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Allergische Rhinitis

Symptome effektiv behandeln

16.03.2016
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Von Christina Müller / Die allergische Rhinokonjunktivitis zählt zu den häufigsten allergischen Erkrankungen. Bei etwa jedem Fünften treten im Laufe des Lebens nach Kontakt mit einem Allergen Symptome wie eine laufende Nase und juckende Augen auf. Sie manifestieren sich oft schon in der frühen Kindheit. Es stehen verschiedene Arzneistoffe zur Verfügung, mit denen die Beschwerden in den meisten Fällen gut kontrollierbar sind.

Während die saisonale allergische Rhinitis hautsächlich zu einer bestimmten Jahreszeit auftritt und meist Pollen oder Schimmelpilze die Ursache sind, bleibt die perenniale Rhinitis das ganze Jahr über bestehen. Häufig lösen Hausstaubmilben die Beschwerden aus. Da chronische Verläufe Langzeitfolgen wie Nasenschleimhautveränderungen, Entzündungen der Nasennebenhöhlen und des Mittelohrs, Störungen des Geruchssinns sowie die Entstehung eines Asthma bronchiale (Etagenwechsel) nach sich ziehen können, erfordert die allergische Rhinitis eine konsequente Behandlung. Die Auswahl der Wirkstoffe richtet sich dabei nach der Schwere der Symptome sowie nach der zu erwartenden Anwendungsdauer.

Mittel der ersten Wahl: H1-Antihistaminika

 

Sowohl bei der saisonalen als auch bei der perennialen Rhinitis gelten laut der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immuno­logie orale H1-Antihistaminika als Mittel der ersten Wahl. Die Einnahme kann sowohl bedarfsorientiert als auch regelmäßig erfolgen. Sie heben die Wirkung von Histamin am Rezeptor auf und besitzen darüber hinaus teilweise einen Mastzellmembran-stabilisierenden Effekt.

 

Antihistaminika der ersten Generation wie etwa Diphenhydramin oder Doxylamin zeichnen sich durch eine relativ starke sedierende Komponente aus. Diese beiden Arzneistoffe sind daher nur noch als Schlafmittel und als Mittel gegen Reiseübelkeit im Handel. Mit den Antihistaminika der zweiten Generation wie Cetirizin (Zyrtec® und Generika) und Loratadin (diverse Generika) – beziehungsweise dem Eutomer Levocetirizin (Xusal® und Generika) und dem aktiven Metaboliten Desloratadin (Aerius® und Generika) – stehen heute deutlich besser verträgliche Alternativen zur Verfügung. Dennoch sollten Patienten die Tabletten beziehungsweise den Saft möglichst abends einnehmen, um unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit am Tag zu vermeiden. Zur Anwendung in der Schwangerschaft liegen keine Studiendaten vor. Im Tierversuch zeigten einige ältere Antihistaminika jedoch ein fruchtschädigendes Potenzial.

 

Auch bei geriatrischen Patienten ist bei der Einnahme älterer Antihistaminika Vorsicht geboten. Durch die anti­cholinergen Begleiteffekte können sie bei Senioren verstärkt zentralnervöse und kardiovaskuläre Nebenwirkungen verursachen. Liegt bereits eine Prostata­vergrößerung vor, kann die Einnahme Harnverhalt hervorrufen. Ältere Antihistaminika sind auch bei Glaukom­patienten kontraindiziert. Das gilt jedoch nicht für neuere Wirkstoffe, die meist keine oder nur sehr milde Nebenwirkungen haben.

Glucocorticoide zur Akuttherapie ungeeignet

 

Zur lokalen Anwendung sind Augentropfen und Nasensprays in der Selbstmedikation zugelassen. Sie enthalten zum Beispiel Azelastin (Allergodil® und Generika) oder Levocabastin (Livocab®). Seit April 2015 sind auch Ketotifen- haltige Augentropfen ohne Rezept in der Apotheke erhältlich (Zaditen® und Generika). Topische Antihistaminika eignen sich vor allem für lokal begrenzte leichte bis mittelschwere saisonale Beschwerden und sind zweimal täglich anzuwenden. Sie zeichnen sich durch einen raschen Wirkeintritt nach etwa 15 Minuten aus.

 

In der Therapie der allergischen Rhinitis haben sich Nasensprays mit Glucocorticoiden wie Beclometason (zum Beispiel Otri-Allergie®, Rhinivict®) bewährt. Sie gelten als eine der effektivsten Wirkstoffklassen in dieser Indikation und rufen bei lokaler Anwendung so gut wie keine systemischen Wirkungen hervor. Patienten sollten jedoch beachten, dass sich Glucocorticoid-haltige Nasensprays nicht zur Akuttherapie eignen, da ihre Wirkung erst nach mehreren Stunden eintritt. Der maximale Effekt stellt sich nach wenigen Wochen kontinuierlicher Behandlung ein. Sie kommen vor allem bei perennialen sowie bei mittelschweren saisonalen Beschwerden zum Einsatz.

 

Topische Glucocorticoide lindern zwar alle nasalen Symptome deutlich, gegen juckende und tränende Augen können sie jedoch nichts ausrichten. Daher kann unter Umständen eine Kombination aus einem Antihistamin­ikum fürs Auge und einem Glucocorticoid-haltigen Nasenspray Vorteile bringen. Orale Glucocorticoide spielen dagegen in der Therapie der allergischen Rhinitis aufgrund des hohen Nebenwirkungspotenzials nur noch eine untergeordnete Rolle.

Die Wirkungsweise von Cromo­glicinsäure (Vividrin® und Generika) und Nedocromil (Irtan®), die gemeinsam die Gruppe der Cromone bilden, ist bislang nicht abschließend geklärt. Ein Mastzellmembran-stabilisierender Effekt gilt als belegt, Wissenschaftler diskutieren zudem eine verminderte Produktion bestimmter Botenstoffe in den Makrophagen. Cromone weisen zwar ein geringes Nebenwirkungs­potenzial auf, wirken jedoch im Vergleich zu anderen Mitteln relativ schwach und nur prophylaktisch. Zudem müssen die Patienten Cromoglicinsäure vorbeugend viermal täglich applizieren. Da bei Nedocromil die zweimal tägliche Anwendung ausreicht, greifen viele Betroffene bevorzugt darauf zurück. Für die Cromone ist bisher kein teratogenes Potenzial bekannt.

 

Der lokale Einsatz von α-Sympatho­mimetika wie Xylometazolin (Otriven® und andere) oder Oxymetazolin (Nasivin® und Wick® Sinex) ist bei der allergischen Rhinitis kritisch zu hinterfragen. Die maximale Therapiedauer von sieben bis zehn Tagen reicht in der Regel nicht aus, um eine saisonale Allergie zu überbrücken. Eine längerfristige Anwendung führt zur Gewöhnung und damit zu einer schleichenden Steigerung der Dosis. Beim Absetzen kommt es dann meist zu einem Rebound- Effekt, also zu einem verstärkten Wiederauftreten der Symptome.

 

Achtung Missbrauchspotenzial

 

Zur Behandlung von allergischen Symptomen ist auch das Sympatho­mimetikum Pseudoephedrin in Kombination mit dem Antihistaminikum Triprolidin zur systemischen Applikation im Handel (Rhinopront®). Ob ein Kombipräparat aus diesen Arzneistoffen gegenüber der Einnahme der Monosubstanzen Vorteile bringt, konnten Forscher in Studien bisher nicht eindeutig belegen. Durch die gefäßverengende Wirkung von Pseudo­ephedrin kann das Arzneimittel Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Herzrasen, Unruhe und Schlafstörungen hervorrufen. Pseudoephedrin wird häufig missbräuchlich verwendet und steht auf der Verbotsliste der Welt- Antidopingagentur. Es wirkt ausschließlich gegen die nasale Obstruk­tion und lässt alle anderen Symptome unberührt. /

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