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Neuer Antikörper bei Psoriasis

05.04.2017
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Von Daniela Hüttemann / Im März ist mit Ixekizumab ein weiterer Antikörper zur Psoriasis-Behandlung auf den Markt gekommen. Er hemmt wie das 2015 eingeführte Secukinumab den proinflamma­torischen Botenstoff Interleukin-17A.

In Deutschland sind rund zwei Millionen Menschen von Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) betroffen, davon 400 000 mit einer mittelschweren bis schweren Form. Biologika haben die Therapie der Psoriasis in den vergangenen 15 Jahren revolutioniert. Doch geben derzeit noch rund 20 Prozent der Patienten an, mit ihrer Lebensqualität nicht zufrieden zu sein. Sie wünschen sich eine schnelle Verbesserung des Hautbilds, weniger Nebenwirkungen, Schmerzfreiheit und keinen Juckreiz. Hier setzen neue Immuntherapeutika an wie Secukinumab (Cosentyx®) und das seit Anfang März verfügbare Ixekizumab (Taltz® 80 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze beziehungsweise Fertigpen, Lilly).

 

Ixekizumab ist ein rekombinanter, humanisierter monoklonaler Antikörper. Er darf zur Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis angewendet werden, die für eine systemische Therapie infrage kommen. Der neue Wirkstoff hemmt wie das bereits seit 2015 zugelassene Secukinumab Interleukin-17A. Das Zytokin spielt eine wichtige Rolle bei der chronischen Entzündungsreaktion der Psoriasis. Taltz hat im Vergleich zu Cosentyx eine höhere Affinität zu IL-17A.

 

Subkutane Injektion

 

Das neue Präparat wird subkutan injiziert. Auf die erste Dosis mit 160 mg (zwei Injektionen) folgt eine Injektion mit 80 mg, die in den ersten zwölf Behandlungswochen alle 14 Tage und danach alle vier Wochen verabreicht wird. Die Patienten sollten die Injektionsstelle regelmäßig wechseln und dabei Hautbereiche meiden, die von der Psoriasis betroffen sind. Nach einer entsprechenden Schulung können sich die Patienten Taltz auch selbst spritzen. Sie sollten darauf hingewiesen werden, dass die Lösung nicht geschüttelt werden darf und im Kühlschrank aufbewahrt werden muss. Ungekühlt darf sie bis zu fünf Tage bei maximal 30 Grad Celsius gelagert werden.

 

Ixekizumab ist bei aktiven Infektionen, zum Beispiel Tuberkulose, kontraindiziert. Bei chronischen Infektionen sollte der Antikörper nur mit Vorsicht angewendet werden. Hintergrund ist, dass in Studien vermehrt Infektionen der oberen Atemwege, orale Candidosen und Bindehautentzündungen auftraten. Tritt unter der Behandlung eine Infektion auf, muss der Patient sorgfältig überwacht werden. Die Therapie ist abzubrechen, falls der Betreffende nicht auf eine Standardtherapie anspricht. Nach ausgeheilter Infektion soll Taltz nicht erneut angewendet werden.

 

Des Weiteren kam es unter dem Anti­körper zu teils schwerwiegenden Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Angioödem, ausgedehnter Urtikaria und Atemnot. In solchen Fällen soll die Behandlung sofort unterbrochen werden. Zudem wurden Fälle von Neuerkrankungen oder Exazerba­tionen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beobachtet. Bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen ist daher Vorsicht geboten. Ixekizumab sollte nicht zeitgleich mit Lebendimpfstoffen angewendet werden, da unklar ist, ob ein ausreichender Impfschutz erzielt werden kann.

 

Die Sicherheit des neuen Präparats in Kombination mit anderen Immunmodulatoren oder einer Phototherapie ist bislang nicht untersucht. Bekannt ist, dass im Verlauf von chronischen Entzündungen wie der Psoriasis infolge der vermehrten Zytokin-Ausschüttung die Bildung einiger CYP-Enzyme unterdrückt ist. Daher könnte eine entzündungshemmende Behandlung mit einem IL-17A-Inhibitor zu einer Normalisierung der CYP-Spiegel führen. Das sollte bei gleichzeitiger Behandlung mit Arzneistoffen, die über Cytochrom P450 verstoffwechselt werden und eine geringe therapeutische Breite haben, beachtet werden.

 

Sicherheitshalber sollte Ixekizumab nicht in der Schwangerschaft zum Einsatz kommen. Frauen im gebärfähigen Alter sollen während und für mindestens zehn Wochen nach der Behandlung eine zuverlässige Verhütungs­methode anwenden. Bei stillenden Frauen ist zu entscheiden, ob die Behandlung mit Taltz unterbrochen wird oder ob auf das Stillen verzichtet wird. Dabei sind der Nutzen des Stillens für das Kind und der Nutzen der Therapie für die Frau zu berücksichtigen.

 

Gutes Ansprechen in Studien

 

Die Zulassung basiert auf Daten der Phase-III-Studien UNCOVER-1, -2 und -3 mit mehr als 3800 Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis. In allen drei Studien erhielten die Patienten während der Induktionsphase randomisiert Placebo oder 80 mg Ixekizumab alle zwei oder alle vier Wochen nach einer Initialdosis von 160 mg. In der Erhaltungsphase erhielten die Studienteilnehmer 80 mg Ixekizumab alle vier Wochen. In den Studien UNCOVER-2 und -3 gab es zusätzlich eine Vergleichsgruppe, in der die Patienten zwölf Wochen lang zweimal wöchentlich mit 50 mg Etanercept behandelt wurden. Ab Woche 12 schloss sich an die UNCOVER-3-Studie eine Erhaltungsphase an, in der die Patienten bis einschließlich Woche 60 Ixekizumab in einer Dosierung von 80 mg alle vier Wochen erhielten.

 

Unter Ixekizumab erreichten etwa 90 Prozent der Patienten in den ersten zwölf Wochen eine Reduktion ihrer Symptome um 75 Prozent (PASI 75), etwa 70 Prozent eine nahezu erscheinungsfreie Haut (PASI 90) und rund 40 Prozent der Patienten eine völlig erscheinungsfreie Haut (PASI 100). Die Wirksamkeit wurde auch in der Erhaltungsphase über 60 Wochen mit Ixe­kizumab alle vier Wochen beibehalten. Mehr als 60 Prozent der mit Ixekizumab behandelten Patienten fühlten sich durch die chronische Erkrankung nicht mehr in ihrer Lebens­qualität beeinträchtigt.

 

Als häufigste unerwünschte Wirkungen traten Reaktionen an der Injektionsstelle und Infektionen der oberen Atemwege auf. Es wurden 1,3 schwerwiegende Infektionen pro 100 Patientenjahre beobachtet, sodass das Sicherheitsprofil als gut und vergleichbar mit Etanercept gilt. /

 

--> vorläufige Bewertung: Analogpräparat

Kommentar

Kein Schritt vorwärts

Die Erkenntnis, dass Interleukin 17A (IL-17A) eines der Schlüsselzytokine in der Pathogenese der Psoriasis ist, führte dazu, dass es als Target in den Fokus forschender Arzneimittelunternehmen rückte. Bereits 2015 kam mit Secukinumab (Cosentyx®) der erste gegen IL-17A-gerichtete Antikörper auf den deutschen Markt. Ixekizumab ist somit der zweite Vertreter dieser Antikörperklasse. In den Studien des UNCOVER-Programms stellte der Neuling bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis unter Beweis, dass er wirksam ist. Eine deutlich bessere Wirksamkeit als Secukinumab oder einen direkten Vergleich gibt es aber nicht. Zudem ist Secukinumab auch bei Psoriasis- Arthritis und Morbus Bechterew zugelassen, Ixekizumab bislang nur bei Plaque-Psoriasis. Der neue Antikörper ist somit vorerst bei den Analog­präparaten einzuordnen.

 

Sven Siebenand, stellvertretender Chefredakteur

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