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Hautkrebs

Ein vermeidbares Problem

12.04.2011
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Von Sonja Verena Kauffmann, Berlin / Früherkennung ist der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Therapie von Hautkrebs. Ein Großteil der Erkrankungen könnte jedoch durch entsprechende Präventionsmaßnahmen von vorneherein vermieden werden – vor allem die korrekte Anwendung von Sonnenschutzmitteln ist dabei entscheidend.

Hautkrebs ist, mit circa 240 000 Neuerkrankungen pro Jahr allein in Deutschland, mittlerweile zur häufigsten Krebsart der weißen Weltbevölkerung geworden. Schuld sei der falsche Umgang mit der Sonne, erklärte Professor Dr. Eggert Stockfleth, Leiter der Europäischen Hautkrebsstiftung (ESCF), auf einer Pressekonferenz der Organisation in Berlin. Gerade im Frühjahr unterschätzen viele Menschen die Sonnenintensität und schützen sich dementsprechend nicht ausreichend. Dabei sei die Ozonschicht im Monat April um etwa 30 Prozent dünner, weshalb die Sonnenbelastung der im Monat August entspreche. »Früher und guter Sonnenschutz ist deshalb unabdingbar«, betonte Stockfleth.

Generell werden zwei Hautkrebstypen unterschieden: Das Melanom, oder der »schwarze Hautkrebs«, und der »helle Hautkrebs«, zu dem Plattenepithel- und Basalzellkarzinome zählen. Die Aktinische Keratose gilt als Vorstufe des hellen Hautkrebses.

 

Hauptrisikofaktor für ein späteres Erkranken an Hautkrebs sind häufige Sonnenbrände. Besonders im Kindesalter erhöhe Sonnenbrand das spätere Hautkrebsrisiko enorm, weshalb bei jungen Menschen noch stärker auf ausreichenden Schutz geachtet werden müsse, so Stockfleth. Entscheidend sei jedoch auch der Hauttyp: Während Typ I mit sehr heller Haut und blonden oder rötlichen Haaren sich höchstens zehn Minuten ungeschützt in der Sonne aufhalten sollte, kann Typ IV mit getönter Haut und braunen bis schwarzen Haaren sich 30 bis 40 Minuten der Strahlung aussetzen, ohne Schäden zu erleiden. »Die Haut ist wie ein UV-Konto, auf das man einzahlen, aber von dem man nicht mehr abheben kann«, veranschaulichte Stockfleth. »Je nach Hauttyp ist das Konto schneller voll, und dann beginnt das Hautkrebsrisiko.«

 

Diagnose und Therapie

 

Zum Thema Diagnose betonte Stockfleth: »Gehen Sie zum Hautarzt! Ein früh erkanntes Melanom ist zu 100 Prozent heilbar, ein fortgeschrittenes jedoch nur zu 30 Prozent.« Während früher immer eine Gewebeprobe entnommen werden musste, ist mittlerweile auch eine nicht-invasive Abklärung mittels konfokaler Lasermikroskopie möglich. Narbenbildungen bei der Hautkrebsdiagnostik sind so vermeidbar.

 

Basistherapie bei Melanomen sei immer noch die Operation, so Stockfleth. Neuerungen gebe es jedoch bei der Therapie der Aktinischen Keratose, bei deren großflächigem Auftreten meist keine operative Entfernung möglich sei. Diese könne besser mit Crèmes oder Gelen behandelt werden, wobei man bei den neueren Präparaten schon mit einer Behandlungsdauer von zwei bis drei Tagen auskomme. Hier gelte: »In der Fläche behandeln und so früh wie möglich.«

 

Primärprävention: Schutz

 

Das beste Mittel gegen Hautkrebs ist der Schutz vor schädlicher Strahlung: UVB-Strahlen verursachen DNA-Schäden und Sonnenbrand, während UVA-Strahlen eine Immunsuppression bewirken. Beide Strahlungsarten sind für die Bildung freier Radikale und letztlich für die Hautalterung und ein erhöhtes Krebsrisiko verantwortlich. Schutz sollte in erster Linie durch die Vermeidung von direkter Sonneneinstrahlung, besonders zwischen 11 und 15 Uhr, erfolgen. Sekundäre Maßnahmen sind das Tragen flächendeckender Kleidung mit Kopfbedeckung und natürlich die Anwendung von Sonnenschutzmitteln.

Wie Professor Dr. Christian Surber von der Universität Basel berichtete, bezieht sich der auf Sonnenschutzprodukten angegebene Lichtschutzfaktor (sun protection factor, SPF) nur auf UVB-Strahlung und bezeichnet den Faktor, um den das Produkt die Eigenschutzzeit der Haut verlängert. Somit ist auch dieser vom Hauttyp abhängig: Beispielsweise verlängert ein SPF von 25 bei einem hellen Hauttyp die Aufenthaltszeit in der Sonne von 10 auf 250 Minuten, bei einem dunklen Hauttyp dagegen von 30 auf 750 Minuten. Auf einem guten Sonnenschutzmittel sollte jedoch auch ein UVA-Schutz vermerkt sein. Voraussetzung hierfür ist, dass der Schutz vor UVA-Strahlung mindestens einem Drittel des Schutzes vor UVB-Strahlung entspricht, erklärte Surber.

 

Richtige Anwendung entscheidend

 

Obwohl es bezüglich der Strahlenreduktion den Tatsachen entspreche, dass Sonnenschutzmittel mit sehr hohem Schutz (SPF 50+) gegenüber solchen mit hohem Schutz (SPF 30-50) nur wenig Mehrleistung bringen, können erstere die Menge der in die Haut eindringenden Photonen halbieren, so Surber. Dies entspreche wiederum einer Verdoppelung der Schutzleistung. Als Faustregel gelte deshalb, höherer Schutz für hellere Hauttypen.

 

Neben der Wahl des richtigen SPF sei außerdem die richtige Dosierung bei Sonnenschutzmitteln entscheidend, ergänzte Dr. Claas Ulrich von der Charité Berlin. Studien zufolge tragen die meisten Menschen nur etwa ein Viertel der eigentlich notwendigen Menge von 2 mg pro Quadratzentimeter Körperoberfläche auf, zudem reduziere sich die aufgetragene Menge mit steigendem Lichtschutzfaktor. Ulrich empfiehlt deshalb Sonnenschutzmittel mit Dosierdispenser: Auf diesen sei genau vermerkt, wie viele »Hübe« für welches Körperareal aufzutragen sind. Eine Untersuchung mit 25 Probanden bestätigte, dass Lichtschutzmittel auf diese Weise flächig und homogen aufgetragen werden.

 

Da die Heilungschancen des Hautkrebses, vor allem die des malignen Melanoms, mit fortschreitendem Stadium sinken, ist Früherkennung extrem wichtig. Deutschland ist das bisher einzige Land, in dem das Hautkrebsscreening als Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen anerkannt wird: Seit 2008 sind alle Personen ab 35 Jahren zu einer Untersuchung in jedem zweiten Jahr berechtigt. Mittlerweile haben circa 13 Millionen Versicherte das Angebot in Anspruch genommen – mit überwiegend positiver Resonanz. 93 Prozent der Teilnehmer einer Forsa-Umfrage gaben an, dass sie die Vorsorgeuntersuchung für sinnvoll halten. /

Quelle:

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Pressekonferenz »Gute Sonne – böse Sonne?! Neuheiten zum Schutz vor Hautkrebs«, von der Europäischen Hautkrebsstiftung (ESCF), Berlin.

 

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