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Medizinisches Cannabis

Steigende Nachfrage

28.03.2018  10:13 Uhr

Von Ev Tebroke / Nur gut die Hälfte aller Anträge auf Erstattung von medizinischem Cannabis wurde bislang von den Kassen genehmigt. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor. Gleichzeitig steigen die Importzahlen. Die Linken bezweifeln, dass Deutschland mittelfristig die Nachfrage durch staatlichen Eigenanbau wird sichern können.

Im ersten halben Jahr nach Einführung der Verschreibungsmöglichkeit von Cannabis auf Rezept sind bei den Kassen 12 000 Anträge auf Versorgung eingegangen – davon wurden aber lediglich rund 6800 auch bewilligt (57 Prozent). Dies berichtet das Bundesgesundheitsministerium (BMG) in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion.

 

Dabei sei jedoch zu berücksichtigen, dass für einige Genehmigungen zwei Anträge erforderlich waren, da der erste zunächst abgelehnt worden war. Angaben des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zufolge entfällt die Mehrzahl der Anträge auf das Therapiegebiet Schmerz. Detaillierte Aufschlüsselungen nach dem Genehmigungsverhalten der Kassen in den einzelnen Bundeländern seien mangels belastbarer Daten nicht möglich, so das BMG. Auch gebe es keinen Mittelwert für die Zahl der Anträge auf Kostenübernahme von Cannabisblüten. Diese werde von den Kassen als schwankend dargestellt.

 

Kosten vorab klären

 

Seit März 2017 können sich Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen Cannabisarzneimittel auf Kosten der Krankenkassen verschreiben lassen. Bedingung ist, dass der verordnende Arzt die Therapie als notwendig begründet. Die Kostenübernahme muss von den Kassen jeweils vorab genehmigt werden.

 

Die Linkspartei kritisiert die hohe Zahl der Antragsablehnungen. Einer ärztlichen Verschreibung sollte nur in außergewöhnlichen Fällen eine Überprüfung der Kostenübernahme durch die Krankenkassen zwischengeschaltet sein, betonte der drogenpolitische Sprecher der Linken, Niema Movassat, auf Anfrage der PZ.

 

Grundsätzlich ist der Bedarf an medizinischem Cannabis enorm gestiegen, das belegen hohe und kontinuierlich anwachsende Importmengen. Laut BMG-Antwort liegen seit September 2017 Anträge auf Cannabisimporte in Höhe von insgesamt 23 535 Kilogramm vor. Im Zeitraum von 2008 bis 2017 waren es einer früheren Regierungsantwort zufolge gerade einmal rund 4000 Kilo. Die Linken sind skeptisch, dass die große Nachfrage in naher Zukunft ausreichend gedeckt werden kann.

 

»Die Importmengen gehen durch die Decke und gleichzeitig hat die Bundesregierung trotzdem mit Lieferengpässen zu kämpfen«, kritisiert Movassat. Aufgrund der Klage gegen die Ausschreibung der Bundesregierung sei es utopisch, 2019 mit einer Cannabisernte in Deutschland zu rechnen. Die Bundesregierung sieht dies gelassen. Sie geht nach wie vor davon aus, 2019 hierzulande mit dem Anbau starten zu können. In ihrer Antwort räumt sie jedoch ein, dass eine Zuschlagserteilung für eine Anbaulizenz nicht erfolgen kann, solange die Gerichtsverfahren anhängig sind.

 

Hintergrund der Verfahren sind die Beschwerden zweier Antragssteller gegen das Vergabeverfahren. Um den steigenden Bedarf an Medizinalhanf künftig zu decken, wurde eine Cannabis-Agentur unter dem Dach des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eingerichtet, die den Anbau regeln und kontrollieren soll. Bis die Nachfrage mit hierzulande angebautem Medizinal-Cannabis gedeckt werden kann, erfolgt die Versorgung über den Import. Das BfArM hat derweil das Ausschreibungsverfahren, das den Cannabis-Anbau für den Zeitraum von 2019 bis 2022 regelt, beendet. Nun läuft das Vergabeverfahren.

 

Die Linken können den Optimismus der Bundesregierung nicht nachvollziehen. Die Versorgungssituation für Patienten werde sich erheblich verschärfen. Denn nach einer gewissen Eingewöhnungsphase mit dem neuen Gesetz würden Verschreibungen und entsprechend der Bedarf an Cannabis weiter kontinuierlich ansteigen. /

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