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Kassenärzte

Köhler bleibt Vorstandschef

15.03.2011
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Von Stephanie Schersch / Andreas Köhler bleibt Vorstandvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Auch Carl-Heinz Müller wurde im Vorstand bestätigt. Nicht alle Ärzte sind mit dieser Wahl zufrieden.

Köhler und Müller werden die Geschicke der Kassenärzte damit auch in den kommenden sechs Jahren führen. Beide erhielten bei der Wahl zum KBV-Vorstand rund zwei Drittel der Stimmen. Als wichtigstes Ziel ihrer Amtszeit nannten sie den Kampf gegen den Ärztemangel. »Einem stetig steigenden Behandlungsbedarf stehen nach wie vor begrenzte Mittel und immer weniger Ärzte gegenüber«, sagte Köhler. Die Bedarfsplanung spiele dabei eine große Rolle, für deren Reform gebe es bereits ein Konzept. Außerdem soll der Arztberuf attraktiver werden. »Dafür müssen endlich die Richtgrößenprüfung und die Arzneimittelregresse weg«, sagte Müller.

Als Reaktion auf die Kritik einiger Kassenvereinigun­gen (KV) kündigte Köhler an, die Länder stärker in Entscheidungen einzubinden. »Auch die Honorarver­teilung wollen wir komplett regionalisieren, sodass die KVen besser auf regionalen und lokalen Versorgungsbedarf reagieren können.« Köhler ist bereits seit 2005 Vorstandschef der KBV. Seit vier Jahren gehört auch Müller zum Vorstand.

 

Der Wahl waren heftige Streitigkeiten unter den Kassenärzten vorausgegangen. Als Herausforderer um die Vorstandsposten waren der Stuttgarter Hausarzt und Chef des Ärztebundes Medi, Werber Baumgärtner, sowie der Vorsitzende der Ärzteorgani­sation NAV-Virchow-Bund, Dirk Heinrich, angetreten. Beide hatten die Arbeit der KBV-Spitze heftig kritisiert. Dabei ging es auch um die Bezahlung der Ärzte. Baumgärtner forderte eine grundlegende Neuordnung bei der Honorierung. »Wir wollen feste Preise, die betriebswirtschaftlich kalkuliert sind«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

 

Kritiker werfen Köhler vor, seine Ausgangsposition bei der Wahl mit einem Trick verbessert zu haben. Ursprünglich sollte die Abstimmung erst im April stattfinden, was seinen Gegenkandidaten mehr Vorbereitungszeit eingeräumt hätte. Mit Verweis auf anstehende Verhandlungen für das geplante Versorgungsgesetz wurde die Wahl jedoch kurzfristig vorgezogen.

 

Ein abgekartetes Spiel

 

Gleich vier der 17 Kassenvereinigungen kritisierten dieses Vorgehen als »abgekartetes Spiel«, darunter mitgliedsstarke Verbände wie die Vereinigungen in Bayern und Baden-Württemberg. Die Arbeit des Vorstands würden sie nun »äußerst kritisch begleiten«, kündigten die KVen an und verwiesen zugleich darauf, dass sie gemeinsam ein Drittel der rund 150 000 Vertragsärzte und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung verträten.

 

Ob sich die Wogen innerhalb der konfliktfreudigen Ärzteschaft nach den Querelen um die Vorstandwahl nun wieder glätten, bleibt abzuwarten. Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Kuno Winn, rief die Ärzte zu Geschlossenheit auf. »Ohne einen Grundkonsens in den entscheidenden gesundheits- und berufspolitischen Fragen werden wir unsere Interessen auf Dauer nicht mehr wirkungsvoll vertreten können«, sagte Winn. / 

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