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Pharmacon Meran

Positive Bilanz

06.06.2017
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Von Daniel Rücker / Zum diesjährigen Pharmacon Meran kamen über 860 Teilnehmer und die Resonanz war durchweg positiv. Das spiegelt auch den Eindruck der Professoren Dr. Theo Dingermann und Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz wider. Im Interview bestätigen sie, dass es keinen Grund gebe, das bewährte Konzept zu ändern.

PZ: Kürzlich ging der Pharmacon Meran zu Ende. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

 

Dingermann: Meine Bilanz fällt sehr positiv aus. Es war, wie wir uns das im wissenschaftlichen Beirat vorgenommen hatten, ein durchaus anspruchsvoller Kongress, auf dem ausgewiesene Experten in ganz überwiegend hervorragenden Vorträgen wissenschaftliche Innovationen für die praktische Pharmazie aufbereitet und kommuniziert haben. Dass dieser Kongress aber auch Interesse für die pharmazeutischen Wissenschaften geweckt hat, berichtete mir die Vizepräsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, Apothekerin Kathrin Müller, die am DPhG-Stand über 100 neue Mitglieder und Schnuppermitglieder in unsere wissenschaftliche Gesellschaft auf­nehmen konnte.

Schubert-Zsilavecz: Auch meine Bilanz ist in allen Belangen positiv. Der Pharmacon Meran hat sich zu einem echten Aushängeschild der deutschen Apothekerinnen und Apotheker ent­wickelt mit einer wunderbaren Teilnehmerstruktur. Erfahrene Kolleginnen und Kollegen bilden sich gemeinsam mit Studierenden fort. Gerade für die Studierenden ist es wichtig, noch vor dem Studienabschluss live zu erleben, dass Fortbildung für die spätere Berufsausübung unverzichtbar ist.

 

PZ: Was waren für Sie die Höhepunkte der Veranstaltung?

 

Dingermann: Für mich ist immer ein Vortrag von Dr. Eric Martin ein Highlight. Zwar sind seine Vorträge extrem mit Informationen beladen. Das liegt allerdings keineswegs in einer gewissen Maßlosigkeit des Referenten begründet. Vielmehr sind die Themen nun einmal extrem komplex, wenn man wirklich die Zusammenhänge verstehen, mögliche Probleme erkennen und die Patienten optimal beraten und bei der therapeutischen Stange halten will. Für die Vorträge von Dr. Martin ist eine Nacharbeitung quasi unerlässlich, die jedoch gut gelingt, da er, wie die meisten anderen Referenten auch, seine Vorträge zum Download zur Verfügung stellt.

 

Schubert-Zsilavecz: Mein persön­liches Highlight war der Vortrag meines Kollegen Dingermann über CRISPR/Cas9. Es ist ihm perfekt gelungen, die innovative Technik der therapeu­tischen Genschere verständlich vorzustellen und die Optionen für die Zukunft aufzuzeigen. Die vielen Fragen der Studierenden nach dem Vortrag zeigten nicht nur das große Interesse am Thema, sondern auch die gute Ausbildung an den pharmazeutischen Instituten in Deutschland.

 

PZ: Haben Sie schon die Evalua­tionsbögen der Teilnehmer gesehen? Wie ist die Veranstaltung bewertet worden?

 

Dingermann und Schubert-Zsila­vecz: Tatsächlich haben wir eine erste Auswertung von Dr. Berit Winter erhalten. Die Kommentare sind gran­dios, wie hier auszugsweise dokumentiert: »Highlight-Fortbildung«; »Sehr gelungener Kongress: summa cum laude«; »Hervorragendes Programm/riesiges Lob für Programm«; »Programm gut aufeinander abgestimmt«; »Tolle Themen; Seminare und Vorträge sehr lehrreich und praxisbezogen«; »Praxis­relevante Seminare mit guten Tipps«; »Organisation sehr professionell«; »Gut, dass so viele junge Apotheker/Studenten da sind«; »Bin begeistert, dass Teilnahme der Studenten ermöglicht wird – danke!«

 

PZ: Welche Themen waren aus Ihrer Sicht in diesem Jahr die wichtigsten?

 

Dingermann: Ich denke, diese Frage würde sehr heterogen beantwortet, wenn man sie allen Kongressteilnehmern stellen würde. Da Sie jedoch mich gefragt haben, kann ich sagen, dass für mich der erste Themenblock, in dem die Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt wurden, der wichtigste war.

 

PZ: Gibt es beim Pharmacon Themen, die zu kurz kommen?

Dingermann: Wenn man sucht, wird man immer Themen finden, zu denen man auch gerne einen Vortrag hören würde. Der wissenschaftliche Beirat folgt bei der thematischen Zusammenstellung der Pharmacon-Kongresse bestimmten Regeln. Zum einen pflegen wir Themenblöcke zusammenzustellen. Für die Meran-Kongresse sind das in der Regel drei Themenblöcke; bei den Winterkongressen in Schladming konzentrieren wir uns üblicherweise auf ein großes Thema. Eine Ausnahme bildet der Mittwoch in Meran. Hier sind die Vorträge zu den neuen Arzneimitteln des vergangenen Jahres und die Arzneimittel vor der Zulassung gesetzt. Und es besteht kein Zweifel, dass das auch von der ganz großen Mehrzahl der Kongressteilnehmer so gewünscht wird, denn diese Vorträge erhalten zu recht immer Bestbewertungen. Der Nachmittag ist dann offen für Themen, die auch schon einmal einen Blick über den Tellerrand der praktischen Pharmazie bieten. Und auch dies wird in den Bewertungsbögen überwiegend positiv gesehen.

 

PZ: Wer entscheidet über die Themen der Veranstaltung und über die Referenten?

 

Dingermann: Themen und Referenten werden vom wissenschaftlichen Beirat der Bundesapothekerkammer bestimmt und ausgesucht. Diesem Gremium sitzt Dr. Andreas Kiefer, der Präsident der BAK, vor. Die Sitzungen werden entweder vom Präsidenten oder vom Vizepräsidenten der BAK geleitet. Man macht es sich dort nicht einfach. Ganz wichtig sind dabei auch die Bewertungsbögen, die die Kongressteilnehmer abgeben können und sollen. Alle Bewertungen und Bemerkungen werden strukturiert gesammelt, und es wird immer wieder diese Sammlung zurate gezogen, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

 

PZ: Die Pharmacons finden seit vielen Jahren im selben Format statt. Haben Sie schon einmal über Änderungen nachgedacht?

 

Dingermann: Natürlich kommt immer mal wieder die Frage auf, ob man Veränderungen an den Kongressformaten vornehmen sollte. Bisher wurde hier konservativ verfahren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Pharmacon-Kongresse auch im Kontext der Fortbildungsaktivitäten der LAK zu sehen sind. Dadurch wird nicht nur eine Komplementarität hinsichtlich der Kongress-Themen, sondern auch hinsichtlich der Formate gewährleistet. Im Übrigen findet man hier auch einen gewichtigen Grund dafür, dass beide Kongresse im Ausland stattfinden. Zwar hören auch wir den Ruf nach einem nationalen Kongress. Wird man dann jedoch konkret, kommen gleich die Einwände der Kammern, die lokal betroffen wären. Und tatsächlich sind solche Einwände auch gut nachvollziehbar.

 

Schubert-Zsilavecz: Ich warne davor, ohne Not ein erfolgreiches Konzept zu verändern. Klar wird man immer wieder Anpassungen vornehmen, allerdings immer im Wissen, dass die Zustimmung zu Inhalten und Format des Kongresses sehr hoch ist. Von allergrößter Bedeutung sind neben der Themenauswahl die Qualität der Referentinnen und Referenten. Die Qualitätsmaßstäbe, die hier an den Tag gelegt werden, brauchen keinen nationalen oder internationalen Vergleich zu scheuen, ganz im Gegenteil!

 

PZ: In diesem Jahr waren rund 100 junge Apotheker und fast 200 Pharmaziestudenten in Meran. Wie kommt die Veranstaltung bei dieser Altersgruppe an?

 

Dingermann: Ich glaube, es ist nicht übertrieben, wenn man diese Initia­tiven als extrem positiv bezeichnet, die auch dazu geführt haben, dass das Durchschnittsalter massiv gesenkt wurde. Und die Resonanz aus den Reihen der angehenden Kollegen bestätigt diese Einschätzung. So schrieb mir ein Kommilitone aus Düsseldorf, dass der Kongress bei ihm einen konkreten Anstoß für eine Promotion gegeben habe.

 

PZ: Wovon profitieren die Studenten und jungen Apotheker nach Ihrer Einschätzung am meisten?

 

Dingermann: Die Studierenden erleben hier hautnah, wie wichtig eine lebenslange pharmazeutische Fortbildung ist, nachdem sie ihre Ausbildung an den Universitäten beendet haben. Immer wieder hört man auch, dass es sehr befriedigend ist, komplexe pharmazeutische Zusammenhänge von Top-Referenten präsentiert zu bekommen, die man während des Studiums schon vermittelt bekommen hat, weil dies die Relevanz der universitären Ausbildung unterstreicht. So schrieb uns eine Studentin aus Mainz: »Auch fachlich konnte man alles mitverfolgen, man fühlte sich vom Studium gut vorbereitet.« Und viele Studierende erleben, dass sie sich an Diskussionen beteiligen können, bei denen die älteren Kolleginnen und Kollegen sich eher zurückhalten. Ich selber war extrem positiv überrascht, wie klug nach meinem Vortrag zur CRISPR/Cas9-Technologie gerade von den jungen Teilnehmern nachgefragt wurde.

 

PZ: Der Berufsnachwuchs wird auch deshalb nach Meran eingeladen, damit er nach dem Berufseinstieg wiederkommt. Wie gut funktioniert das?

 

Dingermann: Das funktioniert erfreulich gut. So einen Kongressbesuch, in einem so tollen Umfeld, bei so optimalem Wetter vergisst man nicht. Und sehr viele Studierende äußern sich spontan, dass sie wiederkommen werden. Tatsächlich trifft man von Jahr zu Jahr immer wieder neue ehemalige Studenten, die mittlerweile in den Apotheken arbeiten. Das ist für einen Hochschullehrer extrem befriedigend, wenn ich das so sagen darf. Eine Studentin aus Bonn schrieb uns zu diesem Thema: »Es macht einfach Spaß, sich an diesem tollen Ort weiterzubilden. Ich kann es nur jedem empfehlen, nächstes Jahr beim Pharmacon in Meran dabei zu sein. Ich bin es bestimmt.«

 

PZ: Bei der Eröffnung hat der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff den Festvortrag gehalten. Warum haben Sie sich für ein europapolitisches Thema entschieden?

 

Schubert-Zsilavecz: Die politischen Debatten der letzten Wochen und Monate waren sehr stark vom Thema Europa geprägt, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Wahlen in Frankreich und den USA. Da lag es auf der Hand, Europa in den Mittelpunkt des Auftaktvortrages zu stellen und Redner aus dem Europa-Parlament anzusprechen. Mit Alexander Graf Lambsdorff konnte ein deutscher Vizepräsident des Europa-Parlaments gewonnen werden, der in einem rhetorisch brillanten Vortrag mit hohem Sachverstand die europä­ische Gesamtsituation sehr gut analysierte und für die Zukunft die richtigen Schlüsse zog. /

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