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Statistisches Bundesamt

Zahl der Abtreibungen leicht gesunken

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist erneut leicht zurückgegangen. Sie sank im ersten Vierteljahr um 0,6 Prozent auf rund 27.000, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.
dpa
PZ
04.06.2019  15:20 Uhr

Mit 72 Prozent waren die meisten der betroffenen Frauen zwischen 18 und 34 Jahre alt, 18 Prozent waren zwischen 35 und 39 Jahre alt. Dieses Alter überschritten hatten knapp 8 Prozent der Betroffenen, 3 Prozent waren noch nicht volljährig.

Bereits im Jahr 2018 war ein leichter Rückgang von 0,2 Prozent auf rund 101.000 Abbrüche verzeichnet worden. Im ersten Quartal 2019 wurden 96 Prozent der Eingriffe nach der Beratungsregelung vorgenommen. Hierbei müssen sich die Schwangeren in einer staatlich anerkannten Beratungsstelle etwa über Risiken der Abtreibung und Unterstützungsangebote informieren.

Medizinische Indikationen lagen hingegen in 4 Prozent der Fälle vor. Die Abbrüche erfolgten überwiegend ambulant, 80 Prozent in gynäkologischen Praxen und 17 Prozent ambulant im Krankenhaus. 7 Prozent der Frauen fuhren in ein Bundesland, in dem sie nicht wohnten. Rund 40 Prozent von ihnen hatten vor dem Schwangerschaftsabbruch noch keine Lebendgeburt.

Kein Einfluss von »Pille danach« ohne Rezept

Betrachtet man die Zahl der Abbrüche bezogen auf 10.000 Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 49 Jahren, so hat sich die Zahl der Abbrüche in den vergangenen zehn Jahren zwischen 58 und 56 auf einem annähernd gleichen Niveau eingependelt. In den Jahren 1996 bis 2004 waren es dagegen noch 65 bis 68 Abtreibungen je 10.000 Frauen. Dies zeigt, dass auch die Entlassung der »Pille danach« aus der Verschreibungspflicht nicht zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen führt.

Seit dem Jahr 2015 können Frauen die »Pille danach« rezeptfrei in einer Apotheke erwerben, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Zuletzt hatte im vergangenen Jahr der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) die Apotheker für die im Jahr 2017 um 2,5 Prozent leicht gestiegenen absoluten Abtreibungszahlen verantwortlich gemacht. Der Vorwurf: Die Pharmazeuten würden zu Notfallkontrazeptiva angeblich schlecht beraten. Die Apotheker bekamen umgehend Rückendeckung von der Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) und von Pro Familia. Beide Fachgesellschaften wiesen die Kritik der Frauenärzte als unbegründet zurück.  

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