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Sinn oder Unsinn?

Digitalisierung in der Apotheke

28.03.2018
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»Apotheken sind sowas von analog – aber im bestverstandenen Sinne.« Wie Professor Dr. Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart zu diesem Schluss kommt, erklärte er in seinem unterhaltsamen Vortrag. »Ich glaube, dass man differenziert an die Sache herangehen muss«, offenbarte der Professor für Betriebswirtschaft und Handel gleich zu Beginn seine Ambivalenz gegenüber dem Thema Digitalisierung in der Apotheke. Die Möglichkeiten, Digitalisierung in der Apotheke umzusetzen seien zahlreich – die Probleme jedoch auch.

 

So beispielsweise bei der Ladengestaltung. Hier sei die Digitalisierung in Form von Bildschirmen in der Offizin in manchen Apotheken bereits angekommen. Die Inhaber sollten jedoch darauf achten, dass die Kunden nicht zu sehr abgelenkt würden, sondern sich auf die Beratung und das Team konzentrierten, riet Kaapke. »Man sollte genau überlegen, wo genau man den Verkaufsvorgang mit Bildern bespielt.« Denn sei dieser nicht eigentlich zu wichtig, um ihn auf diese Weise zu bagatellisieren? Als Per-se-Lösung könne er das noch nicht erkennen.

 

Die persönliche Beratung lasse sich nun einmal nicht digital ersetzen, so Kaapke weiter. Dennoch könnten Apotheken durchaus dafür sorgen, dass sie auch außerhalb der Öffnungszeiten erreichbar sind – per SMS, E-Mail, Messenger-Diensten oder in den sozialen Netzwerken. Der Aliud Apothekenreport 2017 habe ergeben, dass gerade einmal ein Drittel der Apotheken digital fortschrittlich sei. Dabei sähen 95 Prozent die Digitalisierung als Motor der Branche, aber 54 Prozent fühlten sich im Dschungel der digitalen Möglichkeiten verloren.

 

»Nutzen Sie digital, was Sie analog unterstützt! Aber lassen Sie die Finger davon, was Attribute wie Kompetenz, Standort und Freundlichkeit ersetzen könnte«, warnte der Wissenschaftler. Denn genau diese drei Eigenschaften hätten den größten Einfluss darauf, ob ein Kunde eine Apotheke wiederholt besuche, berief sich Kaapke auf die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung des LAV Nordrhein zum Thema »Marketing in Apotheken«. Die Analyse habe auch ergeben, dass in Apotheken gegenwärtig kein Social-Media-Marketing erwartet werde. 91,1 Prozent der befragten Kunden mit Stammapotheke hätten nicht einmal gewusst, in welchen sozialen Medien diese aktiv ist. Kaapke: »Die Leute wollen Sie! Das glaubt man manchmal nicht, das ist aber beruhigend!« /

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