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ABDA drängt auf faires Honorar

27.03.2012
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Von Anna Hohle und Stephanie Schersch, Berlin / Vielen Apotheken in Deutschland geht es wirtschaftlich sehr schlecht. Die ABDA fordert daher eine deutliche Anpassung beim Honorar. Demnach sollte diePackungspauschale von derzeit 8,10 Euro auf 9,14 Euro steigen.

Die ABDA hat sich nach zahlreichen vertraulichen Gesprächen mit ihren Honorarforderungen erstmals an die Öffentlichkeit gewandt. Auf einer Pressekonferenz in Berlin machte sie auf die wirtschaftlich schwierige Lage vieler Apotheken aufmerksam. Schuld an dieser Situation sei vor allen eine unzureichende Vergütung, sagte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf. »Wir betreiben Apotheke 2012 zu den Kosten von heute und den Einnahmen von vor acht Jahren.« Seit 2004 habe sich das Honorar der Apotheker nicht verändert. Pro abgegebene Arzneimittelpackung erhalten sie eine Pauschale von 8,10 Euro plus 3 Prozent Zuschlag. Auf den Betrag müssen die Apotheker den Krankenkassen allerdings noch einen Rabatt gewähren, der aktuell bei 2,05 Euro liegt.

Der Ertrag der Apotheker sei von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung entkoppelt, sagte auch Fritz Becker, Vorsit­zender des Deutschen Apothekerverbands. »Die Einnahmen der GKV sind zwischen 2001 und 2011 um 35 Prozent gestiegen.« Die gleichen Zuwächse gebe es bei den Kosten für Krankenhausbehandlungen und der Vergütung der Ärzte. »Das Apotheker­hono­rar hingegen weist im gleichen Zeit­raum ein Plus von mageren 2,4 Prozent auf.« Hinzu kämen die Belastungen durch das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG). Nach dem Gesetz müssen die Apotheker den Krankenkassen 2011 und 2012 einen erhöhten Rabatt pro Arzneimit­telpackung gewähren. Der Abschlag summiere sich 2012 auf 1,228 Milliarden Euro, sagte Becker. »Damit haben die Apotheker die im AMNOG ursprünglich verabredeten Sparziele übererfüllt und müssen gleichzeitig mehr Leistung bringen.«

 

So wenige Apotheken wie seit 15 Jahren nicht mehr

 

2011 hat die Zahl der Apotheken in Deutschland den niedrigsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Laut ABDA gab es 21 238 Apotheken– das sind 203 weniger als im Vorjahr. »Jede Woche schließen in Deutschland acht Apotheken und nur vier machen neu auf«, beklagte Wolf. Diese schleichende Ausdünnung müsse gestoppt werden, »wenn auf Dauer nicht die Versorgung vor Ort gefährdet sein soll«. Im europäischen Vergleich liegt die Apothekendichte in Deutschland nur im Mittelfeld: 3800 Menschen kommen hierzulande auf eine Apotheke. In anderen europä­ischen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien sind es weit weniger. In Belgien teilen sich im Schnitt nur 2100 Einwohner eine Apotheke. Der Anteil der Filialapotheken in Deutschland stieg von 16,2 Prozent im Jahr 2010 auf 17,2 Prozent im Jahr 2011.

 

Die ABDA fordert insgesamt 624 Millionen Euro mehr Honorar, um von einer gerechten Vergütung der Apotheker sprechen zu können. Laut Becker gibt es mehrere Möglichkeiten, um auf diese Summe zu kommen. So könnte die Packungspauschale von derzeit 8,10 Euro auf 9,14 angehoben werden. Diese Anpassung ist allerdings flexibel. Sollten die Apotheker etwa für Notdienste mehr bekommen, müsste das Fixum entsprechend geringer steigen.

 

Derzeit erhalten die Apotheker bei Nacht- und Notdiensten pro Patient eine Servicegebühr von 2,50 Euro. »Dieser Betrag ist in keiner Weise kostendeckend«, sagte Becker. Jedes Jahr würden die Apotheker daher im Notdienst ein Minus von 192 Millionen Euro erwirtschaften. Er forderte, die Vergütung hier umzustellen. So solle der Apotheker nicht länger ein Honorar pro Patient bekommen, sondern eine Pauschale für jeden Notdienst erhalten. Dies würde auch zu mehr Gerechtigkeit zwischen Apotheken auf dem Land und in der Stadt führen. Denn Landapotheken zählen im Schnitt deutlich weniger Kunden pro Nachtdienst. Becker wies außerdem darauf hin, dass sowohl Rezepturen als auch die Belieferung mit Betäubungsmitteln für Apotheker in der Regel ein Zuschussgeschäft seien. Auch hier müsse sich etwas ändern.

 

Laut Becker könnte eine Honoraranpassung theoretisch im Arzneimittelrechts-Änderungsgesetz verankert werden. Die Politik habe »nicht negativ« auf die Forderungen der ABDA reagiert, sagte er. Man befinde sich aber weiter in Gesprächen. /

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