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Apothekenbasierte nicht-interventionelle Studie

Rennie-Verwender bestätigen zuverlässige Wirkung bei Sodbrennen

03.05.2010  15:59 Uhr

Von Ulrike Weingärtner / In einer apothekenbasierten nicht-interventionellen Studie (NIS) wurde die Anwendung des Antazidums Rennie® zur Behandlung von Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden hinsichtlich Wirksamkeit, Verträglichkeit und Anwenderzufriedenheit untersucht.

Sodbrennen und säurebedingte Beschwerden sind häufig: Ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland ist zumindest gelegentlich davon betroffen (1, 2). Auslöser der Beschwerden sind häufig falsche Ernährungs- und Essgewohnheiten (zu fett, zu süß, zu scharf gewürzt), übermäßiger Genuss von Alkohol und Nikotin, Übergewicht sowie Hektik und Stress (3). Häufig leiden auch schwangere Frauen unter Sodbrennen.

PZ-Originalia

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Da die Linderung der Beschwerden mit Antazida wie Rennie-Kautabletten sehr rasch einsetzt, sind sie vor allem bei leichten beziehungsweise gelegentlichen Beschwerden systemisch wirkenden Protonenpumpeninhibitoren (PPI) vorzuziehen.

 

Studienziel

 

Ziel der vorliegenden prospektiven, nicht-intervenierenden, einarmigen Beobachtungsstudie in Apotheken war die Dokumentation der Wirksamkeit und Verträglichkeit von Rennie-Kautabletten bei der Behandlung von Sodbrennen, saurem Aufstoßen und säurebedingten Magenbeschwerden. Rennie enthält 680 mg Calciumcarbonat sowie 80 mg Magnesiumcarbonat pro Tablette und ist zugelassen zur symptomatischen Behandlung von Erkrankungen, bei denen die Magensäure gebunden werden soll (4).

Die Untersuchung sollte außerdem Aufschluss darüber geben, welche Beschwerden die Patienten im Rah­men der Selbstmedikation mit Ren­nie Kautabletten behandeln, in wel­cher Dosierung sie das Präparat ein­nehmen und zu welchem Zeitpunkt die Symptome nachlassen. Die Ver­träglichkeit der Studienmedikation wurde durch die von den Patienten berichteten unerwünschten Ereignis­se erfasst. Darüber hinaus wurden die Teilnehmer um eine globale Be­urteilung der Wirksamkeit und Ver­träglichkeit des Präparates gebeten.

 

Studiendesign

 

Die Daten wurden im Zeitraum von Januar bis Mai 2008 in Apotheken im ganzen Bundesgebiet erhoben. Bei der Planung und Durchführung der Untersuchung wurden die Empfehlun­gen des Bundesinstitutes für Arznei­mittel und Medizinprodukte (BfArM) berücksichtigt, und soweit notwendig, an die Bedingungen der Selbstmedikation angepasst (5). Von 7088 angeschriebenen Apotheken, nahmen 588 an der Studie teil. Patienten, die in diesen Apotheken Rennie-Kautabletten kauften und sich zur Teilnahme an der Studie bereit erklärten, erhielten einen Fragebogen. Dieser wurde nach der Einnahme des Antazidums von den Patienten ausgefüllt und an das auswertende Institut geschickt. Insgesamt wurden 2995 Fragebögen verteilt, der Rücklauf betrug 40 Prozent, sodass die Daten von insgesamt 1197 Patienten ausgewertet werden konnten.

 

Die Stärke der jeweiligen Beschwerden stuften die Patienten mithilfe von vier Kategorien ein: 0 = nicht vorhandene, 1 = leichte, 2 = mittlere, 3 = starke Beschwerden. Die Angaben zum Schweregrad der einzelnen gastrointestinalen Symptome wurden zu einem Gesamtscore pro Zeiteinheit summiert. Bewertet wurden Sodbrennen, saures Aufstoßen, Magenschmerzen beziehungsweise Magendruck, Völlegefühl sowie sonstige Beschwerden. Fehlende Werte zum Schweregrad der Symptome im Zeitverlauf wurden gemäß LOCF (= last observation carried forward) ergänzt.

 

Ergebnisse

 

Demografische Daten

39,4 Prozent der Studienteilnehmer waren Männer, 60,3 Prozent Frauen, 0,3 Prozent machten keine Angabe. Bezogen auf das Gesamtkollektiv haben 6,6 Prozent (79 von 1197) Schwangere an der Untersuchung teilgenommen.

 

Das Alter der Befragten lag bei 48,3 ± 16,8 Jahre (Median: 47 Jahre). Für 950 Patienten konnte der Body Mass Index (BMI) berechnet werden – er lag bei 25,5 ± 4,2 kg/m2. Die genauere Analyse der BMI-Werte ergab, dass 48,1 Prozent (457 von 950) normalgewichtig, 37,9 Prozent (360 von 950) übergewichtig und 13,5 Prozent (128 von 950) gemäß der WHO-Definition adipös waren.

 

Apotheke als Anlaufstelle

Auf dem Fragebogen machten 1189 Studienteilnehmer 1252 Angaben darüber, wer ihnen zur Einnahme des Antazidums geraten hatte. Es zeigte sich, dass mehr als die Hälfte (54,1 Prozent; 643 von 1189) den Rat, das Präparat einzunehmen, in der Apotheke erhalten haben (Abbildung 1). Fast ein Drittel (27,4 Prozent; 326 von 1189) hatte die Empfehlung von Mitgliedern der Familie beziehungsweise von Freunden oder Bekannten erhalten. 19,6 Prozent (233 von 1189) der Studienteilnehmer hatten von Rennie® im Fernsehen oder aus der Zeitung erfahren.

Sodbrennen im Vordergrund

1192 Patienten nannten auf dem Fragebogen 1862 Beschwerden als Grund für die Einnahme der Studienmedikation: Im Vordergrund stand das Symptom Sodbrennen, unter dem fast drei Viertel (74,6 Prozent; 889 von 1192) der Patienten litten. Dahinter folgte saures Aufstoßen, von dem 37,4 Prozent (446 von 1192) der Patienten betroffen waren. Etwa in der gleichen Größenordnung lagen mit 23,5 Prozent (280 von 1192) beziehungsweise 19,5 Prozent (233 von 1192) die Symptome Völlegefühl sowie Magenschmerzen beziehungsweise Magendruck (Abbildung 2).

Rund die Hälfte der Patienten des Gesamtkollektivs (53,9 Prozent, 643 von 1192) behandelte im Rahmen der Studie ein einzelnes Symptom, etwas mehr als ein Drittel der Teilnehmer (36,8 Prozent, 439 von 1192) zwei Beschwerden gleichzeitig. 9,3 Prozent (110 von 1192) nannten drei oder mehr Beschwerden, die durch die Einnahme von Rennie-Kautabletten gebessert werden sollten. Insgesamt gaben 549 Patienten zwei oder mehr Symptome als Grund für die Einnahme des Präparates an. Die häufigste Kombination war dabei Sodbrennen in Verbindung mit saurem Aufstoßen, die von 36,8 Prozent (202 von 549) der Patienten angegeben wurde. Bezogen auf die Patienten mit Angaben zum Symptomprofil behandelten demnach 16,9 Prozent (202 von 1192) diese Symptomkombination. Zweithäufigste Kombination war Sodbrennen in Verbindung mit Völlegefühl, von der 16,8 Prozent (92 von 549) betroffen waren. Bezogen auf die Patienten mit Angaben zum Symptomprofil entspricht dies 7,7 Prozent (92 von 1192) der Patienten.

 

22,5 Prozent (267 von 1188) der Studienteilnehmer hatten mit mehr als zweimal pro Woche häufiger unter Sodbrennen zu leiden. Bei der Mehrheit der Patienten trat das Problem jedoch nur gelegentlich auf: 37,5 Prozent (446 von 1188) der Studienteilnehmer gaben an, zwei- bis viermal in 14 Tagen an Sodbrennen zu leiden, 26,2 Prozent (311 von 1188) waren selten, das heißt circa einmal im Monat betroffen (Abbildung 3).

 

Rennie überwiegend als Bedarfsmedikation

21,7 Prozent (255 von 1177) der Studienteilnehmer wendeten Rennie im Rahmen der Studie zum ersten Mal an, 78,3 Prozent (922 von 1177) der Patienten hatten das Präparat zuvor bereits eingenommen.

 

Zur Frage des Einnahmezeitpunkts waren Mehrfachnennungen möglich: 1192 Patienten machten hierzu 1434 Angaben. Rennie-Kautabletten wurden von den meisten Patienten (86,9 Prozent; 1036 von 1192) bei Bedarf eingenommen, 11,4 Prozent (136 von 1192) nahmen das Präparat vor dem Schlafengehen, 11,2 Prozent (134 von 1192) gaben die Einnahme bei nächtlichen Beschwerden an und 10,7 Prozent (128 von 1192) der Studienteilnehmer nahmen das Antazidum regelmäßig nach den Mahlzeiten ein.

 

Die Mehrzahl der Teilnehmer nahmen das Präparat ein- bis zweimal pro Tag ein: 48,0 Prozent (461 von 961) der Patienten gaben die einmal tägliche Einnahme an, 37,5 Prozent (360 von 961) die zweimal tägliche. Nur 2,0 Prozent (19 von 961) der Patienten griffen häufiger als dreimal pro Tag zu den Kautabletten. 19,7 Prozent (236 von 1197) der Befragten machten keine Angabe zur Einnahmehäufigkeit. Pro Einnahmezeitpunkt nahmen 54,2 Prozent (644 von 1188) aller Studienteilnehmer eine Tablette, 42,5 Prozent (505 von 1188) zwei Tabletten und 3,3 Prozent (39 von 1188) mehr als zwei Tabletten, das heißt, die Mehrheit der Patienten nahm ein bis zwei Tabletten als Einzeldosis ein.

 

Begleitmedikation nur selten nötig

Nur ein relativ kleiner Teil der Patienten (16,2 Prozent; 193 von 1188) gab an, zusätzlich zu Rennie weitere Präparate zur Behandlung der säurebedingten Magenbeschwerden einzunehmen. Hierzu wurden 230 verschiedene Medikamente von 184 Patienten genannt. Davon entfiel der überwiegende Teil (67,4 Prozent; 155 von 230) auf andere Magen-Darm-Mittel. In dieser Präparategruppe überwogen die Protonenpumpeninhibitoren (PPI) mit 51,0 Prozent (79 von 155), dabei wiederum Omeprazol mit n = 49. Nach PPI folgten in der Gruppe der Magen-Darm-Mittel Antazida mit 22,6 Prozent (35 von 155) und H2-Blocker mit 8,4 Prozent (13 von 155).

 

Insgesamt betrachtet nahmen 6,6 Prozent (79 von 1188) zusätzlich einen PPI, 2,9 Prozent (35 von 1188) ein weiteres Antazidum und 1,1 Prozent (13 von 1188) einen H2-Blocker ein (Patienten mit Angaben zur Frage der Einnahme weiterer Medikamente). Weitere Begleitmedikationen waren Analgetika/Antirheumatika (n = 19) sowie Betarezeptoren-, Calciumkanalblocker und Hemmstoffe des RAS (Renin-Angiotensin-System) (n = 13).

 

Rascher Rückgang der Beschwerden

Die meisten Patienten (93,6 Prozent, 1120 von 1197) machten Angaben zum Beschwerdeverlauf: 70,6 Prozent (791 von 1120) dokumentierten dabei ein bis zwei Symptome über den Zeitverlauf, 29,4 Prozent (329 von 1120) drei bis fünf Symptome.

 

Die Auswertung der Patientenangaben macht deutlich, dass die Wirkung von Rennie bereits fünf Minuten nach der Einnahme verspürt wird. Der Gesamtscore der durchschnittlichen Beschwerdestärke nahm innerhalb der ersten 15 Minuten am deutlichsten ab, mit weiterhin fallender Tendenz während der ersten 60 Minuten (Abbildung 4). Bis zum Ende des Beobachtungszeitraums blieb der Score dann nahezu unverändert auf niedrigem Niveau.

 

Hohe Zufriedenheit der Verwender

In der globalen Beurteilung bescheinigten die Studienteilnehmer Rennie eine gute Wirksamkeit: Insgesamt waren 96,3 Prozent (1146 von 1190) des Gesamtkollektivs sehr zufrieden oder zufrieden mit der Linderung der Beschwerden unter der Studienmedikation (Abbildung 5). Bei der Betrachtung der verschiedenen Symptome ergab sich folgendes Bild: Bei saurem Aufstoßen waren 97,1 Prozent (431 von 444) der Patienten zufrieden oder sehr zufrieden, bei Sodbrennen 96,6 Prozent (852 von 882), bei Völlegefühl 94,9 Prozent (265 von 279) und bei Magenschmerzen beziehungsweise Magendruck 94,4 Prozent (219 von 232) – berücksichtigt wurden jeweils Einfach- und Mehrfachnennungen der Symptome (Abbildung 6).

 

Sicherheit und Verträglichkeit

1189 Patienten (99,3 Prozent) dokumentierten in einer geschlossenen Frage, wie gut sie Rennie vertragen haben. Dabei beurteilten 99,2 Prozent (1180 von 1189) die Verträglichkeit mit sehr gut beziehungsweise gut.

21 der 1197 Patienten (1,7 Prozent) dokumentierten insgesamt 27 unerwünschte Ereignisse – überwiegend gastrointestinaler Art: Aufstoßen, Flatulenz, Schmerzen im Oberbauch und Geschmacksstörungen. Zwei Patienten suchten wegen unerwünschter Ereignisse einen Arzt auf, machten jedoch keine Angabe zur Art des unerwünschten Ereignisses.

 

Subgruppenanalyse: Schwangere

 

An der Untersuchung nahm ein relativ hoher Anteil schwangerer Frauen teil: Zum Zeitpunkt der Befragung waren 11,0 Prozent (79 von 721) der Teilnehmerinnen schwanger. Bezogen auf das Gesamtkollektiv wurden demnach 6,6 Prozent Schwangere (79 von 1197) in die Untersuchung eingeschlossen.

 

Der Arzt als Empfehler

Hat der Arzt in anderen Patientengruppen bei der Empfehlung von Rennie® eher untergeordnete Bedeutung, kommt ihm bei Schwangeren ein größerer Stellenwert zu: So bekamen 21,5 Prozent (17 von 79) der Frauen die Empfehlung, Rennie einzunehmen, von ihrem Arzt, 58,2 Prozent (46 von 79) erhielten den Rat von der Apotheke. Familie, Freunde und Bekannte waren bei 17,7  Prozent (14 von 79) der Schwangeren die Ratgeber und 13,9 Prozent (11 von 79) hatten ihre Information aus Fernsehen und Zeitung (Abbildung 1).

 

Symptom Nr. 1: Sodbrennen

78 Schwangere machten 122 Angaben zu ihren Beschwerden: 88,5 Prozent (69 von 78) von ihnen litten unter Sodbrennen – beim Gesamtkollektiv waren es 74,6 Prozent (889 von 1192). Unter saurem Aufstoßen litten 43,6 Prozent (34 von 78) der Schwangeren, 14,1 Prozent (11 von 78) unter Völlegefühl und 9,0 Prozent (7 von 78) unter Magenschmerzen beziehungsweise Magendruck (Abbildung 2).

 

Schwangere litten tendenziell häufiger an säurebedingten Magenbeschwerden als das Gesamtkollektiv: So hatten 67,1 Prozent (53 von 79) der Schwangeren, aber nur 22,5 Prozent (267 von 1188) aller Teilnehmer mehr als zweimal pro Woche Beschwerden (Abbildung 3). Außerdem waren unter den Schwangeren tendenziell mehr Erstverwender im Vergleich zum Gesamtkollektiv (35,4 Prozent; 28 von 79 [25,8 bis 46,4 Prozent] versus 21,7 Prozent; 255 von 1177 [19,1 bis 23,7 Prozent]).

 

Einnahme häufiger vorm Schlafengehen

Die Mehrzahl der Schwangeren nahm Rennie ein- bis zweimal täglich ein: 32,7 Prozent (18 von 55) einmal täglich und 47,3 Prozent (26 von 55) zweimal täglich. Nur 7,3 Prozent (4 von 55) verwendeten die Studienmedikation mehr als dreimal pro Tag. Rund ein Drittel der Schwangeren (30,4 Prozent; 24 von 79) machten keine Angabe zur Einnahmehäufigkeit.

 

Zur Frage des Einnahmezeitpunkts machten 79 Schwangere 107 Angaben. Die Einnahme des Antazidums vor dem Schlafen gehen war unter Schwangeren tendenziell häufiger als unter der Gesamtheit der Patienten: 30,4 Prozent (24 von 79; [21,3 bis 41,2 Prozent]) der Schwangeren, aber nur 11,4 Prozent (136 von 1197; [9,5 bis 13,3 Prozent]) des Gesamtkollektivs nahmen die Medikation vor allem zur Nacht ein. Schwangere nehmen außerdem tendenziell häufiger nur eine Tablette als Einzeldosis ein als das Gesamtkollektiv: 73,1 Prozent (57 von 78; [61,4 bis 80,0 Prozent]) der Schwangeren vs. 54,2 Prozent (644 von 1188; [51,0 bis 56,6 Prozent]) des Gesamtkollektivs. Zwei Tabletten gleichzeitig verwendeten 24,4 Prozent (19 von 78) der schwangeren Frauen.

 

Wirksamkeit und Verträglichkeit

Auch bei schwangeren Frauen war die Zufriedenheit mit der Anwendung von Rennie hoch: 98,7 Prozent (77 von 78) waren mit der Wirksamkeit des Präparates sehr zufrieden oder zufrieden (siehe Abbildung 5). Ebenfalls 98,7 Prozent (77 von 78) der Schwangeren stuften die Verträglichkeit des Präparates als sehr gut beziehungsweise gut ein.

 

Diskussion

 

Obwohl Männer von dem Beschwerdebild gleichermaßen betroffen sind wie Frauen, haben an der Studie tendenziell mehr Frauen teilgenommen (39,4 Prozent Männer, 60,3 Prozent Frauen). Eine apothekenbasierte Beobachtungsstudie mit 4163 Teilnehmern mit dem Antazidum Talcid® aus dem Jahre 2001 wies ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis auf. Dort lag der Anteil weiblicher Studienteilnehmer bei 53 Prozent (6). Inwieweit ein Selektionsbias durch die Apotheken vorliegt oder ob Frauen eine höhere Bereitschaft zur Teilnahme an Untersuchungen haben, bleibt offen. Dem gegenüber war das Alter bei beiden Untersuchungen vergleichbar: die Teilnehmer der Talcid-Untersuchung waren 47±16 Jahre alt, die der Rennie-Studie 48,3 ± 16,8 Jahre.

 

Rund die Hälfte der Patienten war zum Befragungszeitpunkt übergewichtig oder adipös – dies entspricht in etwa der Verteilung in der deutschen Bevölkerung. Auf Basis der Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie, die einen Anteil Übergewichtiger und Adipöser von 58 Prozent in Deutschland ermittelte, liegt der Anteil in dieser Untersuchung sogar numerisch etwas niedriger (7). Da Übergewicht als ein bedeutender Risikofaktor für Sodbrennen angesehen wird (8), wäre ein höherer Anteil an Übergewichtigen zu erwarten gewesen. Allerdings konnten für die Berechnung des BMI die Angaben von nur 950 Teilnehmern ausgewertet werden.

 

Der Anteil der Schwangeren lag in dieser Studie bezogen auf das Gesamtkollektiv bei 6,6 Prozent. Hier spiegelt sich das häufige Auftreten von Sodbrennen während der Schwangerschaft wider: bis zu 50 Prozent der schwangeren Frauen leidet darunter. Sofern allgemeine Maßnahmen keine Besserung der Beschwerden verschaffen, sind Antazida aufgrund ihrer sehr guten Verträglichkeit Mittel der ersten Wahl (9). Auch in der Beobachtungsstudie mit Talcid war ein Teil der Frauen schwanger. Insgesamt 8,3 Prozent der Studienteilnehmerinnen haben das Antazidum wegen Schwangerschaftssodbrennen eingenommen. Die Subgruppenanalyse dieser Untersuchung zeigte vergleichbare Ergebnisse: Sodbrennen ist das vordringlichste Symptom während der Schwangerschaft und steht noch deutlicher im Vordergrund als im Gesamtkollektiv. Außerdem leiden sie regelmäßig und damit auch häufiger unter den Beschwerden. Dass sich die Schwangeren ihrer Verantwortung für das heranwachsende Kind bewusst sind, zeigt sich dadurch, dass bei rund einem Fünftel der Arzt Empfehler des Präparates ist.

 

Indikationsgerechte Einnahme

Die Patienten wenden dieser Untersuchung zufolge die Studienmedikation in der bestimmungsgemäßen Indikation an: Als häufigstes zu behandelndes Symptom wird Sodbrennen angegeben, gefolgt von saurem Aufstoßen, Völlegefühl und Magendruck beziehungsweise Magenschmerzen. Rund die Hälfte aller Patienten behandelt mit Rennie vor allem ein Symptom. Etwa ein Drittel der Betroffenen erhofft sich von der Antazida-Behandlung die Linderung zweier Symptome: häufigste Kombination war Sodbrennen in Verbindung mit saurem Aufstoßen, gefolgt von Sodbrennen in Verbindung mit Völlegefühl.

 

Bei der Mehrheit traten die Symptome nur gelegentlich auf, allerdings litten etwa ein Fünftel der Studienteilnehmer unter häufigeren Beschwerden (mehr als zweimal pro Woche). Demnach handelt es sich bei den Rennie-Verwendern dieser Untersuchung um Patienten, die überwiegend gelegentliches Sodbrennen, saures Aufstoßen oder Völlegefühl behandeln möchten.

 

Einnahme gemäß der Packungsbeilage

Beim Einnahmemodus hielten sich die Patienten an die Vorgaben der Packungsbeilage: Rennie wurde hauptsächlich bei Bedarf (87 Prozent des Gesamtkollektivs) eingenommen. 39 Prozent der Teilnehmer (Gesamtkollektiv) wendeten die Studienmedikation einmal pro Tag an, bei den Schwangeren mit säurebedingten Magenbeschwerden stand die zweimal tägliche Einnahme mit 33 Prozent im Vordergrund. Als Einzeldosis nahm die Mehrheit der Patienten eine bis zwei Tabletten ein, Schwangere nahmen dagegen meist nur eine Tablette ein (72 Prozent).

 

Gute Noten für Rennie

Die Untersuchung bestätigt auch den aus kontrollierten, klinischen Studien bekannten raschen Eintritt der Wirkung von Rennie-Kautabletten (10, 11): Die Beschwerden nahmen innerhalb der ersten 15 Minuten nach der Einnahme am deutlichsten ab, mit weiterhin fallender Tendenz während der ersten 60 Minuten. Die Mehrheit der Studienteilnehmer war mit der Wirksamkeit des Präparates zufrieden. Dies bestätigt sich auch dadurch, dass nur ein kleiner Teil der Studienteilnehmer zusätzlich weitere Magen-Darm-Präparate einnahm. Wurden zusätzlich Magen-Darm-Präparaten verwendet, kamen dabei PPI am häufigsten zum Einsatz.

 

Auch die gute Verträglichkeit wurde bestätigt: Unerwünschte Ereignisse wurden von den Patienten nur selten berichtet und beziehen sich hauptsächlich auf gastrointestinale Symptome. 99 Prozent des Gesamtkollektivs (97 Prozent der Schwangeren) beurteilten die Verträglichkeit als sehr gut oder gut.

 

Die hohe Zufriedenheit der Teilnehmer deutet darauf hin, dass das Antazidum Rennie die Bedürfnisse der Verwendergruppe mit diesem Beschwerdeprofil erfüllt. Interpretiert man Zufriedenheit als multidimensionales Setting aus den Faktoren Wirksamkeit, Wirkeintritt und Verträglichkeit, so ergibt sich ein schlüssiges Bild. Ein positiver Selektionsbias sollte bei der Interpretation der Daten allerdings berücksichtigt werden. Rund 80 Prozent kannten das Präparat und nahmen es zum wiederholten Mal ein. Aber auch die Produkttreue kann als Indiz für die Zufriedenheit gewertet werden. Allerdings wird in Beobachtungsstudien die Wirksamkeit tendenziell besser bewertet als in kontrollierten Studien (12). Demgegenüber liegen die Angaben zu unerwünschten Ereignissen in Beobachtungsstudien tendenziell höher, da in der Regel keine Prüfung der Kausalität erfolgen kann und die Angaben der Patienten ungefiltert gelistet werden (13).

 

Künftiger Stellenwert von Antazida und PPI

Die Untersuchung zeigt, dass Patienten mit gelegentlichen und leichten Beschwerden von der Einnahme eines Antazidums wie Rennie profitieren, da sich ihre Beschwerden damit kurzfristig gut und ausreichend kontrollieren lassen. Für Patienten mit stärkeren beziehungsweise häufigeren säurebedingten Magenbeschwerden stehen seit dem Sommer auch PPI wie Omeprazol (zum Beispiel Antra®) für die Selbstmedikation zur Verfügung. In einem aktuellen Review (14) machen die Autoren deutlich, dass PPI insbesondere für Patienten mit Refluxsymptomen eine effektive und sichere Therapieoption darstellen. Die nächsten Monate werden deshalb zeigen, welchen Stellenwert PPI im Vergleich zu Antazida künftig in der Selbstmedikation säurebedingter Magenbeschwerden einnehmen werden. Die Autoren des Reviews weisen aber auch auf die Grenzen der Selbstmedikation hin und betonen, dass alle Patienten mit Alarmsymptomen wie Schluckbeschwerden, Erbrechen oder Gewichtsverlust an einen Arzt verwiesen werden sollten.

 

Fazit

 

Das Antazidum Rennie, das Calcium- und Magnesiumcarbonat enthält, hat eine rasche und effektive Wirkung auf leichtes, gelegentlich auftretendes Sodbrennen sowie saures Aufstoßen. Aber auch Patienten mit Völlegefühl profitierten von der Einnahme des Antazidums. Die vorliegende Untersuchung bestätigt darüber hinaus die gute Verträglichkeit und Sicherheit des Präparates. Die Subgruppenanalyse der schwangeren Studienteilnehmerinnen belegt, dass Rennie auch bei dieser Patientengruppe die säurebedingten Magenbeschwerden wirkungsvoll lindert und dabei gut verträglich und sicher ist. /

Literatur

  1. Koop H, Schepp W, Müller-Lissner S, Madisch A, Micklefield G, Messmann H, Fuchs KH, Hotz J. Gastroösphageale Refluxkrankheit – Ergebnisse einer evidenzbasierten Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Z Gastroenterol 2005;43(2):163-194.
  2. Dent J, El-Serag HB, Wallander MA, Johansson S. Epidemiology of gastro-oesophageal reflux disease: a systematic review. Gut 2005;54:710-17.
  3. Oliveria SA, Christos PJ, Talley NJ, Dannenberg AJ. Heartburn risk factors, knowledge, and prevention strategies: a population-based survey of individuals with heartburn. Arch Intern Med 1999;159(14):1592-98.
  4. Fachinformation Rennie®, Stand 12/2006.
  5. Bekanntmachung über die Zulassung und Registrierung von Arzneimitteln. Empfehlungen zur Planung und Durchführung von Anwendungsbeobachtungen. Bundesanzeiger Nr. 229 vom 4.12.1998, 16884 – 16885.
  6. Weingärtner U, Petersen-Braun M. Verantwortungsvoller Umgang mit Antacida. Pharm Ztg 2001; 50/01:32-39.
  7. Max Rubner-Institut (Hrsg), Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel. Nationale Verzehrsstudie II. 2008.
  8. Nocon M, Labenz J, Jaspersen D, Meyer-Sabellek W, Stolte M, Lind T, Malferheiner P, Willich SN. Association of body mass index with heartburn, regurgitation and esophagitis: Results of the Progression of Gastroesophageal Reflux Disease Study. J Gastroenterol and Hepatol 2007; 22:1728-1731.
  9. Richter JE. Review article: the management of heartburn in pregnancy. Aliment Pharmacol Ther 2005;22:749-757
  10. Netzer P, Brabetz-Höfliger A, Bründler R, Flogerzi B, Hüsler J, Halter F. Comparison of the effect of the antacid Rennie versus low-dose H2-receptor antagonists (ranitidine, famotidine) on intragastric acidity. Aliment Pharmacol Ther 1998;12:337-342.
  11. Simoneau G. Absence of rebound effect with calcium carbonate. Eur J Drug Metab Pharmacokinet 1996;21(4):351-357.
  12. Petersen-Braun M, Weingärtner U, Gessner U, Goebel H. Comparison of a pharmacy-based observational study with GCP-conform clinical studies with effervescent acetylsalicylic acid in migraine. In: Olesen J. The Classification and Diagnosis of Headache Disorders. Oxford New York: Oxford University Press; 2005.
  13. Weingärtner U, Gessner U, Petersen-Braun M, Voelker M. Influence of Questionnaire on Incidence of Adverse Events in OTC Use of Acetylsalicylic Acid in Observationals trials. [poster] International Headache Congress (IHC); 2007, June 28–July 1; Stockholm, Sweden.
  14. Haag S, Andrews JM, Katelaris PH, Gapasin J, Galmiche JP, Hunt R, Layer P, Malferteiner P, Holtmann G. Management of reflux symptoms with over-the-counter proton pump inhibitors: Issues and proposed guidelines. Digestion 2009;80:226-234

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