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Mehr Abtreibungen

Apotheker sollen schuld sein

13.03.2018
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Von Anna Pannen / Einem Ärzteverband zufolge sind Apotheker schuld an gestiegenen Abtreibungszahlen. Die Pharmazeuten berieten nicht gut genug zur Pille danach, heißt es. Die ABDA dementiert diese Behauptung scharf – und weist den Ärzten einen Rechenfehler nach.

Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) hat den Apothekern vorgeworfen, schlecht zu Notfallkontrazeptiva zu beraten – ungewollte Schwangerschaften und Abtreibungen seien die Folge. 2017 hätten 2,5 Prozent mehr Frauen einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen als noch 2016, erklärte der Verband. Im Jahr davor habe es einen ähnlichen Anstieg gegeben. Seit 2015 sind Notfallkontrazeptiva rezeptfrei in Apotheken erhältlich.

 

BVF-Präsident Christian Albring sagte, diese Zunahme sei unter anderem darin begründet, dass Apotheker ihren Patientinnen die Anwendung dieser Medikamente nicht richtig erklären. »Wir haben von Anfang an darauf hingewiesen, dass die Apotheker durch ihre eigene Standesorganisation ungenügend auf diese anspruchsvolle Beratung vorbereitet wurden und das zu einer Zunahme unerwünschter Schwangerschaften führt«, sagte Albring. Er forderte den künftigen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf, »die Qualität der Apothekenberatung kritisch zu überprüfen«.

 

Die ABDA weist die Vorwürfe der Frauenärzte entschieden zurück. Schon die Grundannahme der Ärzte, wonach die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche steige, sei zu kurz gesprungen, erklärte eine Sprecherin. Dies stimme vielleicht in absoluten Zahlen, nicht aber, wenn man einen Blick auf die Anzahl der gebärfähigen Frauen in Deutschland werfe. 2017 hat es laut Statistischem Bundesamt 58 Abtreibungen pro 10 000 Frauen gegeben. 2014 waren es 56 gewesen, 2012 jedoch auch schon einmal 59 – insgesamt sei somit kein Trend zu verzeichnen, so die ABDA.

Kommentar

Apotheken­bashing – again

Die Beratung in Apotheken schlecht zu machen, ist zu einer unschönen Tradition des Berufsverbands der Frauenärzte geworden. Seit einigen Jahren behauptet er in regelmäßigen Abständen, dass Apotheker nicht ausreichend zu Notfallkontrazeptiva beraten mit der Folge, dass die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche steigt. Im vergangenen Jahr gab es eine Pressemeldung mit dem gleichen Inhalt wie dieses Jahr. Das Genörgel wird langsam langweilig und ist zudem ärgerlich. Denn es stimmt mit den Fakten nicht überein. Es gibt nämlich bei den Abtreibungszahlen keinen ansteigenden, besorgniserregenden Trend, vielmehr gibt es gar keinen erkennbaren Trend – nur ein minimales Auf und Ab.

 

Vielleicht sollten sich die Frauenärzte andere Strategien ausdenken, um auf die eigene Beratungskompetenz hinzuweisen, als eine­n kompletten Berufstand pauschal – grundlos – zu diskreditieren. Diese Strategie funktioniert nämlich nicht.

 

Christina Hohmann-Jeddi 

Ressortleiterin Medizin

Gegen die These des BVF spreche auch die Tatsache, dass seit dem Ende der Verschreibungspflicht mehr Notfallkontrazeptiva abgegeben werden als zuvor, so die Sprecherin weiter. »Die Behauptung, dass Apotheker nicht zuverlässig zur Pille danach beraten würden, entbehrt jeder Grundlage.« Die Apotheker seien durch zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen genau zu diesem Thema geschult worden. Erst kürzlich hatte die Bundesapothekerkammer die Handlungsanweisungen noch einmal aktualisiert. Neben dem Bundesgesundheitsministerium und Pro Familia seien auch Gynäkologenverbände beteiligt gewesen. Die ABDA-Sprecherin zeigte sich empört, dass der BVF sich so »pauschal und plakativ« gegen Apotheker positioniere.

 

Ein weiterer Grund für die gestiegene Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen könnte den Frauenärzten zufolge ein Gerichtsprozess gegen den Hersteller eines Kontrazeptivums im Jahr 2015 sein. Durch ihn stünden viele Frauen dem Thema hormonelle Verhütung kritischer gegenüber als zuvor, so BVF-Chef Albring. Frauen, die die Pille nicht mehr nähmen, würden dann häufig auf Zyklus-Apps zur natürlichen Verhütung setzen, ohne sie zu verstehen, warnte er. /

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