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Körpereigener HIV-Hemmer entdeckt

24.04.2007
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Körpereigener HIV-Hemmer entdeckt

Von Daniela Biermann

 

Ein Protein im menschlichen Blut kann den Eintritt von HI-Viren in Körperzellen verhindern. Deutsche Forscher entdeckten das Virus-Inhibitorische Peptid (VIRIP) bei der Suche nach neuen Wirkstoffen gegen HIV. Es hat einen ähnlichen Wirkmechanismus wie der Fusionsinhibitor Enfuvirtid.

 

Schon seit Längerem war bekannt, dass menschliches Blut Substanzen enthält, die die Vermehrung von HIV beeinflussen. Daher untersuchten Forscher der Universität Ulm und der Medizinischen Hochschule Hannover 10.000 Liter Hämofiltrat von Dialysepatienten. Aus diesen konnten sie in einem groß angelegten Screening HIV-wirksame Peptide isolieren. Als besonders wirksam gegen verschiedene Stämme des HIV-1-Erregers und nichttoxisch in der Zellkultur erwies sich das aus 20 Aminosäuren bestehende Peptid VIRIP (Virus-Inhibitorisches Peptid), wie die Wissenschaftler um Frank Kirchhoff und Wolf-Georg Forssmann im Fachjournal »Cell« (Band 129, Seite 263 bis 275) berichten. VIRIP bindet an eine hochkonservierte Sequenz im viralen Hüllprotein, das gp41 Fusionspeptid. Ähnlich dem Wirkmechanismus des ersten zugelassenen Fusionshemmers Enfuvirtid verhindert die Blockade des Hüllproteins, dass das HI-Virus sich an der Wirtszelle verankert und mit ihr verschmilzt. Somit kann das Virus nicht in die Zelle eindringen und sich nicht weiter vermehren.

 

VIRIP ist gegen eine Reihe von HIV-1-Stämmen aktiv, sogar gegen solche, die anderen Medikamenten gegenüber unempfindlich geworden sind. In Bezug auf VIRIP wird eine Resistenzbildung erschwert sein, denn Veränderungen der Bindungsregion toleriert das Virus kaum, so die Wissenschaftler. Dagegen ist die Aminosäuresequenz von VIRIP variabel, sodass Kirchhoff und seine Kollegen durch gezielte Modifizierung Varianten fanden, die etwa 100-fach aktiver als das ursprüngliche Peptid sind.

 

»Unsere Daten legen nahe, dass VIRIP zur Kontrolle der HIV-1-Replikation in infizierten Menschen beitragen könnte und dass dessen Derivate höchst geeignet für die Entwicklung einer neuen Klasse von HIV-1-Inhibitoren sind, die auf das hochkonservierte gp41-Fusionsprotein zielen«, fassen die Forscher ihre Ergebnisse zusammen.

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