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Vorhofflimmern

Neue Studie entlastet Digoxin

23.04.2013  12:48 Uhr

Von Annette Mende / Patienten mit Vorhofflimmern, die gegen diese Herzrhythmusstörung Digoxin einnehmen, haben kein erhöhtes Sterberisiko. Dieses Ergebnis einer aktuell im »European Heart Journal« erschienenen Studie (doi: 10.1093/eurheartj/eht120) widerspricht dem Resultat einer kürzlich in derselben Fachzeitschrift publizierten Untersuchung.

Diese hatte einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Digoxin und einem Anstieg der Mortalität gefunden (doi: 10.1093/eurheartj/ehs348). Das Besondere daran: Beiden Untersuchungen liegen dieselben Daten zugrunde, nämlich die der AFFIRM-Studie aus dem Jahr 2002. Darin waren mehr als 4000 Patienten mit Vorhofflimmern insgesamt 3,4 Jahre lang begleitet worden.

Im September 2012 kamen Forscher um Dr. Claude Elayi von der University of Kentucky nach Auswertung der AFFIRM-Daten zu dem Schluss, dass Digoxin bei Patienten mit Vorhofflimmern das Sterberisiko um gut 40 Prozent erhöht (Hazard Ratio 1,41). Ihr Ergebnis schätzten sie als so bedeutend ein, dass sie den weitverbreiteten Einsatz von Digoxin bei Patienten mit Vorhofflimmern infrage stellten.

 

Die Autoren der aktuellen Studie um Dr. Ali Ahmed von der University of Alabama at Birmingham sehen das völlig anders. Sie befürchteten, dass die Ergebnisse von Elayis Team dazu führen könnten, dass vor allem älteren Patienten mit Vorhofflimmern eine wirksame Therapie vorenthalten wird. Sie nahmen sich die AFFIRM-Daten erneut vor. Dabei verfolgten sie einen anderen Ansatz als ihre Kollegen: Um Verzerrungen durch Komorbi­ditäten und andere Faktoren möglichst vollständig auszuschließen, bildeten sie 878 Patienten-Paare, die sich untereinander einzig darin unterschieden, dass der eine Digoxin einnahm und der andere nicht. 59 andere Eigenschaften, darunter Alter, Geschlecht, Hautfarbe und vor allem Herzinsuffizienz waren bei beiden Patienten eines Paares identisch.

 

Die Auswertung ergab, dass während der knapp dreieinhalbjährigen Beobachtungszeit 13 Prozent der Patienten, die kein Digoxin einnahmen, starben. Von denen unter Digoxin starben 14 Prozent. Dieser Unterschied ist statistisch nicht signifikant und bedeutet also keine erhöhte Mortalität durch Digoxin.

 

Die Autoren der ersten Studie haben die Digoxin-assoziierte Morta­lität anscheinend falsch eingeschätzt, weil die Daten, die sie ihrer Analyse zugrunde legten, die Wirklichkeit nicht richtig abbildeten, folgern Ahmed und Kollegen. Denn beim Vergleich zwischen denjenigen, die Digoxin einnehmen, mit denen, die es nicht verwenden, müssten die Komorbiditäten der Patienten unbedingt berücksichtigt werden. Ansonsten selektiere man in der Gruppe der Digoxin-Anwender ungewollt die kränkeren Patienten. /

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