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Die Pharmaindustrie wehrt sich

16.03.2010  17:46 Uhr

Von Daniela Biermann und Werner Kurzlechner, Berlin / Die Pharma-industrie will den Schwarzen Peter nicht. Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) wehrt sich gegen Diffamierungen.

Im Februar hatte der BPI erklärt, wie er die Kosten für neue Arzneimitteln senken würde. Der BPI will die Preise selbst festlegen und innerhalb von fünf Jahren einen zusätzlichen Nutzen der Innovation nachweisen. Erst dann sollen Kassen und Hersteller über Preise verhandeln. »Ich habe es satt, als Buhmann der Nation und Schmarotzer auf Kosten kranker Menschen dazustehen«, sagte BPI-Chef Dr. Bernd Wegener am Dienstag. Anlass für diesen Ausbruch war ein ZDF-Fernsehbeitrag, in dem die Pharmaindustrie undifferenziert als korrupter Preistreiber mit »mafiösen Praktiken« dargestellt worden sei. Das Timing sei kein Zufall, sagte Wegener mit Blick auf das Sparkonzept von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler. Dessen parlamentarischer Staatssekretär Daniel Bahr beschwichtigte: »Wir wollen den Zugang zu Innovationen nicht erschweren.« Doch das sei kein Freifahrtschein für die Industrie. Die Hersteller müssten die Vorteile neuer Arzneimittel herausstellen.

Am Abend zuvor hatte Wegener auf dem parlamentarischen Abend des BPI an die Politik appelliert, den Konsens mit den Pharmaherstellern zu suchen, anstatt mit Zwangsrabatten und Preisgrenzen zu drohen. Die Rechte der Verbraucher würden mit Füßen getreten, wenn deren Anspruch auf Auswahl aus einem vielfältigen Angebot sowie auf Zugang zu sicheren und innovativen Arzneimitteln gefährdet werde. Viele Generikahersteller seien bereits seit Einführung der Rabattverträge »an den Rand der Existenz gedrängt«, zudem werde der Arzneimittelmarkt überschwemmt von Medikamenten und Fälschungen aus dem Ausland. Röslers Vorhaben bedrohten insbesondere Rentabilität und Überleben der jungen Start-ups in der Branche. Würde die Politik die Preise weiter drücken, wäre pharmazeutische Forschung nicht mehr wie bisher möglich. »Der Rasenmäher der Planwirtschaft wird angeworfen«, polterte Wegener.

 

Die anwesenden Vertreter der schwarz-gelben Koalition stimmten zwar eine versöhnliche Tonlage an, ließen aber keinen Zweifel an ihrer Entschlossenheit zu Maßnahmen. »Selbstverständlich werden wir uns mit den anderen Kostenträgern genauso auseinandersetzen wie mit Ihnen«, sagte Ulrike Flach, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion. Sie bekräftigte dabei, dass auch Einschnitte bei den Apotheken erörtert würden. Gleichzeitig versprach sie, der Pharmaindustrie »die nötige Luft zum Atmen« geben zu wollen.

 

Auch Johannes Singhammer (CSU), Fraktionsvize der Union im Bundestag, bekannte sich zum Pharmastandort Deutschland und sprach sich gegen Zwangsrabatte zumindest im laufenden Geschäftsjahr aus. Eine klare Absage erteilte der Politiker aus München einer Halbierung der Mehrwertsteuer für Arzneimittel, weil sie keinen großen Effekt bringen würde. /

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