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OTC-Gipfel

Frauengesundheit im Fokus

Beim diesjährigen OTC-Gipfel des Apothekerverbands Nordrhein am 7. November in Düsseldorf hat eine Expertenrunde über die Belange der Frauengesundheit debattiert. Im Zentrum der Diskussion, die Marija Bakker vom Westdeutschen Rundfunk (WDR 5) moderierte, stand die Frage, was die Apotheke in der Selbstmedikation leisten kann.
Caroline Wendt
11.11.2019
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Es gibt keine standardisierte Definition, die den Begriff der Frauengesundheit umfassend beschreibt. Themen wie Verhütung, Kinderwunsch und Schwangerschaft sind nur für etwa 50 Prozent der Lebenszeit einer erwachsenen Frau von Bedeutung. »Ab einem Alter von 50 Jahren treten andere Belange in den Vordergrund«, erklärte Lorena Dini, Ärztin am Institut für Allgemeinmedizin der Charité Universitätsmedizin  Berlin, bei ihrem Impulsreferat. Daher hat sie eine eigene Definition für Frauengesundheit: »Es bedeutet körperliche, emotionale und mentale Gesundheit und Wohlbefinden in jedem Alter, für eine Teilnahme an allen Gebieten des Lebens.«

Mit Verweis auf Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) machte Dini deutlich, dass Frauen in der Selbstmedikation mehr Medikamente einnehmen als Männern, insgesamt weniger bei niedrigerem Bildungsstatus und geringem Einkommen und mit dem Alter eher abnehme. Die Tendenz, dass Frauen mit höherem Einkommen mehr für ihre Gesundheit ausgeben, sei nicht neu. Daraus hätten sich jedoch noch keine Konsequenzen ergeben, kritisierte Barbara Steffens, ehemalige Grünen-Politikerin und heutige Leiterin der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen bei der Techniker Krankenkasse.

Welchen Beitrag können aber nun die Apotheken beim Thema Frauengesundheit leisten. Dini hob deren Bedeutung als niedrigschwelliger Zugangspunkt zum Gesundheitssystem hervor. Auch könnte der Pharmazeut Patienten zur Konsultation ärztlicher oder anderen Gesundheitsprofessionen anregen. Sie bezeichnete die Apotheke als »Point of care«, die eine wichtige Rolle in der Vernetzung von Gesundheitsprofessionen spielt. Das ist auch mit Blick auf Präventionsmaßnahmen ein Vorteil. Viele Frauen über 50 erachteten diese als nicht mehr so wichtig und gingen seltener zum Gynäkologen, sagte Gabriele Stöcker, Sprecherin des medizinischen Arbeitskreises pro familia Landesverband NRW. In anderen Altersgruppen hätten die Apotheken  in puncto Frauengesundheit bereits wichtige Beratungsaufgaben übernommen, wie bei der Abgabe der »Pille danach«.

Die von Dini gewünschte Kooperation zwischen den verschiedenen Professionen finde hingegen im Kleinen bereits statt, berichtete Doris Schönwald, Apothekerin und stellvertretende Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein. Doch sei diese meist auf die Eigeninitiative Einzelner zurückzuführen. »Wir müssen hier strukturierter werden und auch auf Verbandsebene Dinge in Angriff nehmen«, so Schönwald.

Die Entwicklung von sogenannten Ü-Heften, zum Beispiel Ü-50 Jahre, könnte Frauen künftig zu regelmäßigen Maßnahmen anhalten — so die Bilanz der Diskutanten. Die Apotheken könnten bei der Information darüber eine wichtige Schlüsselrolle einnehmen. Insbesondere in ländlichen Gebieten mit oft schlechter digitaler Infrastruktur sei es außerdem denkbar, dass eine telemedizinische Beratung mit einem Arzt oder Facharzt auch in den Apothekenräumen stattfinden könnte. 

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