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Gratis-Verhütung für Einkommensschwache

19.04.2017  10:32 Uhr

Von Anna Pannen / Frauen mit geringem Einkommen müssen Verhütungsmittel in bestimmten Fällen nicht mehr selbst bezahlen. Das macht ein Modellprojekt von Pro Familia möglich. Es läuft seit Anfang Januar 2017 an insgesamt sieben Modell-Standorten in Deutschland und wird durch das Bundesfamilien­ministerium gefördert.

 

Das Projekt Biko (Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung) soll Frauen mit wenig Geld einen niedrigschwelligen Zugang zu verschreibungspflichtigen, sicheren und gut verträglichen Verhütungsmitteln ermöglichen.

Es läuft bislang in Erfurt, Halle (Saale), Lübeck, Ludwigsfelde (Landkreis Teltow-Fläming), Recklinghausen (Marl und Gladbeck), Saarbrücken und Wilhelmshaven (Landkreis Friesland). Teilnehmen können Frauen ab 20 Jahren, die nachweisen, dass sie Sozialleistungen beziehen oder ein vergleichbar geringes Einkommen zur Verfügung haben.

 

Sie erhalten ein Schreiben von Pro Familia, aus dem hervorgeht, dass die Beratungsstelle die Kosten für ihr Verhütungsmittel übernimmt. Apotheker und Gynäkologen werden darin gebeten, für Pille, Spirale und Co. in Vorleistung zu gehen und die Rechnung an Pro Familia zu schicken. »Die Teilnahme ist für Apotheker und Ärzte freiwillig«, sagt Alexandra Ommert, die das Projekt beim Pro-Familia-Bundesverband leitet. »Uns ist bewusst, dass das Rechnungschreiben einen Mehraufwand für sie bedeutet. Viele Frauen können es sich jedoch nicht leisten, das Geld auszulegen.« Anfang des Jahres habe man Apotheken und Frauenarztpraxen in den teilnehmenden Regionen bereits angeschrieben, das Projekt geschildert und darum gebeten, es zu unterstützen.

 

Große Akzeptanz

 

Inzwischen ist Biko gut angelaufen. Sie habe noch keine Zahlen dazu, wie viele Offizinen mitmachen, erzählt Ommert. »Uns wurde aber eine große Akzeptanz durch die Apotheken zurückgemeldet.« Mit vielen von ihnen habe Pro Familia auch schon in vorhergehenden Projekten auf lokaler Ebene erfolgreich zusammengearbeitet. Nun will Pro Familia das Projekt noch einmal einem größeren Publikum bekannt machen, Flyer verteilen und auch an Apotheken versenden. Biko läuft noch bis Juni 2019. /

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