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Ärzteverteilung

Kassen wollen Praxis-Lizenzen befristen

26.04.2011
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PZ / Den Krankenkassen gehen die Pläne von Schwarz-Gelb für das Versorgungsgesetz nicht weit genug. Sie haben eigene Eckpunkte vorgelegt, um mehr Mediziner für ländliche Regionen zu gewinnen. Mit befristeten Praxis-Zulassungen und Honorarkürzungen wollen sie die Überversorgung in Städten abbauen.

Nach dem Willen der Krankenkassen dürfen Mediziner ihre Zulassung als Kassenarzt künftig nicht mehr verkaufen oder vererben. Stattdessen sollen die Lizenzen am Ende des Beruflebens automatisch verfallen, fordert der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in einem Eckpunktepapier. Auf diese Weise wollen die Kassen die Zahl der Ärzte in Städten schrittweise reduzieren. Gleichzeitig sollen Mediziner in überversorgten Gebieten Honorarkürzungen hinnehmen müssen. Auch damit wollen die Krankenkassen Ärzte dazu bringen, sich in Mangelregionen niederzulassen.

 

Die Pläne der Koalition verpuffen

 

Nach Ansicht der Krankenkassen gibt es in Deutschland keinen Mangel an Medizinern, sondern lediglich ein Verteilungsproblem. Union und FDP haben bereits Eckpunkte für ein Versorgungsgesetz vorgelegt. Damit will die Koalition junge Ärzte über Zuschläge und bessere Arbeitskonditionen aufs Land locken. Diese Pläne gehen den Kassen aber nicht weit genug. »Alle Anstrengungen der schwarz-gelben Koalition, mehr Landärzte zu gewinnen, verpuffen völlig wirkungslos, wenn das Problem der Überversorgung nicht angegangen wird«, sagte der Vize-Chef der GKV-Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, in der »Berliner Zeitung«. Das geplante Versorgungsgesetz könnte demnach auch zu höheren Ausgaben führen. »Die teure Überversorgung wird auf Kosten der Beitragszahler zementiert und die Versicherten allein müssen die höheren Kosten am Ende über Zusatzbeiträge bezahlen«, so von Stackelberg.

 

Derzeit können Ärzte die Lizenz, mit den Kassen abzurechnen, vererben oder verkaufen. Einige Mediziner haben diese Einnahmen bereits in die Altersversorgung eingeplant. Ein Verkaufsverbot soll nach Angaben der Kassen daher nicht für bereits bestehende Zulassungen gelten, sondern nur für Mediziner, die nach einer entsprechenden Gesetzesänderung neu als Kassenarzt einsteigen wollen. In den Plänen der Koalition für das Versorgungsgesetz ist bislang lediglich vorgesehen, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen Arzt-Zulassungen leichter zurückkaufen können als heute.

 

Daneben fordert der Spitzenverband der Krankenkasen auch eine bessere Vernetzung von Praxisärzten und Krankenhäusern. Eine Versorgungsplanung sollte demnach Hausärzte, Fachärzte und ambulante Operationen in Krankenhäusern gleichermaßen umfassen. Außerdem wollen die Krankenkassen die Möglichkeit zu Direktverträgen mit Krankenhäusern für planbare Diagnosen und Behandlungen. / 

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