Pharmazeutische Zeitung online
Schulprojekt

Goethe meets Gym

11.03.2014
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Von Kathrin Müller / Schon seit einigen Jahren besteht in der ostwestfälischen Stadt Bünde eine besondere Kooperation. Die Apotheke am Goetheplatz und das Gymnasium am Markt kümmern sich gemeinsam um Ausbildung und Nachwuchs- rekrutierung. Goethe meets Gym könnte man sagen. In diesem Jahr wurde im Bio-Leistungskurs Interesse für das Fach Pharmazie geweckt. Ein Erfahrungsbericht aus Apothekersicht.

Das Thema der Oberstufenschüler lautete »Wirkstoffe an spannungsabhängigen Ionenkanälen«. Schon bei den ersten Überlegungen zur Konzeptfindung wurde mir klar, dass Wissen abrufen und Wissen für Schüler aufzubereiten zwei völlig unterschiedliche Sachen sind. Nach und nach kristallisierte sich aber ein Entwurf heraus, der die Oberstufenschüler mitnehmen sollte. Denn wer genau hinschaut, erkennt, dass viele physiologische Prozesse, die in der Schule trocken erlernt, in der Medizin und Pharmazie zum Leben erweckt werden.

 

Vortrag zu Rezeptoren

 

Zur Erkennung und Weiterleitung von Signalen aus der Umgebung in eine Zelle hinein wurde im Laufe der Evolution ein ganzer Baukasten an Schaltersystemen erfunden. Zunächst einmal fallen einem hier die G-Protein-gekoppelten Rezeptoren ein, die zum Beispiel von Adrenalin, Dopamin, Histamin und anderen Botenstoffen genutzt werden. Zudem gibt es die Rezeptoren mit Enzymaktivität und Rezeptoren, die im Zellkern direkt die Transkription regulieren. Als wichtige Komponenten des angeborenen Immunsystems bringen wiederum andere Rezeptoren, die sogenannten Toll-like-Rezeptoren, Abwehrreaktionen in Gang.

 

Der Fokus meines Vortrags in der Schule lag jedoch auf den Rezeptoren, die nach Substratbindung mit einer Änderung der Ionenleitfähigkeit an der Membran reagieren. Zu nennen sind hier beispielsweise die 5-HT3-Rezeptoren, die ganz maßgeblich am Chemotherapie-bedingten Erbrechen beteiligt sind und die durch die Wirkstoffgruppe der Setrone eine effektive Blockade erfahren. Im Rahmen der Epilepsietherapie wird die Sensibilität von Natrium-, Calcium- und Chloridkanälen ausgenutzt, um Gehirnzellen von spontanen Entladungen abzuschirmen. Auch die Wirkung von Tranquilizern fußt auf dem Prinzip der verstärkten Hyperpolarisation durch Chloridionen-Einstrom in die Zelle. Eine Lokalänasthesie hingegen basiert auf Unterbrechung des Natriumionen-Einstroms in nozizeptiven Nervenfasern. Nicht zu vergessen das Feld der Antiarrhythmika: Na- trium-, Kalium- und Calciumionen-Ströme bieten hier viele Möglichkeiten der Steuerung.

 

Die sich anschließende Diskussion konzentrierte sich vor allem auf die Tranquilizer und die mit diesen Wirkstoffen oft verbundene Suchtproblematik. Punkte wie klare Indikationsstellung, kleinste Dosierung und kurzmöglichste Anwendung wurden ebenso angesprochen wie auch Unterschiede zu Betäubungsmittelverordnungen. Darüber hinaus zielten etliche Fragen auf die »Modediagnose« ADHS ab. Auch eine eindeutige Positionierung bezüglich »Alltagsdoping« wegen des zunehmenden Leistungsdrucks in Schule und Beruf war gefragt.

 

Apotheken-Rundgang für Schüler

 

Schließlich folgte nach der Theorie die Praxis, ein Besuch meiner Apotheke. Aufgeteilt in drei Gruppen und begleitet von meinen Mitarbeitern erhielten die Schüler Einblick in die Bereiche Arzneimittelabgabe/Beratung, Rezeptur und Labor/Arzneistoffprüfung. Hier durfte auch ausprobiert werden und spätestens jetzt tauten auch die zurückhaltenden Schüler auf. Mich würde es sehr freuen, wenn ich bei den Schülern Interesse für den Apothekerberuf geweckt habe und sich der ein oder andere später vielleicht für ein Pharmaziestudium entscheiden wird. /

Gute Noten von den Schülern

PZ / Bei den Schülern des Bio-Leistungskurses sind der Vortrag von Apothekerin Kathrin Müller und das Schnupperpraktikum in ihrer Apotheke offenbar gut angekommen. Das zeigt die Auswertung des Evaluationsbogens, den die 23 Schüler im Nachgang ausgefüllt haben. So wurden sie gefragt, ob der Vortrag gelungen war. Die Schüler waren sich einig, dass diese Aussage voll oder weitgehend zutreffend ist. Das gleiche Bild zeigt sich bei der Frage, ob die Präsentation in der Apotheke informativ und interessant war. Mehr als zwei Drittel antworteten mit voll zutreffend, der Rest mit der zweitbesten Note »meist zutreffend«. Eine weitere Frage war, ob die Schüler nach dem Besuch in der Apotheke eine genauere Vorstellung vom Berufsfeld des Apothekers haben. 19 von 23 Schüler konnten für sich sagen, dass diese Aussage voll oder weitgehend zutreffend ist. /

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