit dem AMNOG bestätigt hat. Allerdings wird der Verband auf die Folgen hinweisen: Das Ausschreibungssystem bevorzuge die großen Hersteller, was zu einer Marktverdichtung führe, so Bretthauer.

 

Originalhersteller schließen zunehmend kurz vor Patentablauf Rabattverträge mit Krankenkassen ab, um ihre dann nicht mehr patentgeschützten Medikamente vor der Konkurrenz der Generikahersteller zu schützen. Das widerspricht der Intention der Rabattverträge, die ja gerade den Wettbewerb der Generikafirmen untereinander und mit den Originalherstellern nach Patentablauf schüren wollen. Ein Beispiel: Eli Lilly schloss vor dem Auslaufen des Patents im Herbst für das Schizophrenie-Medikament Zyprexa (Olanzapin) Rabattverträge mit vielen Krankenkassen, darunter Techniker Krankenkasse, Barmer GEK und DAK – bei deren über 40 Millionen Versicherten haben Generikahersteller mit Nachahmerpräparaten keine Chance. Dagegen will der Verband angehen. »Wir setzen uns für einen fairen Marktzugang nach Patentablauf ein«, sagt Bretthauer.

 

Pro Generika will auch die Probleme bei der Therapietreue (compliance) thematisieren, wenn Patienten sich durch wechselnde Rabattverträge auf immer neue Generika umstellen müssen. »Hier sind wir mit den Apothekern einig«, sagt Bretthauer. In einer verbesserten compliance schlummern nach seiner Überzeugung »Effizienzreserven, die durch das System der Rabattverträge nicht zu heben sind«.

 

Eine Wirkstoffverordnung, wie sie die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in ihrem gemeinsamen Konzept vorgeschlagen haben, lehnt Pro Generika aber klar ab. Bretthauer kann darin keine Verbesserung für die Patienten erkennen. /

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