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Prä- und Perimenopause

Verhüten für Fortgeschrittene

08.04.2008
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Prä- und Perimenopause

Verhüten für Fortgeschrittene

Von Christina Hohmann, Frankfurt am Main

 

Auch Frauen in der Prä- oder Perimenopause können noch schwanger werden. Deshalb ist im Alter über 45 Jahren eine Verhütung sinnvoll. Dabei sind die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden sorgfältig gegeneinander abzuwägen.

 

In der Prämenopause ab einem Alter von etwa 40 bis 45 Jahren lässt die Funktion der Ovarien nach, die Produktion des Hormons Estrogen nimmt ab, dafür steigt der Spiegel des Follikel-stimulierenden Hormons (FSH). In der Folge kommt es zu Unregelmäßigkeit und Abnahme der Follikelreifung und es treten vermehrt Zyklen ohne Eisprung auf. Auch Blutungsstörungen wie besonders starke Blutungen (Hypermenorrhö), schmerzhafte Blutungen (Dysmenorrhö) oder Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö) können vorkommen.

 

Eine Folge der Hormonumstellung in den Jahren vor der Menopause ist auch, dass die Fruchtbarkeit abnimmt, erklärte Privatdozentin Dr. Inka Wiegratz von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main auf der Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft. Bei Frauen über 45 Jahren beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein lebendes Kind zur Welt bringen, etwa 2 bis 3 Prozent. Dennoch ist Kontrazeption ein wichtiges Thema, so die Referentin. Denn auch Frauen in der Prä- oder Perimenopause (siehe Kasten) können zumindest theoretisch jederzeit schwanger werden. Viele Schwangerschaften in diesem Alter sind ungewollt. Im Jahr 2006 ließen in Deutschland insgesamt 8867 Frauen über 40 Jahre einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen, berichtete Wiegratz. Daher ist eine sichere Verhütung auch über 45 Jahren noch angezeigt.

Wechseljahre

Die Wechseljahre (Klimakterium) sind die Übergangsphase von der Geschlechtsreife der Frau zum Senium. Sie sind in verschiedene Phasen unterteilt. Als Prämenopause werden die zwei bis sieben Jahre vor der letzten Monatsblutung (Menopause) bezeichnet. Die Hormonproduktion verändert sich, die Regelblutungen werden unregelmäßig und es treten leichte Wechseljahresbeschwerden auf. Unter Perimenopause versteht man den Zeitraum von etwa zwei Jahren vor und zwei Jahre nach der Menopause, der den eigentlichen Wechsel darstellt. Er findet etwa zwischen dem 48. und 55. Lebensjahr statt.

Bei der Wahl des Kontrazeptivums sind das Alter der Frau, mögliche Risikofaktoren sowie die Hormonspiegel zu beachten. Lange Zeit war die Tubenligatur, der Verschluss der Eileiter, die favorisierte Methode. Wer jedoch eine permanente Lösung ablehnt, kann auf eine Kupfer- oder Hormonspirale zurückgreifen. Hormonelle Kontrazeptiva sind nur begrenzt einsetzbar, sie bieten aber einige Vorteile, berichtete die Referentin. So beeinflussen Ovulationshemmer Blutungsstörungen und eine Eisenmangelanämie günstig und senken Anzahl und Stärke der Hitzewallungen. Zudem beugen sie der Osteoporose vor. Frauen, die im Alter von über 40 Jahren noch orale Kontrazeptiva einnahmen, hatten in Studien ein deutlich reduziertes Frakturrisiko in der Postmenopause, sagte Wiegratz.

 

Bei der Verschreibung der Präparate sei aber zu beachten, dass mit steigendem Alter der Frau auch ihr Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich zunimmt. Die Einnahme der Pille, vor allem in Kombination mit dem Rauchen, erhöht die Inzidenz und die Mortalität von Herzinfarkten und Schlaganfällen noch zusätzlich. Auch Adipositas steigert das Erkrankungsrisiko. Raucherinnen und adipöse Patientinnen sollten daher eine andere Verhütungsmethode als orale Kontrazeptiva wählen.

 

Diabetikerinnen könnten zwar theoretisch ein niedrig dosiertes Präparat einnehmen, wenn sie nicht übergewichtig sind und keine kardiovaskulären Erkrankungen oder Angiopathien haben. Doch die meisten Typ-2-Diabetikerinnen werden sowohl Adipositas als auch kardiovaskuläre Erkrankungen aufweisen und dürften daher keine Ovulationshemmer erhalten, sagte Wiegratz.

 

Auch Frauen mit Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen oder einem familiären Thromboserisiko sollten keine Ovulationshemmer einnehmen. Für diese Patientinnen seien eine Sterilisation beziehungsweise eine Sterilisation des Partners Mittel der Wahl, sagte die Referentin. Aber gesunde, normalgewichtige Nichtraucherinnen könnten niedrig dosierte Ovulationshemmer bis zur Menopause einnehmen.

 

Eine Schwangerschaft ist erst dann sicher auszuschließen, wenn die letzte Blutung festgestellt wurde, die im Durchschnitt im Alter von etwa 52 Jahren eintritt. Die Menopause lässt sich nur im Nachhinein feststellen, wenn zwölf Monate keine weitere Blutung mehr folgte. Aber auch durch eine Hormonuntersuchung kann die Unfruchtbarkeit festgestellt werden. Wenn bei einer dreimaligen Untersuchung im Abstand von mehreren Wochen der FSH-Spiegel über 40 mE/ml und der Estrogenspiegel unter 30 pg/ml liegt, ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich.

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