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Gesetzliche Krankenversicherung

Mehr Ausgaben für Arzneimittel

11.03.2015
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Von Ev Tebroke / Allen Unkenrufen zum Trotz scheint die Finanzentwicklung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) 2014 recht ausgeglichen. Das zeigen aktuelle Zahlen aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG). Die Einnahmen fielen demnach höher aus als erwartet, der Ausgabenzuwachs war niedriger als prognostiziert. Für Arzneimittel mussten die Kassen aber deutlich mehr ausgeben als bisher.

Dem vorläufigen Finanzergebnis zufolge kostete jeder Versicherte 4,9 Prozent mehr Geld als im Vorjahr. Zu der Kostensteigerung haben nach Angaben des BMG vor allem höhere Arzneimittelausgaben beigetragen. Diese stiegen im vergangenen Jahr um 9 Prozent (2,9 Milliarden Euro).

 

Weniger Rabatt

 

Der Ausgabenzuwachs ist demnach zu rund 3 Prozent auf das Auslaufen des erhöhten Herstellerrabatts von 16 Prozent zurückzuführen. Seit 1. Januar 2014 galt zunächst ein Rabatt von 6 Prozent, seit April beträgt er 7 Prozent. Auch die hohen Ausgaben für neu zugelassene Medikamente zur Hepatitis-Behandlung schlugen mit rund 600 Millionen Euro beträchtlich zu Buche.

 

Profitieren konnten die Kassen hingegen von den Rabattverträgen mit der Pharmaindustrie. Hier erhöhten sich die Einsparungen in Vergleich zum Vorjahr um 300 Millionen Euro auf 3,15 Milliarden Euro. Laut BMG entspricht der Anstieg dieser Einsparungen somit in etwa dem Zuwachs der gesamten Arzneimittelausgaben. Grundsätzlich ist festzustellen, dass der Ausgabenanstieg leicht unterhalb der Prognose des Schätzerkreises lag. Die Experten waren 2013 von einem Kostenzuwachs von 5 Prozent ausgegangen.

 

Überhaupt zeigt sich die Finanzlage der Kassen insgesamt positiver als erwartet. Nach Angaben des BMG hielten sich Einnahmen und Ausgaben ungefähr die Waage: Einnahmen in Höhe von rund 204,1 Milliarden Euro standen demnach im vergangenen Jahr Ausgaben von rund 205,3 Milliarden Euro gegenüber.

 

Die Differenz geht laut BMG darauf zurück, dass die Kassen insgesamt mehr als eine Milliarde Euro durch Prämienzahlungen und freiwillige Leistungen an ihre Versicherten zurückgeführt hätten. Ohne diese Sonderfaktoren ergebe sich für 2014 somit ein weitgehend ausgeglichenes Finanzergebnis, hieß es.

 

Insgesamt verfügte die GKV zum Jahresende 2014 über ein Finanzpolster von 28 Milliarden Euro: 15,5 Milliarden Euro davon habe die Kassen als Reserve, der Gesundheitsfonds hat ein Depot von 12,5 Milliarden Euro.

 

Die Finanzentwicklung der einzelnen Kassen ist erwartungsgemäß sehr unterschiedlich. Während die Allgemeinen Ortskrankenkassen für das vergangene Jahr einen Überschuss von rund 421 Millionen Euro aufweisen, beklagen die Ersatzkassen ein Minus von mehr als 1 Milliarde Euro. Auch bei den Betriebskassen übersteigen die Ausgaben die Einnahmen um 334 Millionen Euro, bei den Innungskassen waren es 219 Millionen Euro Minus.

 

Falsche Stellschrauben

 

Nach Angaben des BMG sind die Ausgabenüberhänge dieser Kassen überwiegend deren Prämienzahlungen an ihre Mitglieder geschuldet. Die Ersatzkassen weisen dies zurück: Zwar sei ein Teil des Gesamtdefizits auf Prämienzahlungen zurückzuführen (568 Millionen Euro). 500 Millionen fehlten aber aufgrund falscher Stellschrauben beim Finanzausgleich der Kassen. Der sogenannte Risikostrukturausgleich müsse nachgebessert werden, um den Kassenwettbewerb gerechter zu gestalten, so die Forderung des Verbands der Ersatzkassen. Der Dachverband der BKK argumentiert ähnlich. /

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