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Honorierung

Union macht vage Hoffnung

24.04.2012  18:21 Uhr

Von Daniel Rücker, Bautzen / Seit dem Deutschen Apothekertag in Düsseldorf liegen die Forderungen der Apotheker zu ihrer Vergütung auf dem Tisch. Die Politik gibt sich bislang zurückhaltend. Ein wenig Hoffnung machten vergangene Woche zwei CDU-Gesundheitspolitiker.

Niemand hatte erwartet, dass die ABDA bei der Bundesregierung offene Türen einrennt, als sie auf dem Deutschen Apothekertag in Düsseldorf eine Anpassung der Vergütung für die Apotheker forderte. Dass es aber nach acht Jahren Stillstand in der Honorierung so zäh werden würde, Verständnis bei der Bundesregierung zu erreichen, enttäuschte die Apotheker dennoch. Eine Zusage, das Problem anzugehen, gibt es bislang nicht. Aus dem Bundesgesundheitsministerium gibt es bislang keinerlei offizielle Stellungnahme zu der Forderung der Apotheker.

 

In den vergangenen Tagen haben immerhin Politiker aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Verständnis dafür geäußert, dass die Vergütung der Apotheker nicht bis in alle Ewigkeit auf dem Niveau von 2004 bleiben kann. Bei zwei Podiumsdiskussionen in Münster und Bautzen machten die Bundestagsabgeordneten Maria Michalk und Jens Spahn den Apothekern vage Hoffnung. Michalk sagte bei einer Podiumsdiskussion während des Sächsischen Apothekertages am 21. April in Bautzen, sie könne sich vorstellen, dass sich das Anliegen der Apothekerschaft im nächsten Entwurf zum Arzneimittelrechts-Änderungsgesetz wiederfinden werde. Sie rechne in dieser Angelegenheit mit einem Vorschlag aus dem Bundesgesundheitsministerium. Das Anliegen der Apotheker sei nachvollziehbar. Sollte das Ministerium keinen Vorschlag für die Anpassung der Vergütung machen, könne es theoretisch auch einen Entwurf »aus der Mitte des Parlaments« geben. Ob ihre Fraktion zu diesem Schritt bereit wäre, ließ Michalk allerdings offen.

 

Warnung an Apotheker

 

Ähnlich wie seine sächsische Kollegin hatte sich wenige Tage zuvor der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn bei einer Podiumsdiskussion in Münster geäußert. Über die Höhe einer möglichen Anpassung schwieg sich Spahn genauso wie Michalk aus. Der Unionspolitiker riet den Apothekern zu Zurückhaltung.

 

Die haben dagegen für das zurückhaltende Taktieren der Bundesregierung immer weniger Verständnis. Beim Apothekertag in Bautzen machten die Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes, Monika Koch, und der Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer, ABDA-Vizepräsident Friedemann Schmidt, deutlich, die Geduld der Apotheker sei am Ende. Die beiden bezeichneten es als indiskutabel, dass die Apotheken ihrem öffentliche Auftrag der flächendeckenden Arzneimittelversorgung nur noch nachkommen könnten, wenn sie diese über den Verkauf anderer Apothekenprodukte querfinanzierten. Besonders enttäuschend sei das beharrliche Schweigen des Bundesgesundheitsministers. Die Arbeit der Apotheker werde nicht ausreichend anerkannt.

 

Die ABDA fordert von der Politik eine Anpassung der Vergütung in verschiedenen Bereichen. Zum einen soll die packungsabhängige Vergütung auf 9,14 Euro steigen. Gleichzeitig sollen Nacht- und Notdienst, Rezepturen und die Belieferung von BtM-Rezepten kostendeckend honoriert werden. Insgesamt ergibt sich so eine Honorarsteigerung von 624 Millionen Euro jährlich.

 

Beim Nacht- und Notdienst stünden die Chancen am besten, sagte Koch. Hier gebe es Zeichen, dass die Vergütung dem Aufwand angepasst werden könnte. Eine Erhöhung der Notdienstgebühren würde allerdings nur einen kleineren Teil der ABDA-Forderung abdecken. Für einen kostendeckenden Notdienst benötigten die Apotheker 192 Millionen Euro pro Jahr. Das wäre weniger als ein Drittel der notwendigen Honoraranpassung. Und selbst diese unzureichende Erhöhung ist noch nicht sicher.

 

Zahlen werden anerkannt

 

Erfreulich für die Apotheker ist der Meinungswandel in der Bundesregierung über die Wertigkeit der Zahlen der Treuhand Hannover. Diese werden nun als zuverlässig anerkannt. Für Koch ist das eine wichtige Entwicklung. Bislang hatten Union und FDP auf Zeit gespielt und den Apothekern vorgehalten, sie hätten keine eindeutigen Zahlen zur wirtschaftlichen Situation der Apotheker. Das hat sich nun geändert.

 

Für die Apotheker ist es wichtig, dass die Anpassung der Vergütung ins Arzneimitteländerungsgesetz aufgenommen werde. Bis nach der Bundestagswahl können sie nicht mehr warten. Das sah auch Koch in Bautzen so: »Für viele Kolleginnen und Kollegen ist es zu spät, wenn sich die Parteien erst in ihren Wahlprogrammen mit unserer Vergütung beschäftigten.« Wie richtig diese Aussage ist, belegen die aktuellen Zahlen der Treuhand Hannover und der Wirtschaftsbericht der ABDA (lesen Sie dazu Wirtschaftsbericht 2011: Teilhabe statt Abkopplung). /

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