Pharmazeutische Zeitung online
Uni Mainz

Absolventen feierlich verabschiedet

03.05.2010  12:45 Uhr

Von Marion Eberlin, Mainz / Ende April nahmen 29 frischgebackene Pharmazeuten ihre Zeugnisse im Rahmen einer traditionellen akademischen Abschlussfeier an der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, entgegen. Elf der Absolventen schlossen ihr Studium mit der Note »sehr gut« ab.

Zum Auftakt begrüßte Professor Dr. Gerd Dannhardt, Universitätsprofessor für das Fach Pharmazeutische Chemie des Instituts für Pharmazie und Biochemie, die Absolventen und deren Eltern, Angehörige, Lebenspartner sowie Freunde und gratulierte ihnen zum Abschluss des Studiums. Mit dem bestandenen Prüfungsabschnitt seien die Absolventen zu Arzneimittelfachleuten herangereift. Als solche forderte er sie auf, sich insbesondere auch um wichtige Fragestellungen in der Gesellschaft zu bemühen und berichtete, dass aktuell etwa 171 Milliarden Euro für das Gesundheitssystem ausgegeben werden. Davon entfielen jedoch nur circa 6,7 Milliarden Euro auf innovative, patentgeschützte Arzneimittel. Dannhardt betonte, dass die Gesellschaft beides benötige, Originatoren und Generika und dass es keine Generika geben kann, ohne einen vorher entwickelten Originator. Im Jahre 2010 seien um die 30 neuen Medikamente, insbesondere für onkologische und das zentrale Nervensystem betreffende Indikationen zu erwarten. Abschließend bestärkte Dannhardt die Absolventen in ihrer Aufgabe, einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung und zur Arzneimitteltherapiesicherheit zu bringen.

 

Im Anschluss überbrachte Pharmazierat Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, seine Grußworte an die Examinierten und beglückwünschte sie ebenfalls zu ihrer bestandenen Prüfung. Er wies sie darauf hin, dass es nicht die letzte Prüfung gewesen sei, die sie durchgestanden haben, denn Aus-, Fort- und Weiterbildungen würden auch in Zukunft dazu beitragen das pharmazeutische Wissen ständig zu erweitern und den Transfer des Erlernten in den Alltag zu erleichtern. Der Patient rücke verstärkt in den Mittelpunkt und benötige den fachlichen Rat des Apothekers. Zudem müsse auch mit den Ärzten in einen heilberuflichen Dialog getreten werden. Abschließend wünschte Kiefer den Apothekern in spe viel Glück bei ihren Entscheidungen für den weiteren Lebens- und Berufsweg.

Nach Kiefer richtete Heike Schückes, Leiterin des Landesprüfungsamtes für Studierende der Medizin und Pharmazie in Rheinland-Pfalz, Grußworte an die Anwesenden. Die universitäre Ausbildung nehme eine Schlüsselrolle im Leben ein. Sie ermutigte die Examinierten, trotz alltäglicher Anforderungen und wenig Zeit, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich als Arzneimittelspezialist zu behaupten. Besonders mit seiner Beratungstätigkeit, vor allem in der Selbstmedikation, könne der Apotheker glänzen. Schückes bescheinigte den angehenden Apothekern sehr gute Berufsaussichten, wünschte allen einen guten Start ins Berufsleben und brachte zum Ausdruck, dass viele an die guten Jahre an der Johannes-Gutenberg-Universität zurückdenken werden.

 

Grünes Gold aus Südamerika

 

Den Höhepunkt der akademischen Abschlussfeier bildete der Festvortrag von Professor Dr. Franz Bracher, Professor am Department Pharmazie des Zentrums für Pharmaforschung der Ludwig Maximilians-Universität München, mit dem Titel »(Arzn)Ei des Kolumbus – Südamerikanische Heilpflanzen im Spannungsfeld zwischen Wirkstoffsuche und Biopiraterie«. Nach der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 durch Kolumbus wurden viele Kulturpflanzen, etwa die Kartoffel, die Tomate, der Tabak und die Baumwolle, sowie wertvolle Heilpflanzen, wie die Ipecacuanhawurzel, die Chinarinde oder Jaborandi-Blätter aus Mittel- und Südamerika eingeführt. Bracher ging im Laufe seines Vortrages auf viele Heilpflanzen aus Mittel- und Südamerika ein und beschrieb jeweils die wirksamen Bestandteile und die Wirkung sowie die Indikationen bei den Naturvölkern und in der heutigen Zeit. Ipecacuanha wurde zum Beispiel als Dover’sches Pulver in der Kombination mit Opium und Brechweinstein als Antidot wegen seiner brechreizauslösenden Wirkung eingesetzt. Der Inhaltsstoff Pilocarpin der Jaborandi-Blätter wird heutzutage noch als Parasympathomimetikum in der Glaukombehandlung eingesetzt und das Muskelrelaxans Alcuroniumchlorid konnte partialsynthetisch aus der wirksamen Komponente ­C-Toxiferin von Curare gewonnen werden. Allein Costa Rica ist eine Schatzkiste, die mit mehr Tier- und Pflanzenarten aufwarten kann, als USA und Europa zusammen.

 

Im Folgenden stellte Bracher noch eigene Arbeiten mit Inhaltsstoffen verschiedener Heilpflanzen der Familie der Annonaceae vor und machte auf das Problem der Biopiraterie aufmerksam. Erst 1993 wurde der Gedanke, die Biodiversität zu erhalten und dies als globale Herausforderung zu sehen im »Rio-Abkommen« niedergeschrieben. Bracher warnte vor unseriösen Angeboten im Internet und zeigte die Wichtigkeit auf, das Abholzen des Regenwaldes zu stoppen.

 

Nach der Vergabe der Zeugnisse und Buchpreise für herausragende Leistungen, richtete ein Vertreter der Fachschaft seine Glückwünsche an die Absolventen und dankte besonders Xuan Mai Bach für das Engagement als »Allrounder« in der ­Studentenvertretung. / 

Mehr von Avoxa