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Eierstockkrebs

Erste Erfolge mit neuem Duo

18.04.2018
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Die Kombination aus einem PARP-Hemmer und einem Checkpoint-Inhibitor könnte eine neue Option für Frauen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom bieten. Vorteil: Die Therapieprotokolle kommen ohne Zytostatika aus.

 

Die PARP-Inhibitoren Olaparib (Lynparza®) und Niraparib (Zejula®) sind in Deutschland bereits im Handel. Rucaparib (Rubraca®) wird wohl in Kürze folgen. Das Kürzel PARP steht für Poly-(ADP-Ribose)-Polymerase. Diese Enzyme tragen zur DNA-Reparatur von Zellen bei. Die Enzymhemmung und eine vermehrte Bildung von PARP-DNA-Komplexen führen letztlich zu DNA-Schäden, Apoptose und Zelltod. Während Olaparib nur bei Nachweis von Mutationen in den Breast Cancer (BRCA)-1- und -2-Genen eingesetzt werden darf, sind Niraparib und Rucaparib unabhängig vom BRCA-Mutationsstatus wirksam.

 

»In Studien werden derzeit verschiedene Kombinationen von PARP-Hemmern, zum Beispiel mit Angiogenese-Hemmstoffen wie Bevacizumab oder mit Immuntherapeutika wie Durvalumab oder Pembrolizumab, geprüft«, sagte Privatdozent Dr. Fabian Trillsch von der Universitätsfrauenklinik München auf einem Presseworkshop in München. Bei Patienten mit nicht kleinzelligem Bronchialkarzinom oder mit Melanom werden solche Kombinationen bereits mit Erfolg erprobt.

 

Trillsch zeigte erste Daten aus der Phase-II-Basket-Studie MEDIOLA, die kürzlich bei einem Fachkongress in New Orleans, Louisiana, vorgestellt worden waren. Einbezogen waren auch Frauen mit BRCA-mutiertem, Platin-sensitivem Ovarialkarzinom. Sie erhielten vier Wochen lang Olaparib peroral, dann wurde intravenös Durvalumab hinzugegeben. Das ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der sich gegen den Programmed Death-Liganden 1 (PD-L1) richtet.

 

Nach zwölf Wochen hatten 26 von 32 Frauen angesprochen, das heißt, sie waren in kompletter oder partieller ­Remission oder die Krankheit war stabil. »Das ist eine hohe Responserate bei relativ guter Verträglichkeit, aber wir wissen noch nicht, welche Patientin besonders von der Kombination profitiert«, resümierte der Gynäkologe. Etliche Frauen seien noch unter Therapie.

 

In der Phase-I/II-Studie TOPACIO wurden Frauen mit dreifach negativem Brustkrebs oder Platin-resistentem Eier­stockkrebs behandelt. Sie erhielten ­Niraparib peroral plus Pembrolizumab (Keytruda®) intravenös. Letzteres ist ein Immun-Checkpoint-Inhibitor, genauer ein PD-1-Inhibitor. Nach ersten Ergebnissen erzielten 15 von 60 Frauen mit Ovarialkrebs (25 Prozent) eine komplette oder partielle Remission. Insgesamt war die Krankheit bei 68 Prozent unter Kon­trolle. »Das ist extrem gut für diese schwierig zu behandelnde Gruppe«, sagte Trillsch. Zu beachten seien Nebenwirkungen wie Anämie und Thrombozytopenie, aber auch Fatigue, Übelkeit und Verstopfung. Auch hier seien noch viele Frauen unter Therapie.

 

Auch wenn die Studiengruppen klein und alle Ergebnisse »noch sehr vorläufig« sind: Die Kombination aus PARP-Hemmer und Checkpoint-Inhibitor sei viel versprechend, da die Stoffe synergistisch zu wirken scheinen. Trillsch zufolge könnten sie eine Chemotherapie-freie Option für Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs bieten. /

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