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»Pille danach« und Abtreibungen

Rückendeckung für Apotheker

21.03.2018
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Von Anna Pannen / Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) muss für seine Behauptung, mangelhafte Beratung durch Apotheker sei für Abtreibungen mitverantwortlich, nun selbst Kritik einstecken. Zwei Verbände werfen ihm vor, das Thema für eigene Zwecke zu instrumentalisieren.

In die Diskussion um angeblich schlechte Beratung zu Notfallkontrazeptiva haben zwei Vereinigungen den Apothekern den Rücken gestärkt. Vergangene Woche hatte der BVF behauptet, in Deutschland würden immer mehr Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt und schuld daran sei unter anderem die Tatsache, dass Apotheker ihren Patientinnen die Anwendung dieser Medikamente nicht kompetent erklärten. Die Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) nannte diese Behauptung nun einen »ärgerlichen Fehl­alarm«.

Wie schon die ABDA wies sie darauf hin, dass es den behaupteten Trend zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen gar nicht gibt. In absoluten Zahlen gebe es zwar mehr Abtreibungen, aber nicht, wenn man auch die Zahl der in Deutschland lebenden Frauen in gebärfähigem Alter betrachte. Beziehe man sie mit ein, sei sogar ein leichter Abwärtstrend zu beobachten. Die Apotheker hätten sich nicht nach der Aufgabe gedrängt, zur »Pille danach« zu beraten, erklärte die Vizepräsidentin der DGPFG, Claudia Schumann. Sie hätten sie aber mit großem Engagement übernommen. »Es entbehrt jeder sachlichen Grundlage, dieser Berufsgruppe unterschwellig eine Schuld daran zuzuschreiben, dass Frauen einen Abbruch vornehmen lassen«, so Schumann.

 

Auch die Organisation Pro Familia gab den Apothekern Rückendeckung. Den gesamten Berufsstand zu diskreditieren, um »die Interessen des eigenen Verbandes zu verteidigen«, sei unsachlich und nicht akzeptabel, heißt es in einer Mitteilung von Pro Familia Nordrhein-Westfalen.

 

Auch die Behauptung des BVF, Frauen würden sich durch angeblich tendenziöse Medienberichterstattung zu hormonellen Vehütungsmitteln häufiger gegen die Einnahme der Pille und für dubiose Verhütungs-Apps entscheiden, kommt bei Pro Familia und dem DGPFG nicht gut an. Frauen die Kompetenz abzuerkennen, sich mit dem eigenen Zyklus auseinanderzusetzen, sei unangebracht und anmaßend, so Pro Familia. Auch Schumann erklärte, hier werde den Frauen der Schwarze Peter zugeschoben. Die Sorge vor gesundheitlichen Schäden durch die Pille sei berechtigt und Frauenärzte in der Pflicht, ihre Patientinnen auch zu Risiken von Verhütungsprodukten zu beraten. /

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