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EPSA

Zum Diskutieren im Europaparlament

26.03.2012
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Von Daniela Kolberg / Seit zwei Jahren hat die europäische Vereinigung der Pharmaziestudierenden (EPSA) die Ehre, Politiker, Partner sowie Studenten zu einem Event in das Europäische Parlament einzuladen. In diesem Jahr waren so viele Studierende dabei wie nie zuvor. Anfang März fanden sich 150 Personen aus verschiedenen Ländern Europas in Brüssel ein. Aus Deutschland nahmen 14 Studenten von sechs Universitäten an der Veranstaltung teil.

Leitthema der diesjährigen Veranstaltung war »Active and Healthy Ageing«, also Vorträge und Diskussionen über das Altern der Bevölkerung und Arzneimitteltherapie im Alter. Zwei Member of the European Parlament waren die Gastgeber für das Event und gaben politischen Input. Zudem referierten Dr. Roberto Frontini (Präsident der European Association of Hospital Pharmacists), John Chave (Generalsekretär der Pharmaceutical Group oft the EU) und Franciska Deplenter (Vizepräsidentin der European Society of Clinical Pharmacy) über die Standpunkte aus der Sicht der Krankenhausapotheker, der Offizin und der Klinischen Pharmazie. EPSA trug die Sicht der Studierenden vor, und wir haben gemeinsam überlegt, was getan werden kann und worin unsere Aufgabe gesehen wird bei dem gesunden Altern und im Umgang mit Multimorbidität.

Man war sich einig, dass sich Ansätze und Einstellung zum Thema ändern müssen. Es werden mehr Soft Skills zum richtigen Um­gang mit älteren Patienten und Erkrankun­gen wie Demenz benötigt, vor allem im Bereich Kommunikation. Die interdiszipli­näre Zusammenarbeit der Health Care Professionals muss verbessert und enger verknüpft werden. Dies kann zum Beispiel durch das Erstellen eines stetig aktuellen und virtuellen Medikamentationsprofils geschehen, welches für Arzt und Apotheker jederzeit einsehbar ist. Dieses hilft zum Beispiel, unerwünschte Arzneimittelwirkun­gen einzuschränken. Die wichtige Schlüsselrolle des Apothekers besteht in dem direkten und regelmäßigen Kontakt mit dem Patienten. So kann und soll er die Veränderungen im Verhalten der Patienten früher erkennen als der Arzt. »Wir brauchen frühe Intervention und frühe Diagnose. Wir brauchen mehr Trainings und Soft Skills«, fasste Oana Antonescu (MEP EPP) die Diskussion zusammen.

 

Bildungsinitiative

 

Zum zweiten Teil dieser Aussage gab es vor Kurzem zwei von EPSA initiierte Umfragen, welche beide darauf abzielten, die pharmazeutische Ausbildung kritisch zu hinterfragen und Vorschläge für Änderungen zu erarbeiten.

 

Die erste Umfrage trug den Titel »Assessment of the Pharmacy curriculum in European level – does it prepare you for your career?« Die Ergebnisse wurden im Zuge der Diskussion im Parlament vorgestellt. Kurz umrissen gab es folgendes Ergebnis: Pharmaziestudenten in Europa fordern mehr Klinische Pharmazie, mehr Trainings zur Kommunikation und Patientenberatung während der universitären Ausbildung und ein Überdenken der Tiefe des Unterrichts in Physik und Pflanzenbiologie. Auch in Deutschland gehen die Gedanken für eine Umstrukturierung des Pharmaziestudiums bei den Studenten schon länger in eine ähnliche Richtung.

 

Die zweite Umfrage entstand in Zusammenarbeit mit dem Pharmaunternehmen GSK und befragte die Studenten zum Thema Soft Skills. Pharmaziestudierende definierten diese überwiegend als Kommunikation, Teamwork und Personalführung. Sie werden neben Klinischer Pharmazie, dem arzneimittelbezogenem Wissen und der Fähigkeit der Interaktion mit Patienten als Schlüsselkompetenzen für den Pharmazeuten der Zukunft gesehen. Somit sollte auch das Studium im Prinzip darauf ausgelegt sein, diese Rolle des Apothekers zu formen und zu fördern und auf diese Weise das berufliche Verständnis zu vermitteln

Neun von zehn Studenten würden eigene finanzielle Mittel investieren, um an einem Soft Skill Training im Ausland teilnehmen zu. Die interessantesten Themengebiete für diese Art der extracurricularen Weiterbildung sind dabei recht pharmazeutisch: Wechselwirkungen und pharmakologische Eigenschaften der Arzneistoffe sowie betreuende Klinische Pharmazie. Die steigende Nachfrage nach Inhalten in diesen Fächern zeigt den Mangel in der Lehre derselben während der Ausbildung und im pharmazeutischen Curriculum auf.

 

Die meisten Studenten bevorzugen Trainings in einem Klassenraum in Form von Peer Learning (kollegiales Lernen) mit kleinen Diskussionen in Gruppen. Als Lehrmethoden sollten vermehrt interaktive und die Studenten einbeziehende Methode genutzt werden, wie die Simulation von Situationen anhand von Fallbeispielen. Die Studenten sind sich der Veränderungen in der pharmazeutischen Arbeitswelt durchaus bewusst und ihnen gegenüber positiv eingestellt. Nun fordern sie, dass ihnen Professoren und Fakultäten folgen mögen.

 

Fazit

 

Es waren eindrucksvolle Tage in Brüssel. Einerseits gab es viele Unterschiede zu entdecken, andererseits das Gemeinsame – die Pharmazie in Europa. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg, inhaltlich wie zwischenmenschlich. Beide Seiten haben viele Informationen und Anregungen mitgenommen – nun gilt es, die neuen Eindrücke in Ideen und Taten umzusetzen. Mal sehen was Europa daraus macht. / 

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