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Nutzen von Avastin infrage gestellt

04.05.2010  15:21 Uhr

PZ / Der Medizinische Dienst (MDK) der baden-württembergischen Krankenversicherung bezweifelt den Nutzen des monoklonalen Antikörpers Bevacizumab (Avastin®). Laut Handelsblatt hat der MDK in einem Schreiben an die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft die mangelnde Datenlage angemahnt. Für Roche zählt das Präparat zu den umsatzstärksten Medikamenten.

Bei dem Krebsmittel handle es sich um »ein marginal wirksames Medikament«, zitiert das Handelsblatt aus einem Gutachten der MDK-Prüfer. Die Verlängerung der Lebenszeit von Patienten sei in den Nachfolgestudien seit der Erstzulassung im Jahr 2005 nicht belegt. Zudem moniere der MDK, dass der Zusatznutzen des gegen Darm-, Brust-, Lungen- und Nierenkrebs eingesetzten Arzneimittels in keinem Verhältnis zu den monatlichen Therapiekosten von 5000 Euro stehe. Weiter heißt es, dass tödliche Komplikationen zugenommen hätten, es bestehe »eine erhebliche Toxizität«.

Laut Handelsblatt teilt die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft die grundlegenden Bedenken. Auch der Gemeinsame Bundesausschuss GBA schließt demnach nicht aus, als letzte Konsequenz Avastin aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen. Vorher müsste der GBA jedoch zunächst das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit IQWiG mit einer Kosten-Nutzen-Bewertung beauftragen. Für Roche könnte das neue Gutachten enorme Folgen haben. Allein im vergan­genen Jahr setzte das Pharmaunternehmen mit dem Antikörper weltweit rund 4,2 Milliarden Euro um.

 

Roche weist Vorwürfe zurück

 

Roche wies die Vorwürfe zurück: Avastin sei mit mehr als 40 000 Patienten in klinischen Studien das weltweit am intensivsten untersuchte Krebsmedikament, fast 1000 Studien seien durchgeführt worden. Bisher seien mehr als eine dreiviertel Million Patienten mit Avastin behandelt worden und überall würden die Kosten von Krankenkassen übernommen. In den vergangenen fünf Jahren habe es die Überlebensvorteile bei einer Vielzahl von Tumorarten unter Beweis gestellt, erklärte ein Sprecher des Baseler Konzerns. Und in allen vier zugelassenen Indikationen sei Avastin die mit der höchsten Evidenz belegte Substanz. /

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