Pharmazeutische Zeitung online

Gute Sache

23.03.2010
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Sonntagabend, 20 Uhr, Deutsches Haus, Paralympics in Whistler. Vor mir steht ein großer Mann, sportlich durchtrainiert mit freundlichem Gesicht. Er heißt Josef Giesen und ist Langläufer und Biathlet. Vor ein paar Stunden habe ich ihn auf der Wettkampfstrecke gesehen. Er schießt fehlerfrei und läuft wie der Teufel. Auf Langlaufski und ohne Skistöcke. Skistöcke gehen nicht, denn Josef Giesen hat keine Arme. Zur Begrüßung im Deutschen Haus fasst meine Hand seine rechte Schulter. Wir wechseln ein paar Worte über seinen Lauf, und er bedankt sich für unser Engagement. Sein Kampfgeist und seine Haltung beeindrucken mich sehr.

 

24 Stunden nach meiner Ankunft in Vancouver weiß ich, dass wir Apothekerinnen und Apotheker mit unserer Unterstützung für den Behindertensport richtig liegen. War die Eröffnungsveranstaltung noch ein gewaltiges Massenereignis, erlebe ich nun an den Wettkampfstätten und im Deutschen Haus ganz unmittelbar die Wirkung unseres Engagements. Ich sehe die Freude der Athleten über die Worte und Gesten der Anerkennung, über das Interesse der Medienvertreter und über all die kleinen Dinge, die auch durch unsere Unterstützung möglich gemacht werden. Und ich sehe die Freude der vielen mitgereisten Eltern über das Glück ihrer behinderten Kinder, die im Sport ihren Weg gefunden haben, das Leben zu meistern.

 

Meine zwei Tage in Whistler sind eine einzige Lehrstunde. Ich weiß jetzt, wie schwierig es für einen behinderten Wintersportler ist, einen Arbeitsplatz zu finden, der regelmäßiges Training ermöglicht; ich erfahre viel Neues über die alltäglichen Kämpfe um Gleichberechtigung und Zugang.

 

Auf der anderen Seite erlebe ich Bekanntes. Sportler erzählen mir ihre Lebensgeschichte, die oftmals auch eine Krankengeschichte ist, und ich höre, dass viele der Athleten natürlich auch Patienten sind. Und so wird mir plötzlich klar, dass der Verband der Apothekerschaft hier in Vancouver etwas tut, was wir alle tausendfach und jeden Tag in unseren Apotheken tun, nämlich Menschen in besonderer Situation zu helfen. Nicht durch Mitleid, sondern durch Empathie, nicht durch mildtätige Unterstützung, sondern durch Hilfe zur Selbsthilfe.

 

Auf einer Podiumsdiskussion werde ich gefragt, warum die ABDA sich im Behindertensport engagiert. Selten ist mir eine Antwort so leicht gefallen.

 

Friedemann Schmidt

Vizepräsident der ABDA – Bundervereinigung Deutscher Apothekerverbände

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