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Arzneimittelfälschungen

Zoll wird immer öfter fündig

02.04.2013
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Von Anna Hohle / Der deutsche Zoll hat 2012 weit mehr gefälschte Arzneimittel beschlagnahmt als im Vorjahr. Das gab die Bundeszollverwaltung in ihrer Jahresstatistik bekannt. Der Hessische Apothekerverband warnte erneut vor Bestellungen bei unbekannten Anbietern.

Ende März hatte zunächst die Bundeszollverwaltung ihre Jahresbilanz bekannt gegeben. Demnach haben deutsche Zollbeamte 2012 insgesamt 321 000 gefälschte Arzneimittel mit einem Gesamtwert von 4,8 Millionen Euro sichergestellt. 2011 hatte der Wert der beschlagnahmten Medikamentenfälschungen noch bei 3,1 Millionen Euro gelegen.

 

Anabolika und Potenzmittel

 

Eine detaillierte Statistik gaben in der vergangenen Woche auch das Hauptzollamt (HZA) und die Zollfahndungsstelle (ZFA) in Frankfurt am Main he­raus. Die Frankfurter Zollbeamten, die unter anderem für Kontrollen rund um den größten deutschen Flughafen zuständig sind, stellten demnach im vergangenen Jahr allein dort rund 18 000 Sendungen wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz (AMG) sicher, darunter fast 2 Millionen Tabletten und Ampullen. Dabei handelte es sich laut HFA hauptsächlich um Schlankheitspräparate, Anabolika, Schmerz- und Potenzmittel sowie Antibabypillen. Die beschlagnahmten Potenzmittel seien meist Fälschungen der Präparate Viagra® und Cialis® (Sildenafil beziehungsweise Tadalafil) gewesen, die »in Rumänien, Indien, China und Thailand illegal ohne jegliche Sicherheitsstandards produziert wurden«, so das HFA.

Die Frankfurter Zöllner zeigten sich besorgt über den starken Anstieg der AMG-Verstöße. So habe sich die Zahl der Ermittlungs­verfahren im Zusammenhang mit gefälschten Medikamenten im vergangenen Jahr fast verdreifacht. Während 2011 noch 236 Verfahren wegen AMG-Verstößen durch das ZFA geführt wurden, waren es 2012 bereits 644. Ein Großteil der Verfahren sei »wegen der illegalen Einfuhr von Dopingpräpa­raten eingeleitet« worden, teilten die Zollfahnder mit. Auch hier sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: 2011 wurden noch 113 Verfahren wegen unrechtmäßig eingeführten Dopingmitteln geführt. 2012 waren es bereits 462.

 

Auch die Missachtung des Artenschutzes machte den Zollfahndern in Frankfurt wiederholt zu schaffen. So habe es dort im vergangenen Jahr 538 Verstöße gegen das Washingtoner Artenabkommen gegeben. Oftmals seien dabei Produkte der sogenannten traditionellen asiatischen Heilmedizin beschlagnahmt worden, etwa Pflaster aus gemahlenen Tigerknochen, Bärengalle zur Steigerung der Potenz oder Braunbärenfett als Hautkosmetik. Das Internationale Postzentrum in Frankfurt habe auch 56 Postsendungen mit mehr als 8000 Tabletten »Hoodia-Extrakt« sichergestellt, gab das ZFA bekannt. Hoodia gordonii ist eine artengeschütze sukkulente Pflanze aus dem südlichen Afrika, die als Appetitzügler angeboten wird.

 

Gesundheit in Gefahr

 

Der Hessische Apothekerverband (HAV) warnte aufgrund der aktuellen Zollstatistik erneut vor Arzneimittelbestellungen aus unbekannten Quellen, etwa über das Internet. »Es ist unvorstellbar, was in die Medikamente alles unter unsäglichen hygienischen Bedingungen hineingepanscht wird. Wer seine Arzneimittel dort bestellt, setzt eindeutig seine Gesundheit aufs Spiel«, sagte der HAV-Vorsitzende Peter Homann.

 

Dass allerdings selbst die legale Lieferkette nicht vor Fälschungen sicher ist, hatten erst kürzlich die bei deutschen Großhändlern aufgetauchten Fälschungen des Protonenpumpenhemmers Omeprazol gezeigt. /

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