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Apotheken

Die Qualität entscheidet

21.03.2007  12:07 Uhr

Apotheken

Die Qualität entscheidet

Von Daniel Rücker, Hamburg

 

Wenn das Fremd- und Mehrbesitzverbot fällt, ändern sich die Spielregeln im Apothekenmarkt. Manche Apotheker glauben, dass sie in einer Kooperation besser gegen Apothekenketten bestehen können. Dafür geben sie auch einen Teil ihrer Freiheit auf. Aber fällt das Fremdbesitzverbot überhaupt?

 

Die richtige Strategie hängt in der Regel von den Rahmenbedingungen ab. Die zentrale Frage hierbei ist, ob sich die Besitzverhältnisse in absehbarer Zeit tatsächlich ändern. Zurzeit gibt es zwar etliche Branchenkenner, die von einem baldigen Fall des Fremd- und Mehrbesitzverbotes sprechen, doch stehen hinter diesen Prognosen oft auch handfeste eigene Interessen. Der Vorsitzende des Apothekerverbands Schleswig-Holstein, Dr. Peter Froese, warnte bei einer Podiumsdiskussion während der Interpharm in Hamburg vor einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. In der Politik gebe es außer den Grünen keine Partei, die eine Änderung anstrebe.

 

Auch Dr. Andreas Kaapke vom Institut für Handelsforschung in Köln rechnet nicht mit einer baldigen Erlaubnis des Fremdbesitzes. Zuerst müsste geklärt werden, ob Apothekenketten Arzneimittelsicherheit, Versorgungssicherheit und Versorgungsqualität in derselben Qualität wie die inhabergeführten Apotheken garantieren könnten. Er selbst hält es für unwahrscheinlich, dass sich ein ausschließlich an der Dividende orientiertes Unternehmen nach diesen Kriterien ausrichten wird. Die ablehnende Haltung der Politik in der Bundestagsdebatte zum Fremd- und Mehrbesitz habe gezeigt, dass auch die Vertreter der Parteien Zweifel haben, ob Apothekenketten die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln sicherstellen könnten.

 

Für Wolfgang Simons von der Apothekenkooperation Linda steht dennoch fest: »Wir sind aus dem Paradies vertrieben worden. Am Ende des Jahres wird der Apothekenmarkt anders aussehen.« Als Vorsitzender einer Kooperation sieht er naheliegenderweise die besseren Chancen für Apotheker in einer solchen Gemeinschaft.

 

Ähnlich sieht es auch der Vorsitzende der Geschäftsführung von Gehe, André Blümel. Im Gegensatz zum Celesio-Konzernchef Fritz Oesterle hielt er sich zwar mit Forderungen nach einer aktiven Veränderung des Marktes zurück. Er rechnet aber auch mit einer weiteren Deregulierung. Dabei hofft Gehe auf einen kontrollierten Übergang. Da Gehe selbst eine Apothekekooperation initiiert hat, hält Blümel diese Strategie selbstverständlich für sinnvoll. Wie Simons sieht er bei Kooperationen vor allem den Vorteil im gemeinsamen Marketing und anderen Aktionen.

 

Deutlich skeptischer gegenüber Kooperationen ist der Vorstandsvorsitzende der Noweda, Wilfried Hollmann. Wobei sich seine Kritik vor allem auf Zusammenschlüsse mit einer eigenen Dachmarke bezieht. Hollmann befürchtet, dass Dachmarkenkooperationen für Kunden nicht von einer Apothekenkette zu unterscheiden sind. Dies könnte in der Politik die Bereitschaft fördern, dass Fremd- und Mehrbesitzverbot abzuschaffen.

 

Als Verbandsvorsitzender steht Froese den Apothekenkooperationen eher skeptisch gegenüber. Das Marketing einer Apotheke sei vor allem lokal orientiert, deshalb nutze eine Kooperation hier wenig. Die Zusammenarbeit mit Kollegen hält er für sinnvoll. Dafür gebe es aber die Verbände. Wie Hollmann hält er eine Dachmarke für nicht ungefährlich. Auch Ökonomen zweifeln an dem Nutzen einer Dachmarke für Apotheken. Nach Ansicht von Kaapke hat die Apotheke mit ihrem Namen und dem Apotheken-A ausreichend Marken. Er hält das Apotheken-A für eine starke Marke, weitaus stärker als DocMorris.

 

Grundsätzlich einig waren sich alle Diskutanten, dass die inhabergeführte Apotheke auch in einem Markt mit Fremd- und Mehrbesitz gute Chancen hat. Der für den Erfolg entscheidende Parameter dürfte dabei die Qualität sein. Unterschiedliche Auffassungen gibt es allerdings darüber, wie diese Qualität erreicht und gesichert werden kann. Während Simons und Blümel an dieser Stelle wieder der Kooperation vertrauen, verwies Froese auf die Apothekerkammern, die für die Qualität im Rahmen des Versorgungsauftrags der Apotheken zuständig seien.

 

Auch diese Diskussion konnte jedem einzelnen Apothekenleiter nicht beantworten, welche Strategie die richtige für die nächsten Jahre ist. Die oftmals verbreitete Meinung, der Fremdbesitz komme in absehbarer Zeit sowieso, wurde von der Mehrheit der Diskutanten nicht geteilt. Eine Garantie ist das natürlich auch nicht. Es stärkt aber diejenigen, die auf die inhabergeführte Apotheke setzen.

 

Neutrale und kompetente Beratung

 

Die Qualität der öffentlichen Apotheke stand auch bei einer zweiten Podiumsdiskussion im Mittelpunkt. ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf diskutierte mit Dr. Eva Susanne Dietrich, Direktorin des TK-Institutes WINEG, Treuhand-Chef Dr. Klaus-Martin Prang, Professor Dr. Gerd Glaeske und Dr. Christian Rotta vom Deutschen Apothekerverlag über die Arzneiversorgung durch die öffentliche Apotheke. Weitgehend einig waren sich die Diskutanten über die zentrale Aufgabe der Apotheker: Die neutrale und kompetente Beratung der Patienten. Wolf ist sich sicher: »Die Zukunft der Apotheken wird sich über die Qualität entscheiden.«

 

Differenzen gab es dagegen bei der Einschätzung des Status quo. Wolf bescheinigte den 21.500 Apotheken in Deutschland eine deutliche Steigerung der Beratungsqualität in den vergangenen Jahren. Wolf: »Die Apotheken haben sich in letzter Zeit stark verändert.« Dies sei auch Folge der beiden vergangenen Gesundheitsreformen, die die Apotheker vom Herstellerpreis abkoppelten und Rabatte bei RX-Arzneimitteln verboten.

 

Treuhand-Chef Prang sieht dies zwar ähnlich, verwies aber auch darauf, dass die Apotheker mit den vorhergehenden Reformen und dem jetzt anstehenden GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz weiter an Rentabilität einbüßen und dadurch auch die Qualität der pharmazeutischen Dienstleistungen gefährdet werde. Eine hohe Qualität hänge auch von den finanziellen Rahmenbedingungen ab.

 

Glaeske lässt diesen Zusammenhang nur bedingt gelten. Die öffentliche Apotheke müsse in jedem Fall ihre Überlegenheit gegenüber anderen Vertriebsformen beweisen, ansonsten gebe es keinen Grund für das Apothekenmonopol, so der Arzneimittelexperte am Zentrum für Sozialpolitik in Bremen.

 

Glaeske sieht die Apotheken in ihrem Streben nach Qualität noch nicht am Ende. Bei der Arzneimittelberatung gebe es zwar keine Alternative zum Apotheker, doch habe der Berufsstand bislang seinen Nutzen nicht ausreichend validieren können. Die Qualität der Beratung sei nicht einheitlich. Das unterstrich auch Dietrich mit dem Verweis auf seriöse Testkäufe.

 

Diese hätten deutliche Mängel in der Beratung aufgezeigt. Letztlich könne die öffentliche Apotheke ihren zentralen Platz in der Arzneimittelversorgung aber nur behaupten, wenn sie ihren Nutzen für das gesamte System belegen kann. Dazu gebe es bislang keine ausreichend validen Daten, sagte Dietrich, die wie Glaeske selbst Apothekerin ist.

 

Dieses Defizit werden die Berufsorgansiationen nach Wolfs Aussagen bald beheben. Der ABDA-Präsident zitierte eine Untersuchung, die eindeutig belege, dass Bewohner von Altenheimen eindeutig davon profitierten, wenn sie von Apothekern aus derselben Stadt versorgt werden. So ließen sich Krankenhauseinweisungen reduzieren und der Gesundheitszustand der Senioren verbessern.

 

Dietrich und Glaeske f0rderten die Apotheker zudem auf, sich mit ihren Berufsorganisationen stärker in der Bewertung von Arzneimitteln zu engagieren. Gemessen an dem Anspruch, die Arzneimittelexperten im Gesundheitswesen zu sein, überließen sie dieses Feld zu stark anderen Berufsgruppen. Wolf wollte dieses Kritik so nicht stehen lassen und verwies auf das Zentrallabor Deutscher Apotheker und die Arzneimittelkommission, die sich beide auf diesem Gebiet bereits engagierten und ihre Aktivitäten ausbauen würden.

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